Sofort vor die Haustür und am besten noch kostenfrei: Das Paradox des Online-Shoppings

„Jetzt kaufen” – der wohl zweitberühmteste Button des Internets, gleich nach „Suche starten”, hat eine größere Auswirkung auf unsere Gesellschaft als sich der deutsche Durchschnittsbürger wohl in den zwei Sekunden Bedenkzeit vor einer Bestellung bewusst ist. Doch was für Konsequenzen hat so eine Online-Bestellung für unsere Umwelt?

Die Ausgangssituation ist hier ein normales Paket, Standardversand bei einem üblichen Versandhandel. Das erste Problem ergibt sich, da die Deutschen leider nicht immer mit verwaschener Jogginghose Zuhause auf dem Sofa sitzen und der Paketbote meistens zwei- oder dreimal kommen muss, bis das Paket angenommen oder bei der nächsten Postfiliale hinterlegt wird. Mit ein bisschen Glück willigt ein Nachbar ein, die Sendung anzunehmen, doch auch das passiert eher selten. Bevor wir das Paket also überhaupt erst angenommen haben, hat es – abgesehen von den Lieferungskilometern – schon eine Strecke hinter sich gebracht, die in den meisten Fällen wohl deutlich länger ist als der gemütliche Einkaufsbummel durch die Innenstadt.

Die zweite Hürde folgt aus der Tatsache, dass wir den Weltmeistertitel im Umtausch verliehen bekommen könnten. Mehr als 250 Millionen Paket-Retouren verzeichnet der Online-Handel jährlich in Deutschland. Im Durchschnitt geht jede zehnte Bestellung zurück, bezüglich der Modebranche sieht die Statistik sogar noch deutlich schlechter aus: Hier geht mindestens jede zweite Bestellung zurück. Das bedeutet, nicht nur die Zulieferung hat sich schon sehr schlecht auf die Umweltbilanz ausgewirkt, sondern all dies war letztendlich umsonst und das Paket muss nun doch wieder zurückgesandt werden.

Laut dem Wirtschaftsmagazin “Plusminus” gehen am Tag 800.000 Pakete zurück, die dabei 400 Tonnen CO2 produzieren – ohne auch nur einen Nutzen zu erweisen. Diese Menge an CO2 wird auch bei 225 Autofahrten von Frankfurt nach Peking ausgestoßen – eine Entfernung und Menge, die man sich so gar nicht vorstellen kann.

Fokussiert man sich nun auch noch auf Extra-Wünsche, bzw. Angebote, die mittlerweile schon zum guten Ton gehören, wie Expressversand, wird der CO2 Ausstoß noch gewaltiger. Denn nun fahren zum Teil völlig unausgelastete Paketboten mit großen Autos umher, nur um ein Paket rechtzeitig zustellen zu können (obwohl bestimmt eh niemand Zuhause ist).

Des Weiteren hat sich ein neuer Markt aufgetan: Selbst Nahrungsmittel kann man sich ganz bequem nach Hause liefern lassen, jedoch sollten diese bitte gegen 17 Uhr – also zwischen Beruf und Abendessen – geliefert werden. Dass der Lieferwagen vom Supermarkt aufgrund von Berufsverkehr und anderen Hindernissen bis zu dreimal so lange braucht, wie wenn man selbst die Straße hinuntergelaufen wäre, bedenkt dabei keiner.

Nichtsdestotrotz ist Online-Shopping natürlich möglich und hat auch seine Reize. Denn es gibt wohl kaum mehr Auswahl als im Internet und somit kann man sich ganz bequem von Zuhause unter 75.000 schwarzen Kleidern welche heraussuchen, um dann mit ein wenig Glück das richtige mitbestellt zu haben. Doch braucht man diese massige Auswahl überhaupt?

Wer im Netz umweltbewusst einkaufen möchte, sollte die folgenden Tipps beherzigen:

  1. Kaufe nur Produkte online, die es im lokalen Geschäft in der Nähe nicht zu finden gibt.
  2. Probiere, deine Bestellungen zu bündeln und nicht mehrere kleine Pakete bei verschiedenen Lieferanten zu bestellen.
  3. Vermeide, Kleidung oder Schuhe online zu bestellen: Die Rücksendequote ist hier besonders hoch!
  4. Wähle Lieferdienste aus, die Pfandkisten oder Recyclingkartons verwenden.
  5. Bezüglich Lebensmitteln sind Einkaufsgemeinschaften eine prima Sache, um Einzelbestellungen zu vermeiden. Außerdem führen diese eventuell auch zu gemeinsamen Kochabenden… 😉
  6. Vermeide Expresslieferungen, um einen optimal ausgelasteten Transport zu ermöglichen.
  7. Beachte den Lieferungszeitpunkt, um unnötiges Hin und Her deiner Ware zu vermeiden.
  8. Melde dich bei einer DHL-Paketstation an. Bei diesen kannst du dein Paket einfach nach deinem Feierabend abholen, ohne dass mehrere Zustellungsversuche zu deiner Hausanschrift von Nöten sind. So kannst du dein Paket schneller in Empfang nehmen und es spart CO2!

Viel Spaß beim Shoppen!