Plastiktüten und deren (Teil-)Abschaffung

Der Kampf gegen übermäßigen Konsum von Plastiktüten: Bis zum Jahr 2025 soll der durchschnittliche Jahresverbrauch in Deutschland pro Person von 71 auf nur noch 40 Plastiktüten reduziert werden. Hier erfahren Sie, welche Regelungen innerhalb Deutschlands und auch international getroffen werden, um wertvolle Ressourcen zu erhalten und unsere Umwelt zu schützen.

Wie schädlich ist Plastik für unsere Umwelt?

Die meisten Plastik-Tragetaschen bestehen aus dem Kunststoff Polyethylen, welcher aus Erdöl generiert wird. Der Abbau dieses Materials erstreckt sich über Jahrhunderte. Plastikrückstände treiben im Meer und richten riesige Schäden an. Das sogenannte Mikroplastik wird von Meerestieren gefressen, wodurch der Verdauungsapparat verstopft und die Tiere daran sterben.

Selbstverpflichtungen des Handelsverbandes

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sah eine freiwillige Vereinbarung mit dem Handelsverband Deutschland (HDE) zur Lösung des Plastiktütenverbrauchs vor und kündigte ein Gesetz an, im Falle einer Nichterreichung dieser Vereinbarung. So besteht seit dem 3. Juli 2016 eine freiwillige Selbstverpflichtung des HDE, eine Gebühr für Plastiktüten zu erheben. Diese liegt je nach Größe der Tüten zwischen 10 und 50 Cent. Die sogenannten Hemdchenbeutel an der Obsttheke sind jedoch von dieser Regelung ausgenommen und weiterhin kostenlos erhältlich.

Und die neue Vereinbarung scheint sich auszuzahlen: Die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung für den HDE erhob kürzlich eine zuversichtliche statistische Analyse, die ergab, dass seit dem letzten Jahr der deutsche Einwohner durchschnittlich anstatt 68 Kunststofftüten, nur noch 45 Tüten jährlich verbrauchte. Das ist eine Senkung des Verbrauchs um satte 68%.

Einige Unternehmen wie der Textildiscounter Kik oder die Supermarktkette Aldi gehen einen Schritt weiter und verzichten ganz oder weitestgehend auf Kunststofftüten. So sollen bei Aldi Nord und Aldi Süd nur noch stabile Mehrwegtragetaschen erhältlich sein. Aber auch die Papiertüte soll aufgrund von ökologischen Bedenken abgeschafft werden. Die Produktion einer Papiertüte benötige laut dem Management viel Wasser und Energie und sei aufgrund der geringen Haltbarkeit nicht nachhaltig genug. In der Zeit des Umbruchs im Unternehmen sollen Einwegplastiktüten für 20 Cent über die Ladentheke gehen und diese Einnahmen für Umweltprojekte eingesetzt werden.

Internationale Regelungen und Gesetze

Weltweit bemühen sich auch andere Länder hinsichtlich der Abschaffung der Plastiktüten und versuchen dadurch gemeinsam einen Unterschied für die Umwelt zu machen.

Irland geht als Vorreiter in Sachen Abschaffung der Plastiktüten mit gutem Beispiel voran: Nach der Einführung einer Gebühr von ca. 44 Cent pro Plastiktüte, sank der Verbrauch pro Person und Jahr von 328 auf vorbildliche 16 Tüten.

Auch in England war die Einführung der Gebühr ein Erfolg: Dort kostet eine Tüte heutzutage nur ca. 5 Pence (ca. 5 Cent), dennoch ist ein erheblicher Rückgang des Plastiktüten-Verbrauchs um 85% seit Mitte 2016 zu verzeichnen.

In Frankreich ist der Verkauf von Kunststofftüten seit Juli 2016 sogar verboten. Ab dem Jahr 2020 soll dieses Verbot ebenso für Plastikbecher und Plastikbesteck eintreten.

Auch in Kenia sind die Plastiktüten verboten und es ist bei Nichteinhaltung mit einer heftigen Strafe zu rechnen. Hersteller, die Plastiktüten verkaufen, müssen mit Geldbußen von 40.000 Dollar, oder mit einer Haftstrafe von bis zu 4 Jahren rechnen! Kenia intendiert damit die Stoppung von umweltschädlichem Material.

Es ist also über die Grenzen hinaus eine spürbare Veränderung im Gange, jedoch muss eine verbreitete weltweite Initiative ins Leben gerufen werden, um einen globalen Unterschied zu machen und unsere Umwelt zu schützen.  

Kritik

Kritiker konstatieren jedoch, dass Plastiktüten gar nicht so schädlich für die Umwelt sind, wie sie dargestellt werden. Zwar werden sie aus Erdöl hergestellt, aber je nachdem, aus welcher Perspektive es betrachtet wird, sind sie sogar umweltfreundlicher als beispielsweise die Papiertüte, die wie schon erwähnt, viel Energie und Wasser bei der Produktion verbraucht, auch wenn sie als Müll umweltfreundlicher ist, als die Plastiktüte. Man solle sich darüber hinaus nicht ausschließlich auf Plastiktüten fokussieren, sondern andere Plastikverpackungen, wie zum Beispiel Joghurtbecher oder Kunststoff-Flaschen die ebenfalls im Meer treiben, abschaffen.

In einem Punkt sind sich die Umweltschützer dennoch einig: Die Mehrfachverwendung von Plastiktüten ist für die Umwelt am günstigsten. Wenn es allerdings um Einwegtüten geht, sind die Plastiktüten weiterhin die umweltfreundlichste Alternative.