Das erste Mal alleine wohnen

Für viele Jugendliche ist es ein langersehnter Traum: Der Auszug aus dem Elternhaus; alleine wohnen. Die Freiheit, alleine entscheiden zu können und zu machen worauf man Lust hat, diese Gedanken begleiten viele durch ihre Schulzeit, in der es oft zu Auseinandersetzungen mit den Eltern kommt. Doch ist der Auszug wirklich die beste Option? Und was muss man bei einem Auszug alles beachten? LebeJetzt.de berichtet.

Umzug

Mit welchem Alter kann man ausziehen?

Es ist keine Besonderheit, dass Jugendliche sich während ihrer Teeniezeit von ihren Eltern abgrenzen wollen, und das am Liebsten auch räumlich tun würden. Hier müssen die meisten allerdings warten bis sie 18 Jahre alt sind, da die Eltern oder der gesetzliche Vormund das Aufenthaltsbestimmungs-recht haben. 

Mit dem Gesetz vereinbar ist der Auszug schon mit 16 Jahren, allerdings benötigt man hier die Erlaubnis der Eltern. Falls diese es erlauben, müssen sie alle Verträge mit unterschreiben, vom Mietvertrag bis hin zu Verträgen, welche die Nebenkosten betreffen, und sind für die finanzielle Absicherung verpflichtet. Sie sind weiterhin für den Minderjährigen verantwortlich, weswegen ein großes Vertrauen bestehen muss. 

Lebenshaltungskosten

Besten Voraussetzungen für einen Auszug

Der richtige Zeitpunkt für einen Auszug ist für jeden ein anderer. Während die Einen also schon jahrelang davon träumen, ist es für die Anderen ein unheimlicher Gedanke, das Elternhaus zu verlassen. Egal wofür man sich entscheidet, alles ist in Ordnung. Als Jugendlicher solltest du dich nicht dazu gezwungen fühlen, ausziehen zu müssen, nur weil alle deine Freunde dies tun.

Bevor du ausziehst, solltest du nämlich genauestens abwägen, ob diese Entscheidung die richtige für dich ist.
Der erste Punkt, welcher hierbei zu bedenken ist, ist wo dich dein weiterer Lebensweg hinführt. Wenn du nach der Schule eine Ausbildung oder ein Studium anfängst und diese in einer anderen Stadt stattfinden, solltest du dich über den Weg erkundigen. Ist dieser akzeptabel oder steht ein neuer Umzug bevor? Ein wichtiger Faktor sind hier die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Fahrrad, da viele junge Erwachsene nicht die finanziellen Mittel haben, ein eigenes Fahrzeug zu finanzieren. 

Die finanziellen Mittel sind der nächste Punkt, der unbedingt zu beachten ist. Der Wunsch nach einem Auszug hängt zu einem großen Teil hiervon ab. Ohne Geld kannst du dir keine Wohnung, kein Essen und auch sonst nichts leisten. Für einen Auszug sollte man demnach im besten Fall schon ein eigenes festes Einkommen haben. 

Wenn man aufgrund eines Studiums oder einer Ausbildung auszieht, gibt es mehrere Optionen. Man kann sich gegebenenfalls auf die Unterstützung der Eltern verlassen, welche dir möglicherweise dein Kindergeld weiterleiten. Ansonsten gibt es die Möglichkeit, Bafög zu beantragen (welches jedoch abhängig vom Einkommen der Eltern ist), einen Studienkredit aufzunehmen, sich für ein Stipendium bewerben oder einen Studentenjob anfangen.

Finanzplanung

Wohnmöglichkeiten

Die WG

Als junger Erwachsener ist eine sehr beliebte Variante die Wohngemeinschaft (WG). Hier ziehst du mit einer oder mehreren Personen zusammen in eine Wohnung. Hier habt ihr jeweils einzelne Zimmer, teilt euch jedoch Küche, Badezimmer und Wohnzimmer, welches das Leben oft günstiger macht.

Insbesondere wenn du noch einen gewissen Respekt vor dem Alleine Wohnen hast, ist das WG-Leben eine gute Alternative. Du hast zwar die Unabhängigkeit von deinen Eltern, jedoch bist du nicht alleine und hast eine oder mehrere Personen, auf die du dich verlassen kannst und mit denen du die Vorzüge einer eigenen Wohnung nutzen kannst. Manchmal bietet sich dir vielleicht sogar die Möglichkeit an, mit Freunden zusammen zu ziehen. Hier sollte man allerdings bedenken, dass das Zusammenleben eine Freundschaft auch ganz schön auf die Probe stellen kann. Bei Mitbewohnern ist es keine Besonderheit, dass es mal zu Konflikten bezüglich nerviger Angewohnheiten oder Nichtbeachten des Putzplanes kommt. Wenn du dich also dazu entscheidest mit Freunden zusammen zu ziehen, solltet ihr euch klar machen, dass es bei einem Streit nicht ums Persönliche, sondern um das Problem an sich geht.

Solltest du nicht die Möglichkeit haben mit Freunden zusammen zu ziehen, ist eine WG trotzdem oft eine gut Wahl. Viele WGs veranstalten ein WG-Casting, um zu testen, ob du gut in die WG Dynamik passen würdest. Bei dem Casting hast auch du die Möglichkeit zu schauen, ob dir deine gegebenenfalls zukünftigen Mitbewohner gefallen oder nicht. Häufig sind deine Mitbewohner schon länger in der Stadt, kennen sich gut aus und können dir viele Tipps geben. Wenn ihr nun alle auch etwas unterschiedliches studiert, oder arbeitet, lernst du direkt ganz viele verschiedene Menschen kennen, was vor allem zu Corona Zeiten sonst relativ schwierig ist. Mitbewohner sind also vor allem zur jetzigen Zeit ein großer Pluspunkt, um nicht nur einsam in seiner Wohnung zu sitzen.

Eigene Wohnung

Studentenhaus

Ziehst du für dein Studium aus und das WG-Leben klingt nach einer tollen Option? Dann kommt vielleicht auch ein Studentenhaus für dich in Frage. Diese sind besonders beliebt bei Erstsemestern, da bei so vielen Mitbewohnern immer was los ist. In Studentenhäusern lernst du viele neue Menschen kennen, was am Anfang in einer neuen Stadt eine große Hilfe sein kann. Studentenhäuser können sehr unterschiedlich sein, mal teilst du dir mit einigen Personen die Küche und das Badezimmer und in einigen hast du auf wenigen Quadratmetern dein eigenes Zimmer inklusive Küche und Badezimmer. Durch die Menge an Studenten ist es jedoch selten ruhig, solltest du dich also auf dein Studium fokussieren wollen und bist nicht so gerne unter Menschen, ist dies eher eine schlechte Wahl.

Eigene Wohnung

Wie oben erwähnt, muss man sich auf seine Mitbewohner verlassen können und ist somit auch darauf angewiesen, dass sie sich an Abmachungen, etc. halten. Das Zusammenleben mit anderen ist jedoch kein Muss und so kannst du dir auch deine eigene Wohnung suchen, in der allein du für alles verantwortlich bist, jedoch auch selbst Entscheidungen treffen kannst und sogar musst.

Was kostet der Auszug und das Alleine Leben?

Wenn du beschlossen hast auszuziehen, kommen vor allem am Anfang viele Kosten auf dich zu. Je nachdem wo man hinzieht, muss man unterschiedliche Dinge beachten und besorgen.

Miete

Die Mieten variieren in jeder Stadt stark. Konstanz, München und Hamburg haben aufgrund der Nachfrage sehr hohe Mietpreise für Studenten. Halle an der Saale, Erfurt und Leipzig sind hingegen im Durchschnitt am günstigsten. In Konstanz bezahlst du pro Quadratmeter durchschnittlich 20,12 Euro (warm). In Halle an der Saale zahlst du im Schnitt lediglich 11,26 Euro (warm). Sei dir also bewusst, dass die Mieten in Großstädten exorbitant teurer werden. 

Achte bei deinem Mietvertrag darauf, ob du deine neue Unterkunft warm oder kalt mietest. Bei einer Warmmiete sind die Nebenkosten inklusive. Bei der Kaltmiete musst du dich um Wasser, Strom- und Gasversorgung selbständig kümmern. Weitere Kosten solltest du für Internet, Abfall-Steuern, sowie Rundfunkbeiträge einplanen. Um die Kosten gering zu halten hilft es, einen Stromvergleich, Gasvergleich sowie DSL-Vergleich durchzuführen, um die günstigsten Tarife zu finden. 

Zusätzlich musst du bei einem Umzug einige Neuanschaffungen tätigen, welche für den Anfang üblicherweise schwer in der Tasche liegen. Je nachdem ob du in eine bestehende WG ziehst oder in deine erste eigene Wohnung, musst du von Staubsauger bis hin zu Gabel und Messer viele Dinge kaufen. Dabei kommen auch noch einmal einige Extrakosten zusammen.

Umzug

Leben

Jeder ist natürlich einen anderen Lebensstandard gewohnt. Wir nutzen nun einmal den BAföG-Höchstsatz, um zu erklären, von welchen durchschnittlichen Kosten die Regierung für dich ausgeht. Der Höchstsatz liegt im Wintersemester 2020/2021 bei 861 Euro, sofern du nicht mehr zuhause wohnst und keine Familienversicherung mehr möglich ist. BAföG wird aufgeteilt in Grundbedarf, Wohnpauschale und einem Zuschlag für Kranken- und Pflegeversicherung (kurz: KV/PV). 

Die Höhe des Grundbedarfs liegt bei 427 Euro und ist abhängig von der Art der Ausbildung sowie Ausbildungsstätte, welche du besuchst. Die finanzielle Unterstützung soll deine Kosten für Ernährung, Kleidung, Transport, Freizeit, Kommunikation, Lernmittel, Gesundheit und weitere Kosten decken.
Die Wohnpauschale gibt es nur für Hochschulstudenten, Studierenden höherer Fachschulen und Akademien, sowie für bestimmte Schülergruppen und liegt bei höchstens 325 Euro. 
Musst du deine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung selbst zahlen und bist nicht mehr über deine Eltern familienversichert, kannst du einen Zuschlag von bis zu 109 Euro bekommen. Den Anspruch hast du allerdings nicht, wenn du einen bezahlten Job hast, welcher die Einkommensgrenze von 450 Euro im Monat (ausgenommen ist die Selbstständigkeit und Pflichtpraktika) überschreitet. 

Wenn du selbst Kinder hast oder im Ausland studierst, gibt es noch einen Kinderbetreuungszuschlag oder Auslandszuschläge.

Studentenwohnung

Fazit

Hegst du den Wunsch von zuhause auszuziehen? Dann überlege dir gut, ob du diesen Schritt wirklich wagen möchtest und es sich für dich mental und finanziell lohnt. Bedenke die oben genannten Punkte gut und stelle sicher, dass du wirklich nichts vergessen hast, was dich später eiskalt überraschen könnte. 
Wenn du diesen Artikel mit einem guten Gefühl lesen konntest, alle Bedingungen erfüllst und im Idealfall noch die Unterstützung deiner Eltern hast, die dir aus eigenen Erfahrungen noch viele weitere Tipps geben können, dann steht deinem Auszug nichts mehr im Wege.