Label 1,2,3,4 – Was bedeutet das für’s Tier?

Jeder, der ein Berufs-als auch Privatleben hat und vielleicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, findet sich wohl oft für den Lebensmitteleinkauf im Supermarkt wieder. Denn der lokale Wochenmarkt ist entweder nur vormittags aufzufinden oder zu weit weg. Desweiteren lässt die ständige Verfügbarkeit von jeglichen Lebensmitteln – ob nun Winter, Sommer, Frühling oder Herbst – und das riesen Angebot verschiedenster Marken in gängigen Supermärkten, lässt so manches Herz höher schlagen. Dass dieser Überfluss auch Nachteile hat, ist mittlerweile in jeder Munde. Es fehlt dem Einkaufenden oft am Bezug zum Lebensmittel: Wo kommt die Blaubeere im November eigentlich her, wie viel Wasser benötigt eine Avocado, um wachsen und reifen zu können und kommt eine Banane vom Baum oder vom Busch? Diese Ahnungslosigkeit hat vor allem in Bezug auf tierische Produkte fatale Folgen, denn viele Verbraucher vergessen mittlerweile, dass für jeden Speckwürfel in der Fertigpasta, ein Lebewesen sterben musste. Und wo kommt das Schwein dafür denn eigentlich her? Hatte es während seiner elf monatelangen Mästung mehr als 0,35m² Platz? Die mitunter größten Supermarktketten Aldi, Rewe, Edeka und Lidl haben sich zusammengeschlossen, um mehr Transparenz für den Verbraucher bezüglich Fleischproduktion zu schaffen.

Für die vier Supermarktketten Aldi, Rewe, Edeka und Lidl wurde ein einheitliches, vierstufiges Kennzeichnungenprinzip entwickelt, sodass der Verbraucher weiß, woher das Fleisch kommt, was bezogen wird. Gerade im Bereich der Selbstbedienung, also nicht an der Frischetheke, sondern im Gefrier- oder Kühlregal, ist es oft nicht klar, ob die Wurst aus Polen oder aus Deutschland kommt und wie die Tiere vor ihrer Schlachtung gelebt haben. Hier soll das neue Logo namens Haltungsform”, welches seit dem 01.04.2019 stufenweise eingeführt wird, aushelfen. Doch wie sehen diese Stufen aus?

Wichtig zu wissen ist, dass alle Stufen mit einem gesetzlichen Mindestmaß beginnen. Das bedeutet, dass die erste Stufe genau dem entspricht, was der Gesetzgeber vorgibt und jede weitere Stufe eine tierische Verbesserung mit sich bringt.

Stufe 1:

Der Beginn wird mit der Stallhaltung” gemacht. Hier entspricht die Haltung der sogenannten Nutztiere nur dem gesetzlichen Mindestmaß. Ein bis zu 10 kg schweres Ferkel hat hier beispielsweise ein Anrecht auf 0,15m². Das sind rund 5% vom einem handelsüblichen Bett.

Stufe 2:

Diese Stufe ist als Stallhaltung plus” gekennzeichnet. Tiere, die in dieser Kategorie aufgewachsen sind, haben somit 10% mehr Platz als das gesetzliche Mindestmaß und auch Beschäftigungsmaterial. Das Ferkel kann nun also auf einer Fläche von sagenhaften 0,165m² Spaß haben.

Stufe 3:

Diese Stufe wird als ,,Außenklima” bezeichnet. Es wird “noch mehr” Platz garantiert (wie viel wird allerdings nicht gesagt. Vielleicht kommen wir ja noch auf 0,17m² pro Ferkel?!) und den Tieren muss Frischluft-Kontakt gewährleistet werden. Was das genau bedeutet, wird leider nicht gesagt. Vielleicht kommt das Beschäftigungsmaterial von draußen und hatte somit mal Kontakt zu frischer Luft? Oder man kann Frischluft als Konzentrat beziehen?

Stufe 4:

Die letzte Stufe wird als “Premium” bezeichnet. Was bei Airlines sowas wie mehr Gepäck, Beinfreiheit und ein Drei-Gänge-Menü bedeutet, führt in der Fleischproduktion leider zu einer anderen Definition. Die Tiere hatten hier vor ihrer Schlachtung lediglich auch Auslaufmöglichkeiten im Freien. Wie viel, wie lang oder unter welchen Bedingungen ist allerdings nicht klar. Bio-Fleisch lässt sich in diese Stufe einordnen.

Fazit

Die Idee, eine transparente Lieferungskette zu gewährleisten ist sicherlich richtig und auch dringend notwendig. Nichtsdestotrotz verstecken die Label hier wieder, worum es eigentlich geht. Denn das Label “Stallhaltung” reicht nicht, um dem Verbraucher aufzuzeigen, was mit dem Konsum dieses Lebensmittels unterstützt wird und wie viel Leid ein sogenanntes Nutztier in seinem Leben erfährt – vor, aber auch während der Schlachtung. Um wirklich transparent zu sein, wäre eine genaue Beschreibungen jedes Produktes hilfreich: Haltung, Transport, Schlachtung – provokant noch mit Bildmaterial. Die jetzigen Label verschleiern wieder nur, was wirklich passiert und führen dazu, dass der Verbraucher eventuell mehr Fleisch aufgrund eines beruhigten Gewissens konsumiert. Frei nach dem Motto Mit dem Kaufen der Wurst aus Premium Haltung, wird ja das Richtige unterstützt” – dass dafür trotzdem ein Lebewesen sterben musste (auch wenn es undefiniert mal draußen war), wird nicht deutlich.

Es fehlt also immer noch der Bezug von Fleisch (auch Leberwurst!) zu der aktiven Tötung eines Lebewesens für den Verbraucher. Dass gerade Supermärkte damit werben, sollte einem zu denken geben. Es stellt sich die Frage, ob hier aufgeklärt oder das Kaufverhalten der Verbraucher gesteigert werden soll.