Wasser aus der Glasflasche oder Plastikflasche?

Egal ob mit viel, mäßig, wenig oder gar ganz ohne Kohlensäure – mit einem durchschnittlichen jährlichen Mineralwasserverbrauch von knapp 148 Litern pro Person können wir nur eine Schlussfolgerung ziehen: Wir Deutschen lieben unser Wasser! Doch beim Einkauf kommt so mancher oft ins Grübeln: Soll es aus der Glas- oder aus der Plastikflasche kommen?

Wir haben die jeweiligen Vor- und Nachteile für dich analysiert und zusammengefasst: Handhabung, Geschmack, Umweltfreundlichkeit, und Gesundheit. Welche Flasche ist der Gewinner? Die gute, alte Glasflasche oder die neumodische Plastikflasche?

Handhabung

Wer sich aus seiner Kindheit noch an die Wasserkästen mit 6 oder 12 Glasflaschen erinnert, welche sich nur schwer heben ließen, der freut sich heute umso mehr über die leichteren Plastikflaschen. Selbst wenn diese im Bulk gekauft werden, lassen sie sich ohne weitere Probleme tragen. Und sollten diese doch mal aus der Hand rutschen: Halb so wild, denn Plastik ist ein sehr stabiles Material. Nicht so die Glasflasche: Ich erinnere mich noch an die ein oder andere Glasflasche, welche auf unseren Kellertreppen das Zeitliche gesegnet hatte und das anschließende mühselige Aufpicken und Zusammenkehren der Scherben, welches mit Warnungen einher ging, bloß nicht barfuss in die Nähe der Treppe zu gehen. Trotz sorgfältiger Reinigung hat man dann meistens ein paar Tage später doch noch den ein oder anderen Glassplitter finden können.

Dank ihrer einfacheren und sicheren Handhabung ist die Plastikflasche hier ein klarer Gewinner!

Geschmack

Manch einer kennt es vielleicht: Getränke aus einer Plastikflasche schmecken ein bisschen anders als wenn diese aus einer Glasflasche kommen. Laut Expertenmeinung kommt der komische Beigeschmack der Getränke in Plastikflaschen von Acetaldehyd. Dieser Stoff wird in geringen Anteilen vom Plastik ins Wasser abgegeben – ein Vorgang, welcher zeit- und temperaturabhängig ist. Das bedeutet: Je länger die Flasche liegen bleibt und umso höheren Temperaturen diese ausgesetzt ist, desto mehr Acetaldehyd wird freigesetzt und gelangt somit ins Wasser. Dies habe zwar laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) keine gesundheitsschädlichen Folgen, da die freigesetzten Mengen zu gering sind, jedoch kann sich dies auf den Geschmack auswirken. Dieses Phänomen lässt sich zum Beispiel dann feststellen, wenn man einen Schluck aus einer Plastikwasserflasche nimmt, welche im Sommer für mehrere Tage im Auto gelegen hat und dort enormer Hitze ausgesetzt war.

Hinsichtlich des Geschmacks geben wir einen Punkt an die Glasflasche, da diese nicht den Geschmack beeinflussen kann.

Umweltfreundlichkeit

Bereits 2016 war ein Trend zu beobachten: Während die Mehrwegflasche, welche aus Plastik oder Glas sein kann, 1991 mit 91% Marktanteil noch klar die Nase vorne hatte, hat sich dieser Anteil mittlerweile auf nur noch 39% reduziert. Grund hierfür ist die Plastik-Einwegflasche: Dank ihrer praktischen Handhabung ist diese seit einigen Jahrzehnten auf dem Vormarsch. Zu unterscheiden sind Einweg- von Mehrwegflaschen aus Plastik nur noch bei genauerem Hinsehen anhand eines Logos oder einer kleinen Aufschrift, denn Pfand kann mittlerweile für beide fällig werden und beide können wie bereits erwähnt aus Plastik, genauer gesagt PET, sein. PET (Polyethylenterephtalat), für dessen Herstellung übrigens Erdöl benötigt wird, wird in dickerer Form für die Mehrweg- und in dünnerer Form für die Einwegflasche verwendet. Und so sollte es nicht überraschen, dass fast jede zweite Bundesbürger sich nicht über den Unterschied zwischen Einweg- und Mehrwegflasche bewusst ist.  

Wie der Name schon verrät: Die Einwegflasche kann nur einmal verwendet werden. Na hoppla? Einige werden verständlicherweise die Stirn runzeln, was es dann überhaupt mit dem Recycling auf sich hat. Werden diese nach dem Recycling nicht wieder in neue Plastikflaschen umgewandelt? Jein, ist die Antwort. Sobald die Einwegflaschen ihre Lebensaufgabe erfüllt haben, werden diese nach Farben sortiert, zerhackt und deren Überreste gewaschen, anschließend eingeschmolzen und als Granulat aufbereitet. Dieser Schmelzprozess macht jedoch ungefähr die Hälfte der Plastikmoleküle für die Wiederverwendung für neue Plastikflaschen unbrauchbar. So kann nur ein geringer Teil des recyceltem Granulats – weniger als 30% – zum Neumaterial hinzugefügt werden, woraus dann neue Plastikflaschen gemacht werden. Das restliche recycelte Granulat wird dann für andere Prozesse genutzt, zum Beispiel zur Herstellung von Textilfasern wie Polyester oder als Feuerungsmittel in Müllverbrennungsanlagen und Heizkraftwerken.

Während die Einwegflasche somit einem komplizierten Recyclingprozess unterliegt, wird die Mehrwegflasche entsprechend gereinigt und wiederbefüllt – dieser Vorgang kann 20 mal für PET-Flaschen und 60 mal für Glasflaschen wiederholt werden. Hinsichtlich der CO2-Bilanz ist für die Mehrwegflasche somit überwiegend dessen Transportweg sowie Wasser- und Reinigungsmittelverbrauch zu beachten. Hier kann sich das schwerere Gewicht der Mehrwegflasche aus Glas wieder negativ auswirken, da dies zu höheren Transportemissionen beitragen kann. Mehrwegflaschen – egal ob aus Plastik oder Glas – haben jedoch oft zentrale Abfüllanlagen, wodurch sich deren Transportwege im Vergleich zu Einwegflaschen wesentlich verringern. Dementsprechend errechnete die Deutsche Umwelthilfe e.V., dass eine Mehrwegflasche nur rund 260 Kilometer zurücklegt, während die Einwegflasche auf doppelt so viel kommt. Insgesamt verbraucht das Recycling einer Einwegflasche dann ganze 55 Gramm mehr an CO2 als die Wiederbefüllung einer Mehrwegflasche. Wer beim Einkaufen seines Getränk also auf eine gute Umweltbilanz Wert legt, der sollte nach einer Mehrwegflasche mit einer regionalen Abfüllanlage Ausschau halten.

Da Mehrwegflaschen – egal ob aus Plastik oder Glas –  in Hinsicht auf Umweltverträglichkeit die Nase vorne haben und mehrere Faktoren wie beispielsweise der Transportweg bei der Umweltbilanz ins Spiel kommen, entscheiden wir uns hier für ein unentschieden zwischen Glas- und Plastikflasche. Klare Verlierer sind jedoch alle Einwegflaschen, da diese eine sehr schlechte Umweltbilanz haben.

Gesundheit

Die Plastikflasche gerät immer wieder in die Kritik, da die in der Verpackung verwendeten Chemikalien durch das Wasser in unseren Körper gelangen können. So haben Studien beispielsweise ergeben, dass PET-Flaschen deutlich öfter mit chemischen Rückständen und mit fast doppelt so vielen Hormonen belastet sind als Glasflaschen. Insgesamt seien die nachgewiesenen Rückstände in Wasser aus Plastikflaschen jedoch nicht gesundheitsschädlich, versichert das Bundesinstitut für Risikobewertung. Forscher der Universität Frankfurt und Würzburg sind jedoch nicht der gleichen Meinung: Anhand von Forschungsergebnissen stehen diese PET eher kritisch gegenüber. PET sei ein eher poröses Material, welches es erlauben würde, dass Kohlensäure entweicht und aufgrund dessen gewisse Substanzen in die Flüssigkeit gelangen könnten, welche wir letztendlich zu uns nehmen würden. Dies könnte bisher nicht abschätzbare Langzeitfolgen für unsere Gesundheit haben.  

Da sich bisher gewisse gesundheitliche Gefahren durch PET nicht ausschließen lassen, geben wir hier unseren Punkt an die Glasflasche.

Fazit

Hier nochmal unsere Gewinner in jeder Kategorie im Überblick:

Handhabung: Plastikflasche

Geschmack: Glasflasche

Umweltverträglichkeit: Unentschieden zwischen Mehrweg-Glas- und Mehrweg-Plastikflasche

Gesundheit: Glasflasche

Aufgrund ihrer besseren Umweltbilanz durch Wiederauffüllung, Geschmack und Gesundheitsverträglichkeit, ist die Mehrweg-Glasflasche unser persönlicher Gewinner!

Im Endeffekt ist es wahrscheinlich eine persönliche oder gar logistische Wahl, ob du dich für eine Glas- oder Plastikflasche entscheidest. Da sich Plastikflaschen einfacher transportieren lassen, ist es eine einfachere Lösung für diejenigen, die ihre Einkäufe ohne Auto erledigen. Vergiss jedoch nicht: Solltest du dich letzten Endes für eine Plastikflasche entscheiden, sollte diese eine Mehrwegflasche sein!

Und falls du deinen CO2-Fingerabdruck noch weiter verringern willst und eine günstige Alternative zum Wasserflaschenkauf vorziehst: Das günstigste Wasser, welches noch nicht einmal transportiert werden muss, kommt immer noch aus dem hauseigenen Wasserhahn!