Urlaub in Thailand: Plastikhölle im Paradies

Wer bereits einmal in Thailand war, der weiß, dass dieses Land wie kaum ein anderes von Plastik bestimmt wird. 70 Milliarden Plastiktüten werden jährlich in Thailand verbraucht. Ob Plastik-To-Go Smoothiebecher, welche mithilfe eines plastiktütenartigen Henkels getragen werden können, um ja kein böses Kondenswasser zu berühren, dreifach eingetütete Plastikwasserflaschen inklusive eingeschweißtem Plastikstrohhalm oder einzeln in Plastik verpackte Bananen: Thailand ist im weltweiten Vergleich auf dem 6. Platz in Sachen Plastikkonsum – was nicht überrascht, wenn man den unbedachten Umgang mit Plastik und Einweg-Produkten in dem asiatischen Industriestaat einmal erlebt hat. Besonders den 32,5 Millionen vor allem westlichen Touristen pro Jahr fällt es oftmals schwer, diesen Zustand mit anzusehen. Was jeder Thailandurlauber selbst tun kann, um seinen Teil im Kampf gegen den Plastikwahnsinn zu leisten, erfahrt ihr hier.

1. Mehrweg-Geschirr

In jedem Ort Thailands, egal wie klein oder groß, gibt es mindestens einen vernünftigen sogenannten Food Market. Im Angebot haben diese literweise Thai Curries aller Art in großen Kübeln, die in kleine Plastiktüten gefüllt werden. Diese werden dann zusammen mit einer weiteren mit Reis gefüllten Plastiktüte portionsweise verkauft. Zusätzlich erhält man noch in Plastik eingeschweißtes Besteck. Das Essen inklusive Plastikberg wird an den Kunden übergeben, der die Mahlzeit dann entweder umgefüllt in einer Plastikschüssel vor Ort genießen kann oder das ganze sowieso mit nach Hause nimmt, um dort das in Plastik eingepackte Essen in eine herkömmliche Porzellanschüssel umzufüllen. Das Ergebnis: Jede Menge unnötiges Plastik.

 Ein einfacher Weg, um dies zu verhindern und wenigstens einen kleinen Unterschied zu machen, inmitten des überwältigenden Plastikkonsums, ist das Mitnehmen von wiederverwendbarem Geschirr. Dies kann so einfach sein wie eine kleine Tupperdose und einfaches Besteck aus Messer und Gabel, welches man im Rucksack oder in der Handtasche mit sich trägt. Wer stilsicherer dinieren möchte, der findet ein großes Angebot an Mehrweggeschirr-Reisesets im Internet, die die benötigten Utensilien teilweise faltbar anbieten. Besonders schön ist das Ganze, wenn es aus Bambus hergestellt wird. Auf diese Weise können Curries und Reis direkt von den Standbesitzern in die Schüssel gefüllt werden und an Ort und Stelle verzehrt werden. Insbesondere in kleineren Orten in ländlichen Regionen bekommt man möglicherweise im ersten Moment einen etwas fragenden Blick von Seiten der Einheimischen zugeworfen, diese fügen sich jedoch letztendlich der Bitte, ihre Ware direkt in die mitgebrachten Schüsseln zu geben, ohne Widerwillen. Ein weiterer Vorteil davon ist es, dass die Portionen besser einzuschätzen sind und es sich so vermeiden lässt, Lebensmittel unnötig wegzuschmeißen.

2. Metall- oder Bambusstrohhalme

Zu einem richtigen Thailandurlaub gehören auch tägliche Fruchtsmoothies, die an jeder Straßenecke für kleines Geld und in jeder Geschmacksrichtung mit den leckersten exotischen Früchten zu finden sind. Egal ob die bewährte Mischung aus Banane und Erdbeere, gewagtere Kombinationen mit Durian, der stinkigsten Frucht der Welt, oder der veganen Fleischalternative Jackfruit: Fruchtsmoothies im Thai-Urlaub sind ein leckerer, erfrischender Snack für zwischendurch. Leider werden durch die Nutzung der etlichen To Go-Cups und Plastikstrohhalme eine Menge Plastik verwendet, die sich nach der Nutzung nicht selten unachtsam am Straßenrand oder am Strand und daraufhin im Meer wiederfinden lassen. Eine Methode sich davon zu distanzieren und den entscheidenden Unterschied zu machen, ist die Nutzung von wiederverwendbaren Strohhalmen aus hochwertigen Materialien wie Bambus oder Metall. Mit einem Strohhalm dieser Art hat man immer die Möglichkeit, bei der Bestellung im (Streetfood-)Restaurant oder am Straßenstand im Voraus den Plastikstrohhalm abzulehnen und stattdessen seinen eigenen mitgebrachten Strohhalm zu nutzen. Glücklicherweise haben einige Orte in Thailand bereits ähnliche Maßnahmen ergriffen, um das Plastikproblem anzugehen. Infolgedessen haben Gastronomien auf der Insel Koh Tao im Golf von Thailand sich beispielsweise kollektiv gegen den Plastikkonsum ausgeschrieben und servieren lediglich Getränke in wiederverwendbaren Behältnissen mit Bambus- oder Metallhalmen. Wer sich jedoch in Orten wiederfindet, wo dies noch nicht der Fall ist, kann durch das Mitbringen der wiederverwendbaren Strohhalme einen Unterschied machen. Und auch an Straßenständen kann man durch das Mitbringen faltbarer Cups eine Menge Plastik vermeiden. Diese lassen sich ebenso wie die Strohhalme einfach im Internet bestellen. Ein ganz besonderes Schmuckstück unter den Mehrweg-Strohhalmen ist übrigens der sogenannte “FinalStraw”, ein faltbarer Metallstrohhalm, der in einem hochwertigen Gehäuse mit integriertem Trockengestell kommt und somit nur noch die Größe eines Feuerzeugs hat.

3. Nein zu Plastiktüten

Ob hierzulande oder im (asiatischen) Ausland: Plastiktüten sind ein leidiges Thema, von dem sich viele Menschen scheinbar nur schwer trennen können. Aber ebenso wie beim Einkaufen in deutschen Supermärkten können diese auch im thailändischen Ausland einfach vermieden werden. Ein einfaches “Nein, danke!” in kleinen Supermärkten, wie beispielsweise 7/11, zur Kassiererin, die deine Einkäufe in Plastik verpacken möchte, oder auf dem Markt beim Kauf von kleinen Mitbringseln genügt, um mehrere Plastiktüten pro Tag einzusparen. Wer in seinem Tagesrucksack oder Handtasche nicht genügend Platz für gekaufte Goodies hat, kann sich mit einem faltbaren Mehrwegbeutel weiterhelfen. Dieser nimmt wenig Platz weg, ist im benötigten Moment zur Stelle, das Mitbringen kostet nicht einen Cent und trägt ganz nebenbei noch zum Umweltschutz bei.

4. Trinkflasche zur Wiederverwendung

Bei der Planung einer Thailandreise stellt man schnell fest, dass das Trinkwasser vor Ort ungenießbar ist. Bereits im Vorfeld machen sich viele Menschen darüber Gedanken, wie sie hydriert und mit schmackhaften Trinkwasser, ohne zusätzlichen Plastikkonsum aufgrund von gekauften Plastikflaschen durch ihren Thailandurlaub kommen. Um dieses Problem anzugehen, gibt es so einige Lösungen. Eine gut durchdachte Innovation ist der sogenannte LifeStraw, ein Wasserfilter, welcher in eine dazugehörige Flasche geschraubt wird und bakterienbehaftetes Leitungswasser filtert und säubert. Aus eigener Erfahrung ist allerdings zu sagen, dass zur Nutzung des LifeStraws eine innere Blockade gelöst werden muss, um sich von dem Gedanken zu befreien, dass weiterhin das dreckige Trinkwasser getrunken wird. Des Weiteren ist die dazugehörige LifeStraw-Flasche so sperrig, dass sie im normalen Urlaubsalltag oftmals im Weg ist, sodass sie eher zur Barriere als zum Hilfsmittel wird. Natürlich ist in diesem Aspekt aber jede Person anders, weshalb die Nutzung des LifeStraws definitiv ein Versuch wert ist.

Eine weitere Alternative zum Kauf von Plastikwasserflaschen im lokalen Supermarkt ist das Mitbringen und Auffüllen einer herkömmlichen BPA-freien Trinkflasche. Diese sind stylisch, aufgrund der BPA-Freiheit nicht gesundheitsschädigend und können inzwischen oft in Hostels oder Hotels in Thailand für nur wenige Cents mit Trinkwasser aufgefüllt werden. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, gibt es außerdem die Möglichkeit, auf der Straße nach Wasserautomaten Ausschau zu halten. Insbesondere auf den Inseln und in den Städten Bangkok und Chiang Mai öfters vertreten, sind die Trinkwasserspender eher unscheinbar und werden aufgrund ihres etwas dreckigem, unhygienischem und “sketchy” Äußeren des Öfteren fälschlicherweise als Sperrmüll abgetan. Wer allerdings über die fragwürdige Erscheinung des Wasserspenders hinwegsieht, kann dort umgerechnet für nur wenige Cents seine Trinkflasche mit sauberem Trinkwasser auffüllen.

Fazit

Beim ersten Urlaub in Thailand sind viele Urlauber oft über den extremen Plastikkonsum erschrocken, sowie über die Art und Weise wie mit dem Plastikmüll umgegangen wird, beispielsweise, dass dieser gedankenlos auf die Straße geworfen wird. Ebenso erschreckend ist das Verbrennen der Kunststoffe auf offener Straße. Für Touristen aus westlichen Ländern ist es ein Einfaches, diesem Trend entgegenzuwirken und mit kleinen essentiellen Dingen im Rucksack den Urlaubsalltag anzugehen. Bei der Nutzung von Mehrwegprodukten kann man nicht nur seinen eigenen Plastikverbrauch reduzieren, sondern auch Mitreisende und möglicherweise sogar die dort ansässigen Einheimischen dazu inspirieren, es einem gleichzutun.