Lebensmittelverschwendung: Vier Projekte, die inspirieren

Lebensmittelverschwendung ist seit Jahren ein viel diskutiertes Thema, insbesondere in vielen Industriestaaten. Schätzungen zufolge werden nur 50% aller produzierten Lebensmittel am Ende wirklich verbraucht, der Rest landet im Müll, vor allem Obst und Gemüse. Experten schätzen die Menge an Lebensmitteln, die trotz Genießbarkeit entsorgt werden, auf über eine Milliarde jährlich. Wir stellen Ihnen vier Projekte vor, welche dem Wegschmeiß-Wahn ein Ende bereiten wollen.

1. Foodsharing-Plattformen

Sobald ein Lebensmittelprodukt das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, neigen viele Menschen dazu, es  wegzuwerfen. Jedoch sind diese Lebensmittel in den meisten Fällen weiterhin genießbar. Um solche Lebensmittel trotzdem an den Mann (oder die Frau) zu bringen, gibt es seit einigen Jahren Webseiten wie foodsharing.de, welche auf einer Online-Plattform Lebensmittel verschenken, die weiterhin genießbar sind. Dieses Angebot gilt für jedermann, also für Privatleute, aber auch für Supermärkte, Bäckereien, Bauern und Restaurants. Auf den Plattformen können Menschen Lebensmittel anbieten und sich zum Abholen dieser anmelden. Dabei gilt: „Nichts an andere weitergeben, was man selbst nicht mehr essen würde“.

2. „Essensretter“- Supermärkte

Ein weiteres Projekt, welches Lebensmittelverschwendung ein Ende bereiten soll, ist der Berliner Supermarkt und Start-Up „Sirplus“. Sirplus ist ein Supermarkt, in dem ausschließlich abgelaufene Lebensmittel, solange diese noch genießbar sind, zum niedrigen Preis verkauft werden. Mit dem Projekt soll nicht nur die Wertschätzung und das Bewusstsein von Lebensmitteln erhöht werden, sondern auch die Lebensmittelverschwendung in Deutschland verringert und die Gründungsidee verbreitet werden. Insbesondere Obst, Gemüse, Getränke und weitere abgepackte Lebensmittel werden hier verkauft. Schnell verderbliche Ware wie Milch, Fleisch oder Fisch stehen allerdings nicht in den Regalen. Deutsche Hygienevorschriften verhindern dies. Doch nicht nur die „Rettung der Lebensmittel“ steht hier im Mittelpunkt, auch finanziell schwächere Menschen können sich hier zum kleinen Preis den Kühlschrank mit gesunden Lebensmitteln füllen, was das Projekt insgesamt zu einer tollen Initiative macht.

3. „Riech mich! Ich bin häufig länger gut!“

Ein eher neues Projekt hat vor kurzer Zeit der Discounter-Supermarkt Aldi Süd vorgestellt. Seit neuestem werden Frischmilchverpackungen der Aldi-Eigenmarke Milfina mit dem Hinweis gekennzeichnet: „Riech mich! Probier mich! Ich bin häufig länger gut!“. Diese Kennzeichnung soll Verbraucher auffordern trotz abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum, die Milch per „Riechtest“ auf ihre Genießbarkeit zu überprüfen. Desweiteren sind zusätzliche Informationen zur Wegwerf-Problematik in Deutschland aufgeführt, um Verbraucher vermehrt darüber aufzuklären. Das Projekt wird zunächst in 400 Filialen in Bayern und Baden-Württemberg getestet bevor es hoffentlich schon bald in allen Aldi- sowie weiteren Supermärkten Einzug hält. Denn: Auch kleine Schritte in Richtung eines größeren Bewusstseins über die Verschwendung von Lebensmitteln sind Schritte in die richtige Richtung.

4. Reste-Restaurant

Eine weitere unglaublich kreative Idee gegen den Wegschmeiß-Wahnsinn wurde von dem Berliner Verein „Restlos Glücklich“ initiiert, in Form eines gleichnamigen Restaurants mit einem außergewöhnlichen Konzept. Im „Restlos Glücklich“ werden nämlich Gerichte gezaubert, welche ausschließlich mit Lebensmitteln zubereitet werden, welche zum Wegwerfen bestimmt waren. Darunter nicht nur Lebensmittel, welche das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, sondern auch zu groß gewachsene Zucchini, zu krumme Möhren oder verknollten Ingwer, die für den Verkauf als „ungeeignet“ eingestuft wurden. Gezaubert wird daraus dann kurzerhand beispielsweise eine Ingwer-Süßkartoffelsuppe als Vorspeise und eine Schokoladentarte mit Orangencreme und Birnenragout zum Nachtisch. Ungenießbare Lebensmittel? Fehlanzeige! Das Konzept kommt aus Dänemark, wo der Verein auf die Idee aufmerksam wurde und sie kurzerhand nach Deutschland brachte. Seitdem bietet das Reste-Restaurant jeden Freitag und Samstag bezahlbare 3-Gänge Menüs an, welche auf kreativ-kulinarische Art und Weise zusammengestellt werden. Serviert mit einem großen Löffel Weltverbesserismus. Und die Idee kommt an: Das Restlos Glücklich ist immer restlos ausgebucht. Von den Einnahmen des Restaurants werden weitere Projekte des Vereins, wie beispielsweise Bildungsveranstaltungen zum Thema Lebensmittelverschwendung finanziert.

Obwohl all diese Projekte tolle Initiativen sind, werden deutschlandweit weiterhin viel zu viele Lebensmittel grundlos vernichtet. Mit gutem Beispiel geht Frankreich voran, wo Händler und Supermärkte dazu verpflichtet sind, nicht gekaufte und abgelaufene Ware zu spenden oder zu verschenken. Und das aus gutem Grund: Denn das MINDESThaltbarkeitsdatum ist eben genau dies, ein Datum, das angibt bis wann etwas mindestens haltbar ist, was nicht bedeutet, dass es nicht länger als dieses Datum genießbar ist. Oft sind Lebensmittel weitere Tage oder sogar Wochen zum Verzehr geeignet. Von dem Beispiel Frankreichs könnten sich Länder wie Deutschland definitiv eine Scheibe im Kampf gegen den Food Waste abschneiden, denn entsprechende Gesetzgebungen von Regierungsseite sind für die Zukunft unausweichlich, um dieses Problem weiter anzugehen.