Nachhaltiges Bio-Palmöl, gibt es das?

Palmöl hat einen sehr negativen Ruf und das nicht ohne Grund: Anbauflächen für Palmöl stehen in Verbindung mit Regenwaldrodung und dem Anbau von Monokulturen. Mit diesen kommen die Vertreibung von einheimischer Bevölkerung und Tieren sowie eine erhöhte Brandgefahr. Doch Palmöl lässt sich mittlerweile in fast jedem zweiten Produkt in unseren Supermärkten vorfinden. Ist die Verwendung von sogenanntem Bio-Palmöl eine ethische und umweltfreundliche Alternative? Wir gehen dem Bio-Palmöl näher auf den Grund. 

Die weltweite Nachfrage nach Palmöl ist sehr hoch, welches sich auf dessen spezielle, vielseitig einsetzbare Fettsäurezusammensetzung zurückführen lässt. Aufgrund dessen lässt es sich in einer Vielzahl von Produkten vorfinden, sei es in Kosmetikprodukten, Reinigungs- und Waschmitteln, Süßigkeiten, Margarine, Tiefkühlpizza, oder gar Kerzen. Allerdings werden nur rund 40 % des nach Europa importierten Palmöls für Nahrungsmittel oder Pflegeprodukte verwendet. Die restlichen 60 % werden für Biokraftstoffe (Biodiesel) und Heizöl verwendet.

Dieser hohen Nachfrage wird vorwiegend mit Palmöl aus Indonesien und Malaysia nachgekommen. Mehr als 85 % des weltweit exportierten Palmöls werden dort auf riesigen Flächen angebaut, für welche ebenso große Flächen an Regenwald gerodet werden müssen. Der weltweite Hunger nach Palmöl kann derzeit nur mit einem Anbau von Palmöl-Monokulturen gestillt werden. So belief sich die benötigte Anbaufläche in 2016 weltweit auf 17 Millionen Hektar, d.h. eine Fläche halb so groß wie Deutschland. Diese Zahl ist seither stetig gewachsen: Mittlerweile werden jährlich circa 74 Millionen Tonnen Palmöl gewonnen, wovon rund 7,7 Millionen Tonnen nach Europa exportiert werden. 

Warum ersetzen wir Palmöl nicht einfach mit anderem Pflanzenöl?

Wenn man sich über die verheerenden Folgen des Palmöls informiert, kommt einem als erste Lösung in den Kopf, dass man einfach kein Palmöl mehr verwenden sollte. Doch leider ist das nicht so einfach: Palmöl ist immer noch das pro Fläche gesehen ertragreichste Pflanzenöl, verglichen mit Alternativen wie beispielsweise Sojabohnen-, Kokos-, Sonnenblumen- oder Rapsöl. D.h. sollten wir weltweit unseren Palmölkonsum auf 0 % reduzieren, müsste diese Lücke entsprechend mit anderem Pflanzenöl gefüllt werden. Eine 1-Hektar-große Palmölplantage kann 3,3 Tonnen Öl produzieren. Im Vergleich dazu steht zum Beispiel die Sojabohnenölplantage, welche auf einer 1-Hektar großen Fläche lediglich 0,4 Tonnen Öl produziert. Entsprechend größere Flächen wären also nötig, um unserem weltweiten Bedarf nach Pflanzenöl nachzukommen. 

Faires Palmöl – gibt es das?

Es gibt mittlerweile Projekte, welche sich für faires und nachhaltiges Bio-Palmöl einsetzen. Dazu zählen beispielsweise die Natural Habitat Group, welche Palmöl in Ecuador anbaut, Daabon in Brasilien (welche Alnatura beliefern) und Serendipalm in Ghana. 

Denn das Problem ist nicht die Verwendung von Palmöl an sich, sondern die Art und Weise wie es derzeit angebaut wird. Die großflächige Monokulturen wie sie in Malaysia und Indonesien betrieben werden, welche zur Abholzung des Regen- bzw. Urwaldes führen, gefährden die dort lebenden Tierarten, wovon viele bereits vom Aussterben bedroht sind (wie z.B. Borneo-Orang-Utans). Untersuchungen aus 2018 zufolge, wurden innerhalb von 16 Jahren Palmölanbau geschätzte 100.000 Orang-Utans getötet – eine sehr traurige Zahl, dessen tatsächlichen Ausmaß man sich wirklich bewusst werden sollte. Der derzeitige weltweite Bestand der Borneo-Orang-Utans wird auf 75.000 – 100.000 geschätzt.

Ebenso sorgt die Rodung des Regenwalds dafür, dass die dort ansässigen indigen Völker von ihrem Land, welches bereits deren Vorfahren gehörte und derzeitiger Lebensraum ist, vertrieben werden. 

Palmöl für Biokraftstoffe

Wie zuvor beschrieben, werden nur rund 40 % des importierten Palmöls zur Herstellung von Nahrungs-, Reinigungs-, oder Kosmetikprodukten verwendet. Die restlichen 60 % gehen in den Energiesektor, in welchem Palmöl u.a. als Biokraftstoff verwendet wird. Während der Rohölpreis kontinuierlich steigt, wird Biokraftstoff als kostengünstigere, oft sogar als CO2-ärmere, Alternative angepriesen. Dass der Biokraftstoff jedoch aus Palmöl gewonnen wird, darüber sind sich viele nicht bewusst. Und so erscheint das Wort “Bio” in diesem Zusammenhang doch auch irgendwie irreführend. Sollte die weltweite Nachfrage nach Palmöl im Energiesektor ansteigen, könnte dies verheerende Folgen für den Regenwald und Natur in Malaysia sowie Indonesien haben.

RSPO-zertifiziertes Palmöl, ein nicht problemfreies Markenzeichen

Die derzeit größte Organisation, welche sich für fairen und nachhaltigen Palmölhandel einsetzen möchte, ist der “Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl”, kurz RSPO. Obwohl die aufgeführten Intentionen des RSPO, dessen Gründung in 2004 vom WWF unterstützt wurde, sich positiv anhören, hört man dennoch immer wieder negative Berichte: Fragwürdig ist beispielsweise die Tatsache, dass einige der Firmen, welche dem RSPO angehören, zu den größten Übeltätern hinsichtlich Menschen- und Umweltschutz gehören. Dazu gehört beispielsweise die Firma Wilmar International und Golden Agri-Resources (Sinar Mas). Somit wurde der RSPO als “Grüner Deckmantel” bezeichnet, da dieser nach außen hin zwar für den Erhalt des Regenwaldes appellieren würde, hinter verschlossenen Türen jedoch genau gegensätzlich Handeln würde. Und sogar der WWF musste einräumen, dass eine bloße Mitgliedschaft im RSPO nicht mit verantwortlichem, nachhaltigem Handeln gleichzusetzen sei. So wollte beispielsweise ein anderes RSPO-Mitglied eine 80.000 Hektar große Fläche Regenwald in Kamerun abholzen, um an selbiger Stelle eine Palmölplantage zu errichten. Trotz all dieser Zwischenfälle wird RSPO-Palmöl dennoch als nachhaltig beworben bei jenen Lebens- und Waschmittelkonzernen, welche RSPO-Palmöl beziehen, wie beispielsweise der Lebensmittelkonzern Unilever

Nichtsdestotrotz ist der RSPO bisweilen eine der größten Organisationen, welche sich für faires und nachhaltiges Palmöl einsetzt, wenn dies auch nicht in solchem Ausmaß geschieht wie es wünschenswert und notwendig ist. Als Konsumer ist es jedoch wichtig, sich darüber bewusst zu sein, dass das bloße Markenzeichen des RSPO auf einem Produkt nicht automatisch mit einer fairen und nachhaltigen Produktionskette gleichzusetzen ist. 

Auch wenn eine Mitgliedschaft im RSPO nicht mit nachhaltigem Palmöl gleichzusetzen ist, müssen sich die Mitglieder dennoch an gewisse Standards halten und jährlichen Berichte offenlegen. So wurden beispielsweise in 2018 vier Firmenmitgliedschaften von Seiten des RSPO gekündigt sowie 55 weitere Firmen suspendiert, da diese ihre Zahlen nicht wie vereinbart offenlegen wollten. Zu diesen zu veröffentlichen Daten gehört beispielsweise, wie viel Palmöl in den entsprechenden Firmen verwendet wurde und welche Zertifikate diese nutzen. Diese Offenlegung soll dazu beitragen, dass Firmen weniger “Greenwashing” betreiben. 

Allgemein werden die Standards des RSPO als zu lasch kritisiert. Ebenso locker seien die negativen Konsequenzen, wenn Firmen gegen gewisse Richtlinien verstoßen. So wurde zum Beispiel nachgewiesen, dass einige RSPO-zertifizierte Unternehmen hochgefährliche Pestizide einsetzen sowie teilweise illegal Regenwaldflächen abroden, obwohl letzteres gegen die Richtlinien des RSPO verstößt. Eine in 2018 veröffentlichte Studie der in Australien ansässigen University of Queensland und des ARC Centre of Excellence for Environmental Decisions (CEED) gab ein ebenso nüchternes Urteil: Verglichen wurde RSPO-zertifiziertes und nicht-RSPO-zertifiziertes Palmöl. Hinsichtlich Nachhaltigkeit konnten keine erheblichen Unterschiede zwischen den beiden Palmölen gefunden werden. Der einzige Unterschied war, dass RSPO-zertifiziertes Palmöl einen höheren Ernteertrag vorweisen konnte und die beteiligten Firmen mehr am Verkauf des Palmöls verdienen. Die Studie wies ebenso darauf hin, dass der RSPO keinen erheblichen Beitrag dazu leisten würde, in den betroffenen Gebieten die Artenvielfalt zu schützen und die Abholzung des Regenwalds aufzuhalten. So hatte eine zuvor in 2017 veröffentlichte Studie beispielsweise aufzeigen können, dass RSPO-zertifizierte Palmölplantagen einen 2,1 %igen Rückgang des Orang-Utan-Bestands zu vermelden hatte, welches im Vergleich zu einem 2,2 %igen Rückgang für nicht-RSPO-zertifizierte Palmölplantagen steht. Während sich seitens RSPO darüber empört wurde, dass diese von den Studien bemängelten Kritiken zu Unrecht erfolgen würden, denn schließlich würden die Zahlen für die Bemühungen des RSPO sprechen, sei es dahingestellt, ob 0,1 % als Erfolgsquote gefeiert werden sollten.  

Wie man seinen eigenen Bedarf an Palmöl reduzieren kann

Insgesamt sollte dafür gesorgt werden, dass der menschliche Hunger nach Palmöl nicht weiter ansteigt. Ebenso kann man selbst dafür sorgen, dass der eigene Palmölkonsum Gewissenhaft erfolgt. Nachfolgend einige Vorschläge, wie man dies im Alltag umsetzen kann:

1. Immer auf die Labels achten! Seit 2014 müssen laut EU-Richtlinien Produkte, welche Palmöl enthalten, entsprechend gekennzeichnet werden. Oft versteckt sich Palmöl auf der Inhaltsstoffliste hinter verschiedenen Namen, genauer nachlesen kannst du darüber in unserem Artikel Palmöl: Gift für Mensch und Natur

2. Wenn du ein Produkt mit Palmöl kaufst, informiere dich online entsprechend, ob es sich um nachhaltiges Palmöl handelt. In 2015 hatte der WWF zum Beispiel eine Palmöl-Punktekarte erstellt. Ebenso kann man Produkte vermeiden, welche Palmöl aus Malaysia oder Indonesien verwenden.

3. Boykottiere Produkte, welche Palmöl aus nicht nachhaltigem Anbau enthalten. 

4. Auf Regenwald.org und Change.org kann man in einer Vielzahl von Petitionen seine Stimme gegen Palmöl vergeben.

5. Verlass dich nicht alleine auf RSPO-zertifiziertes Palmöl. Die RSPO steht derzeit immer noch unter starker Kritik.

6. Informiere dich online über Palmöl und dessen Auswirkungen auf deine Gesundheit und die Umwelt. Teile diese Informationen in deinem familiären und sozialen Umfeld.

Fazit

Das Thema Palmöl stellt immer noch ein sehr kontroverses Thema dar. Sicherlich gibt es derzeit schon nachhaltiges Bio-Palmöl, wie es die zuvor genannten Unternehmen in Ecuador, Brasilien und Ghana herstellen. Produkte von Firmen, welche ihre Produktionskette offen und transparent darlegen sowie für einen fairen und nachhaltigen Anbau von Bio-Palmöl einstehen, können mit gutem Gewissen gekauft werden. Diese stellen jedoch leider eine Minderheit dar, verglichen mit den großen Importfirmen aus Malaysia und Indonesien. Diese Firmen sollten nicht unterstützt werden, da eine anhaltende große Nachfrage nach deren Palmöl die zunehmende Rodung des Regenwalds, das Töten der dort ansässigen und vom aussterben bedrohten Tierarten sowie die Vertreibung der indigen Völker rechtfertigt.