Studienfinanzierung in der Corona-Krise

In Deutschland finanzieren sich circa zwei Drittel der Studierenden ihr Studium durch Nebenjobs, beispielsweise in Bars, Cafés, Restaurants oder auf Ausstellungen und Messen. Viele von ihnen haben nun aufgrund der Corona-Krise ihren Job und damit eine wichtige Einnahmequelle für ihren Lebensunterhalt verloren und geraten in finanzielle Notlagen. Das stellt viele Studenten vor große Herausforderungen und sorgt für Zukunftsängste. Die Regierung diskutiert derzeit noch über Sofortmaßnahmen zur Hilfe von betroffenen Studenten. Wir informieren über die aktuellen Entwicklungen, alternative Jobs und Anlaufstellen zur Beratung bei finanziellen Problemen.

Regierung auf der Suche nach Maßnahmen

Die Regierung hat angekündigt, zusätzliche unbürokratische Finanzhilfen für Studenten, die wegen der Corona-Krise ohne Arbeit und Einkünfte dastehen, bereitzustellen. Die Hilfen sollen in Form eines zinslosen Darlehen erfolgen. Bisher sei noch kein Träger gefunden, der die Umsetzung der bundesweiten Darlehen übernehmen kann. Weitere Sofortmaßnahmen zur Unterstützung von Studenten werden geprüft.

In einem offenen Brief an die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) forderten Vorsitzenden der Jugendorganisation von SPD (Kevin Kühnert), CDU (Tilman Kuban), Die Grünen (Anne Peters) und FDP (Ria Schröder) eine Öffnung des BAföGs für Studenten, die im Zuge der Corona-Krise ihren Job verloren haben. Circa 900 Millionen Euro der Haushaltsmittel, die für das BAföG zur Verfügung stehen, wurden 2019 nicht abgerufen. Gelder, welche nun als Unterstützung in der Corona-Krise eingesetzt werden können. Eine Öffnung des BAföGs, welches nur teilweise zurückgezahlt werden muss, lehnt Karliczek bisher jedoch ab. 

Alternative Nebenjobs

Erntehelfer: Die Landwirtschaft sucht derzeit händeringend nach Saisonarbeitskräften. Aufgrund der Grenzschließungen sind vielen Betrieben Arbeitskräfte aus dem Ausland verloren gegangen. Vermittlungsplattformen wie erntehelfer-gesucht.de und daslandhilft.de helfen dabei, eine passende Stelle in deiner Region zu finden.

Auslieferer: Die Nachfrage nach Lieferdiensten für Essen und Getränke ist während der Quarantäne stark gestiegen, sodass viele Lieferdienste nach neuem Personal suchen.

Aushilfe in Supermärkten: Auch in Lebensmittelgeschäften werden aktuell mehr Arbeitskräfte gebraucht, um die Regale einzuräumen und die Hygieneauflagen zu erfüllen.

Alternative Finanzierungsmöglichkeiten

Es lohnt sich, die Angebote der Hochschulen und der Studierendenwerke zu prüfen. Die Hamburger Hochschulen bieten beispielsweise ein Corona-Notfalldarlehen für Studenten an. Die Darlehen sind jedoch teilweise mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden und falls der Nebenjob auf Dauer wegfällt, sind Studenten zusätzlich mit der Rückzahlung der Darlehen belastet. Auch die KfW bietet seit Anfang Mai ein zinloses Darlehen in Höhe von bis zu 650 Euro im Monat für Studierende an, die aufgrund der Corona-Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten gekommen sind.

BAföG

Auch wenn ihr bisher kein BAföG erhalten habt, kann bei veränderten Einkommensverhältnisse ein Antrag bzw. ein Aktualisierungsantrag sinnvoll sein. Hinzu kommt, dass mit der BAföG Reform 2019 die Freibeträge auf das elterliche Einkommen deutlich gestiegen sind und dadurch mehr Studenten eine Berechtigung auf das Fördergeld erhalten. Wer die Regelstudienzeit aufgrund der Corona-Krise überschreitet, erhält die Förderung in der Regel weiterhin. Ausführliche Informationen zum Thema Bafög findet ihr hier.

Wohngeld

Für das Wohngeld sind normalerweise nur BAföG-Empfänger berechtigt. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Wer beispielsweise die Altersgrenze für die BAföG Berechtigung überschritten hat oder einen Fachwechsel durchgeführt hat, kann unter Umständen staatliches Wohngeld erhalten.

Weitere Möglichkeiten

Neben den Notfallmaßnahmen gibt es auch Programme unabhängig der Corona-Krise, die helfen das Studium zu finanzieren. Dazu gehören Studienkredite und Stipendien. Studien- und Bildungskredite bieten eine zinsgünstige Finanzierung des Studiums an. Der Bildungskredit ist ein Programm der Bundesregierung zur finanziellen Förderung von Ausbildung und Studium. Monatlich kannst du dir auf diese Weise bis zu 300 Euro leihen. Die Kredite können teilweise auch mit dem BAföG kombiniert werden. Eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung sind die zahlreichen Stipendienangebote in Deutschland. Viele schrecken vor einer Bewerbung zurück, da fälschlicherweise angenommen wird, nur mit exzellenten Noten eine Chance auf ein Stipendium zu haben. Die Studienleistung ist jedoch nur ein Faktor, der zum Erfolg einer Stipendiumsbewerbung beiträgt. Genauso wichtig ist gesellschaftliches Engagement und die persönliche Motivation. Hilfe bei der Suche eines Stipendiums gibt es hier.

Anlaufstellen zur Beratung

Viele Universitäten und Fachhochschulen bieten Beratungsangebote innerhalb sogenannter Corona-Sprechstunden an und informieren über Möglichkeiten zur Zwischenfinanzierung des Semesters. Die Studienfachberatung oder die zentrale Studienberatung der jeweiligen Hochschule sowie die Studierendenwerke sind in den meisten Fällen die ersten Anlaufstellen für Studenten.

Fazit

Leider sind die Sofortmaßnahmen zur Unterstützung der Studenten sehr unübersichtlich und fragmentiert verteilt zwischen den Verantwortungsbereichen des Bunds und der Länder. Bisher beschränken sich die Corona-Unterstützungen auf Notfalldarlehen. Für Studenten, für die ein Darlehen nicht infrage kommt, kann ein temporärer Job als Auslieferer, Erntehelfer oder im Supermarkt eine alternative Finanzierungsquelle sein.