Minimalismus – der Abschied von allem Geliebten?

Minimalismus ist seit einigen Jahren bestehender Trend und gewinnt bei immer mehr Menschen Anerkennung. Während die einen bereits aktiv versuchen minimalistischer zu leben, hadern andere mit dem Gedanken, sich bei der Entscheidung für einen minimalistischen Lebensstil von vielen ihrer geliebten Dinge verabschieden zu müssen – ein Irrtum.

Was ist Minimalismus?

Der Minimalismus versucht dem Konsumüberfluss Einhalt zu bieten, denn sprichwörtlich ist weniger ja mehr. Mit diesem Hintergedanken wird das eigene Konsumverhalten auf Bedeutsamkeit und Notwendigkeit hinterfragt.

Unser alltägliches Leben wird immer schnelllebiger, begleitet von Zeitdruck, Stress und Reizüberflutungen durch soziale Medien, Reklamen und vielem mehr. Es ist nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen das Bedürfnis haben ihr Leben zu sortieren, um bei all der Schnelllebigkeit zu erkennen, was sie wirklich glücklich macht. Neben der Suche nach mehr Erfüllung, bietet der Lebensstil des Minimalismus auch die Möglichkeit seinen ökologischen Fußabdruck auf diesem Planeten zu reduzieren und so der Umwelt etwas Gutes zu tun.

Wie aber beginne ich den Minimalismus-Gedanken in mein Leben umzusetzen?

Oft halten wir an Dingen oder Beziehungen fest, die zwar nicht mehr die Bedeutsamkeit für uns haben wie vielleicht zu Anfang, aber ja vielleicht nochmal einen Nutzen haben könnten.

Das bewusste Aussortieren von Dingen kann ein erster Schritt in Richtung Minimalismus sein. Führe Dir vor Augen, welche deiner Habseligkeiten und Beziehungen wirklich wichtig für dich sind und auf welche Du von heute an verzichten könntest.

Ein alternativer Schritt in Richtung Minimalismus ist das bewusste Einkaufen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob es der tägliche Lebensmitteleinkauf oder das Shopping mit Freunden am Wochenende ist. Sich über die Notwendigkeit des bevorstehenden Kaufes bewusst zu werden, verhindert Käufe, die auf Grundlage von Reizüberflutungen und Stresskompensation getätigt werden. Dieses Bewusstwerden kann nicht nur bares Geld sparen, sondern auch Schuldvorwürfe nach getätigten Einkäufen vermeiden.

Ein weiteres Beispiel der praktischen Umsetzung des Minimalismus ist zum Beispiel die minimalistische Garderobe, auch Closet Capsule genannt. Hier wird der Kleiderschrank auf ca. 10-20 Basiskleidungsstücke minimiert und können variierend miteinander kombiniert werden, sodass der persönliche Stil trotz des Minimalismus nicht zu kurz kommt. Des Weiteren basiert das Prinzip der Closet Capsule darauf, dass bei jedem Kauf eines neuen Teils das neue gegen eines der übrigen Kleidungsstücke ausgetauscht wird. So bleibt der Kleiderschrank minimalistisch gefüllt mit deinen Lieblingskleidungsstücken.

Minimalistisches Wohnen ist ein weiterer Ansatz, den Minimalismus-Gedanken umzusetzen. Beim minimalistischen Wohnen bestimmen klare Linien sowie natürliche Materialien wie Holz und Papier den Raum. Die klaren Linien, die Zurückhaltung bei der Farbgebung, die Kombination mit natürlichen Materialien sowie die zugleiche bewusste Akzentsetzung mit Pflanzen, Bildern und Kissen, sorgen so für einen eleganten und beruhigenden Wohnstil. Nicht ohne Grund erfreut sich der skandinavische Trend des zeitlosen, minimierten und zugleich heimeligen Einrichtungsstil auch in Deutschland an immer mehr Beliebtheit.

Auch der Minimalismus im Sinne von Wohnfläche wird hierzulande sowie auch im Ausland zunehmend populärer. Insbesondere sogenannte “Tiny Houses” (z.dt. “Minihäuser”) bieten die Möglichkeit auf minimal notwendigem Raum zu wohnen und somit Abschied von übermäßig großer Wohnfläche, Möbeln und Ausgaben in Miete und Nebenkosten zu nehmen. Und auch hier kommt der ökologische Fußabdruck nicht zu kurz, da Tiny Houses in der Regel mithilfe von recycelbaren Baustoffen, wie z.B. Holz, Schafswolle, Hanf oder Seegras, konstruiert werden.

Doch nicht nur materielle Dinge werden bei dem Minimalismus-Gedanken in Betracht gezogen. Oft können auch Beziehungen und Freundschaften größere Belastungen darstellen, als wir zugeben wollen. Diese Belastung zu ignorieren, kann uns über die Dauer hinweg einiges an Energie kosten und unser Glücklichsein beeinträchtigen. Innere Konflikte oder der eigene Schuldvorwurf, selbst nicht in der Lage zu sein genügend Energie in eine Freundschaft investieren zu können, fressen langsam aber sicher an der eigenen Zufriedenheit. Hier kann es hilfreich sein, sich über den Wert einer Beziehung oder Freundschaft bewusst zu werden, um zu erkennen, wie viel Investment in diese Beziehung getätigt werden sollte und ob das Freimachen von dieser Beziehung vielleicht sinnvoller wäre.

Der Start zu einem minimalistischen Leben beginnt also mit kleinen Schritten und kann auf die verschiedensten Arten umgesetzt werden, je nachdem, wie es zum eigenen Leben passt. In der Umsetzung des Lebensstil des Minimalismus, scheint es aber dennoch generell angebrachter, den bewussten Verzicht auf Dinge mit Platzschaffen für das Wesentliche zu vergleichen, statt mit einem Abschied von allem Geliebten.