Wenn das Obst mal wieder schimmelt… wegwerfen oder die betroffene Stelle entfernen?

Wer kennt es nicht: Man kauft sich ein Schälchen Himbeeren oder Erdbeeren und sobald man diese essen will und aus dem Kühlschrank holt – Schimmel! Doch was macht man dann mit der ganzen Schale? Sollte man diese tatsächlich wegwerfen? Oder reicht es, einzelne Beeren zu entfernen? Erfahre nachfolgend alles rund um den leidigen Schimmel, der unser Obst und andere Lebensmittel befällt.

Gestern ist es mal wieder passiert: In voller Vorfreude hatte ich ein Schälchen Himbeeren gekauft. Schön frisch sahen sie aus, als ich sie gekauft hab. Und als ich das Schälchen dann zu Hause aus dem Kühlschrank holte und mit Begeisterung öffnete, lachten mich weiße Schimmelhärchen und grüne Flecken an. Ich habe mit mir rumgerungen, ob ich nun doch einfach nur die paar Himbeeren wegwerfen soll, welche mit dem Schimmel geschmückt waren (schließlich wäre es doch schade, alle Himbeeren wegzuwerfen) oder ob dann doch mein übervorsichtiger Menschenverstand gewinnt und die Schale wehmütig entsorgen soll. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, daher hatte ich mich für letzteres entschieden. Doch war dies wirklich nötig? 

Was ist Schimmel genau und was passiert, wenn man diesen zu sich nimmt? 

Damit Schimmelpilze wachsen und gedeihen können, bedarf es gewisser Voraussetzungen. Zu diesen gehören eine gewisse Temperatur und pH-Wert sowie das Vorhandensein von Wasser, Kohlenhydrate, organisch oder anorganisch gebundener Stickstoff und tierische oder pflanzliche Fette. Das ist eine lange Liste, dennoch erfüllen unsere Lebensmittel leider oft diese Anforderungen. 

Das tückische ist, dass Schimmel nicht immer mit dem bloßen Auge sichtbar ist. Schimmel wächst nämlich nicht nur an der Oberfläche der Lebensmittel, sondern auch im Inneren, wo sich dieser entsprechend ausbreitet. Was wir als Schimmel erkennen können, wenn dieser weiße und grüne Spuren auf unseren Lebensmitteln hinterlässt, ist nur der sogenannte Fruchtkörper des Pilzes. Dieser Teil ist der Sporenträger, welcher über die Luft seine mikroskopisch kleinen Schimmelsporen verbreitet – man könnte diesen also mit der Blüte einer Blume vergleichen. Der Rest des Pilzes besteht aus einem eher unsichtbaren Geflecht (Hyphen genannt) im Inneren der Lebensmittel – dies ist besonders bei porösen Lebensmitteln der Fall, wie zum Beispiel bei Brot. Somit lässt sich die tatsächliche Menge der vorhandenen Schimmeltoxine nicht immer anhand des sichtbaren Schimmelbefalls abschätzen. Zusätzlich lassen sich Schimmeltoxine nicht einfach “abkochen”, denn diese sind hitzestabil. Wer sich also durch heißes Braten, Kochen oder Rösten sicher fühlt, der täuscht sich leider. Wenn die Lebensmittel erst einmal vom Schimmel befallen sind, hilft einfrieren ebenfalls nicht mehr. 

Der Schimmelpilz produziert gewisse Stoffwechselprodukte, welche Mykotoxine genannt werden. Genau diese sind es, welche uns dann bei Verzehr gesundheitliche Probleme bereiten können. Als besonders gesundheitsschädlich gelten Schimmelpilze, welche Nüsse, Gewürze und Trockenfrüchte befallen. Bei diesem Schimmelbefall werden Aflatoxine freigesetzt, welche zellschädigend sind. Die wiederholte Einnahme von kleineren Mengen Aflatoxine wird daher mit Leber- und Nierenschäden in Verbindung gebracht, kann Leberkrebs begünstigen sowie das Erbgut verändern. Die Einnahme dieses sogenannten “Nuss-Schimmel” kann außerdem auch zu akutem Leberversagen führen. 

Schimmel ist übrigens nicht nur für uns Menschen gesundheitsschädlich, sondern ebenso für Tiere!

Sollte man (oder Tier) verschimmelte Produkte zu sich nehmen, kann es zu einer sogenannten Mykotoxinvergiftung kommen. Dies macht sich bemerkbar durch Verdauungsbeschwerden, wie beispielsweise Appetitlosigkeit, Durchfall und Erbrechen. Es kann jedoch auch schwerwiegendere Folgen haben, wie zum Beispiel Leber- oder Nierenschäden, Schäden am zentralen Nerven- und Immunsystem oder Haut- und Schleimhautschäden. Langzeitauswirkungen können sogar Schädigung des Erbguts sein, welches sich auch auf einen Embryo im Mutterleib auswirken kann, sowie Krebs. 

Was macht man also mit verschimmelten Lebensmitteln? Wie kann man Schimmel vorbeugen?

Aufbewahrung:

  • Wenn du frische Lebensmittel kaufst, versuche diese schnellstmöglich zu verarbeiten und zu verzehren
  • Achte darauf, wie du deine Lebensmittel im Kühlschrank lagerst. Erdbeeren bleiben zum Beispiel länger frisch, wenn du diese flach auf einem Teller im Kühlschrank verwahrst.
  • Solltest du schimmelige Lebensmittel entdecken, entsorge diese umgehend. Denn Schimmelspore können sich im Kühlschrank verbreiten.

Schimmel im Brotkasten:

  • Reinige deine Brotkästen regelmäßig – alte Brotkrümel sind anfällig für Schimmel und dieser kann sich entsprechend weiterverbreiten.
  • Wenn dein Brot an einer Ecke verschimmelt ist, empfiehlt es sich deiner Gesundheit zu Liebe das ganze Brot wegzuwerfen. Die Schimmelsporen können sich bereits innerhalb des Brots ausgebreitet haben, auch wenn diese nicht mit dem bloßen Auge zu erkennen sind.

Verschimmelte Nüsse, Trockenobst oder Gewürze:

  • Wenn Nüsse komisch schmecken, gilt die Regel: Lieber spucken statt schlucken!
  • Verdorbenes Trockenobst sollte direkt entsorgt werden. 
  • Bewahre deine Gewürze nicht zu dicht am Herd auf – die entstehende Hitze und Luftfeuchtigkeit begünstigt Schimmelbildung. 
  • Schimmel in Gewürzen ist schwer zu erkennen, da diese oft sehr klein gemahlen sind. Achte bei deinen Gewürzen also auf deren Mindesthaltbarkeitsdatum.

Verschimmelte Konfitüren und Gelees:

  • Konfitüren und Gelees sollten grundsätzlich im Kühlschrank aufbewahrt werden – je weniger Zuckeranteil diese haben, desto anfälliger sind sie für Schimmel. 
  • Solltest du Schimmel im Marmeladenglas finden, sollte das ganze Glas weggeworfen werden. Denn der Schimmel sitzt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht nur dort, wo du ihn bereits sehen kannst, sondern auch am Glas selbst.

Verschimmelte Milchprodukte:

  • Wasserhaltige Lebensmittel sind anfällig für Schimmelbefall. Solltest du verschimmelte Milchprodukte haben, wie beispielsweise Milch, Joghurt, Quark oder Frischkäse, sollten diese direkt weggeworfen werden – bei diesen breitet sich Schimmel sehr schnell aus.

Verschimmeltes Obst oder Gemüse:

  • Verschimmeltes Obst oder Gemüse sollte komplett entsorgt werden. 
  • Ebenso eignet sich verschimmeltes Obst oder Gemüse nicht dazu, es noch weiterzuverarbeiten, beispielsweise zu Kompott. Die Toxine können durch Kochen oder ähnliche Vorgänge nicht zerstört werden und bleiben im weiterverarbeiteten Produkt bestehen.

Doch Schimmel ist nicht gleich Schimmel

Nicht jeder Schimmel ist gesundheitsschädlich. Manchmal ist Schimmel sogar gewollt, wenn es beispielsweise um gewisse Käse- oder Wurstsorten geht. Dieser Schimmel wird als sogenannte “Edelkultur” oder “Edelschimmel” bezeichnet, hat keine negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit und kann unbedenklich verzehrt werden. Edelschimmel sorgt für einen einzigartigen Geruch und Geschmack, wie zum Beispiel im Falle der Salami oder des Blaukäses. Man sollte diesen Edelschimmel also nicht mit dem ungewollten, schädlichen Schimmel verwechseln. 

Auch Tiere können eine Mykotoxinvergiftung erleiden

Ein wichtiger Hinweis noch zum Schluss: Bitte verfüttere niemals verschimmelte Lebensmittel an Tiere – diese können, wie zuvor erwähnt, genauso eine Mykotoxinvergiftung erleiden wie wir Menschen!

Fazit

Verschimmelte Lebensmittel sollten also nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Experten raten, dass verschimmelte Lebensmittel im Zweifelsfall immer weggeworfen werden sollten. Denn, selbst wenn wir nur kleine Schimmelflecken auf den Lebensmitteln erkennen können, im Inneren haben sich dann schon die für uns unsichtbaren Pilzfäden breitgemacht. Grundsätzlich sollte im Kühlschrank und im Brotkasten für ausreichend Hygiene gesorgt werden, indem man diese regelmäßig sauber macht und man seine verderblichen Lebensmittel ebenso regelmäßig kontrolliert.