Sind Netflix & Co. schlecht für das Klima?

Streaming-Dienste wie beispielsweise Netflix, Amazon Prime und Youtube boomen derzeit. Was gibt es momentan schließlich besseres zu tun als sich abends seine Lieblingsserie anzugucken? Doch was vielen nicht bewusst ist: Das Bingewatchen via Netflix und anderen Streaming-Diensten geht mit einem gewissen CO2-Ausstoß einher. Lese nachfolgend was du tun kannst, um etwas nachhaltiger zu streamen.

Laptop Netflix

Der Datentransfer ist auf einem Rekordhoch

Streaming-Dienste sind seit vielen Jahren ein Erfolg, denn deren Nutzung ist bequem und einfach. Die Kosten sind je nach Streaming-Dienst sehr erschwinglich, bedenkt man das große und abwechslungsreiche Angebot, welches einem für Filme und Serien zur Verfügung steht. Letztes Jahr wurde grob geschätzt, dass in Deutschland allein von Januar bis März rund 1,2 Milliarde Stunden an verfügbaren Online-Filmen und -Serien gestreamt wurden. Diese Zahl dürfte für das Jahr 2020 von Januar bis März noch wesentlich höher ausfallen, aufgrund von Selbstisolation und Quarantäne während der Corona-Krise. 

Streaming-Dienste als umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen DVDs?

Auf den ersten Blick erscheinen Streaming-Dienste nicht nur die bequemere Wahl zu sein, sondern auch die umweltfreundlichere Alternative. Schließlich muss man zu keinem Geschäft fahren, um den Film oder die Serie zu kaufen, oder via Post schicken lassen. Zudem fällt das oftmals aufwändige Verpackungsmaterial weg, welches mit einer DVD oder Blu Ray einhergehen. Doch sind Streaming-Dienste trotz fehlendem Fahr- oder Postweg und Plastikverpackung tatsächlich umweltfreundlicher? 

Die derzeitige Auslastung des Internets zeigt sich an einem neuen Datentransfer-Rekord. Der europäische Internetknotenpunkt DE-CIX, welcher sich in Frankfurt am Main befindet, vermeldete, dass 9,1 Terabit/Sekunde gemessen wurden. Um dies in Relation zu setzen: 9,1 Terabit/Sekunde entspricht einer Datenmenge von mehr als 20 Blu Rays pro Sekunde. 

Trotz der derzeitigen Auslastung unserer Internetleitungen muss sich übrigens keiner Sorgen machen, dass das Internet zusammenbricht. Bisher hält das Internet dem Stresstest bestens Stand. Laut DE-CIX könnten unsere Leitungen bis zu 54,1 Terabit/Sekunde problemlos verarbeiten. 

Doch die derzeitig verarbeitenden Datenmengen kommen mit einem Preis: Es werden hohe Mengen an Strom benötigt, um Dienste wie Netflix & Co. in Anspruch nehmen zu können. Hierzu gehört nicht nur der offensichtliche Stromverbrauch, welcher von unserer Seite durch den Bildschirm und andere benötigte Elektronik entsteht, sondern auch jener, welchen Streaming-Anbieter benötigen: Die großen Mengen an Filmen und Serien müssen digital auf Servern gelagert werden. Bereits 80 % unseres globalen Datenverkehrs besteht aus Videodateien. Diese sind in der Regel große Dateien. Hier gilt: Je besser die Videoqualität, desto mehr Speicherplatz benötigen die Dateien. Und dementsprechend viel Speicherplatz auf Servern benötigen diese Dateien. Die Rechenzentren werden zudem mit Klimaanlagen gekühlt, um ein Überhitzen der Server zu vermeiden. Dies verbraucht ebenfalls große Mengen an Strom. 

Das “Shift Project”

Aufmerksam auf den CO2-Ausstoß durch Streaming-Dienste machte das Projekt “Shift Project”. Das „Shift Project“ ist ein französisches Nonprofit-Unternehmen, welches  rund um das Thema Klimawandel forscht und Studien veröffentlicht. Das Unternehmen zeigte, dass zum Beispiel eine halbe Stunde Streamen rund 1,6 kg CO2 verbraucht, welches einer Autofahrt von 6 bis 7 km entspricht. Es wurde jedoch auch Kritik an dem Projekt laut, da das Unternehmen nur mit ungefähren Zahlen und Richtwerten rechnen könne. Dennoch würden die vom Shift Project veröffentlichten Zahlen einen ungefähren Überblick hinsichtlich des CO2-Verbrauchs von Streaming-Diensten vermitteln können, müssen ebenfalls die Kritiker eingestehen. 

Nachhaltiges Streamen

Doch wie kann man dazu beitragen, dass weniger CO2 durch das Streamen entsteht? 

Zum einen kann man sich die von Greenpeace in 2017 veröffentlichte Studie “Clicking Clean” anschauen, welche untersuchte, welche Streaming-Dienste nachhaltigen Strom beziehen. Man kann sich dann entscheiden, inwiefern man den jeweiligen Streaming-Dienst nutzen und unterstützen möchte. So erhielt YouTube beispielsweise die Note “A”, während Netflix nur die Note “D” erhielt.  

Eine weitere Möglichkeit ist, während des Streamens die Videoqualität zu reduzieren – denn man muss nicht unbedingt in 8K-Qualität streamen. Ebenso kann man überdenken, wie groß der eigene Bildschirm bzw. Fernseher tatsächlich sein muss. Unsere Bildschirme sind während der letzten Jahre immer größer geworden, doch ist ein 60 Zoll-Fernseher tatsächlich notwendig? Bedenke beim Kauf deines Fernsehers, wie gross deine Wohnung ist und wie dicht du am Bildschirm sitzen wirst. 

Solltest du beim Fernsehgucken gerne einmal einschlafen, achte darauf, dass die Autoplay-Funktion ausgeschaltet ist, sodass der Streaming-Dienst nicht unnötig weiterläuft. Oder nutze den Sleeping-Timer deines Fernsehers, damit sich dieser automatisch nach einer gewissen Zeit abschaltet. Eine weitere Möglichkeit ist, den Fernseher auszuschalten, solltest du nicht aufmerksam gucken oder den Film nicht mögen. Wer einen Schritt weitergehen möchte, kann beispielsweise auch über ein Digital Detox nachdenken. Ebenso kann man Ecosia, das grüne Google, als Suchoption nutzen. 

Fernseher Netflix

Fazit

Streaming-Dienste sind für viele unverzichtbar. Sie sind oftmals die bequemere und einfachere Alternative zu DVD, Blu Ray oder Kinobesuchen, besonders in der Zeit der Selbstisolation. Die Zahlen des CO2-Verbrauchs von Streaming-Diensten sind wahrscheinlich nur eine grobe Schätzung. Dennoch sollten sie uns bewusst machen, dass wir Streaming-Dienste bewusst in Anspruch nehmen sollten, um einen unnötigen CO2-Verbrauch zu vermeiden.