Kosmetik- und Pflegeprodukte ohne Tierversuche

Viele Verbraucher möchten mittlerweile bewusst zu Kosmetik- und Pflegeprodukten greifen, welche nicht mit Tierversuchen in Verbindung stehen. Leider sind diese Produkte oftmals nicht ganz einfach zu erkennen, da Unternehmen immer wieder Schlupflöcher finden, durch welche bestehende EU-Regulierungen umgangen werden. Lese in unserem nachfolgenden Beitrag, woran du Kosmetik- und Pflegeprodukte erkennen kannst, welche ohne Tierversuche hergestellt wurden. 

Tierversuche

Bereits seit 2003 sind Tierversuche für Pflegeprodukte und Kosmetikartikel in Deutschland verboten. Das wurde damals von der EU-Kommission so beschlossen. Es folgte eine schrittweise Abschaffung der Tierversuche für Kosmetik- und Pflegeprodukte. In 2004 wurde dieses Verbot in der gesamten EU umgesetzt. In 2009 wurde diese Regelung noch weiter verschärft, indem auch einzelne Inhaltsstoffe für Kosmetik- und Pflegeprodukte nicht mehr an Tieren getestet werden durften.

Sollten durch die EU-Regelung nicht alle Kosmetik- und Pflegeprodukte tierversuchsfrei sein?

Tierversuche werden oftmals durchgeführt, um das Produkt auf schlimme Nebenwirkungen zu testen, wie beispielsweise ob diese Krebs, Fortpflanzungsstörungen oder Allergien auslösen. Für das Testen dieser Nebenwirkungen gab es bis 2013 tatsächlich eine Ausnahmeregelung, solange die Tierversuche, welche diese schlimmen Nebenwirkungen testen, außerhalb der EU durchgeführt wurden. Im März 2013 wurde dann jedoch ebenfalls ein Gesetz erlassen, welches diese Ausnahmeregelung unterband. Somit war es ab März 2013 verboten, dass Unternehmen ihre Kosmetik- und Pflegeprodukte innerhalb der EU zum Verkauf anbieten können oder vermarkten, welche Tierversuche für ihre Produkte oder deren Inhaltsstoffe entweder selbst durchführen oder diese in Auftrag geben. 

Diese Regelung hört sich erst einmal so an, als sei diese sehr umfassend. Leider hatten Unternehmen seither dennoch Schlupflöcher gefunden, um diese Regelungen zu umgehen. Zum einen umfasste der Beschluss in 2013 nur Produkte, welche ab dem Erlass des Beschlusses auf den Markt gekommen sind. Somit sind Produkte, welche bereits auf dem Markt waren, von der Regelung ausgeschlossen. Zum anderen trifft die Regelung nur auf Inhaltsstoffe zu, welche spezifisch für Pflegeprodukte oder Kosmetikartikel sind.

Inhaltsstoffe, welche für Pflegeprodukte, Kosmetikartikel und andere Produkte verwendet werden, fallen unter das Chemikaliengesetz, welches wiederum nicht von den Beschluss betroffen ist. Insbesondere Inhaltsstoffe für Kosmetikartikel werden oft auch anderweitig verwendet, wie zum Beispiel in Medikamenten, Waschmittel, Reinigungsmittel und Farben. Ebenso ist bedenklich, dass viele Unternehmen, welche die in den EU-angebotenen Produkte nicht an Tieren testen, trotzdem Tierversuche für Produkte durchführen, welche ausserhalb der EU verkauft werden. Hier ist anzumerken, dass alle Firmen, die Pflege- oder Kosmetikprodukte in China verkaufen, Tierversuche durchführen müssen. Denn damit solche Produkte in China verkauft werden können, ist es seitens China vorgeschrieben, dass diese Produkte an Tieren getestet werden. 

Tierversuche

Woran kann man Produkte erkennen, welche ohne Tierversuche hergestellt wurden?

Vorab sei gesagt: Es reicht nicht, nach einem “Vegan”-Zeichen auf dem jeweiligen Kosmetik- oder Pflegeprodukt zu suchen. Denn auch wenn vegane Produkte keine tierischen Inhaltsstoffen haben, können sie trotzdem an Tieren getestet werden. Im Umkehrschluss sind nicht alle Produkte, welche als tierversuchsfrei deklariert sind, vegan.

Ebenso ist der bloße Aufdruck des Satzes, dass das Produkt nicht an Tieren getestet wird, nicht ausreichend. Hier liegt der Teufel im Detail: Auch wenn das Produkt demnach nicht an Tieren getestet wurde, ist nicht ausgeschlossen, dass doch einzelne Inhaltsstoffe an Tieren getestet wurden. Ähnlich verhält es sich mit dem Satz, dass das Unternehmen keine Tierversuche durchführt. Hier ist es durchaus möglich, dass das Unternehmen ein anderes Unternehmen mit Tierversuchen beauftragt hat.

Somit ist es wichtig, nach offiziellen Zeichen und Siegeln auf den Produkten Ausschau zu halten, welche strengen Kontrollen unterliegen. Hierzu gehört der “Leaping Bunny”, der “Hase mit der schützenden Hand” oder die “Veganblume”. Letztere kennzeichnet nicht nur ein veganes Produkt, sondern ebenfalls, dass das Produkt völlig tierversuchsfrei hergestellt wurde. Bei Naturkosmetik kann man auf das “BDIH”-, “Natrue”- oder “Ecocert”- Siegel achten. Eine weitere Möglichkeit, tierversuchsfreie Kosmetik- oder Pflegeprodukte zu finden, ist, sich einer der von PETA veröffentlichten Listen zu bedienen.   

Tierversuche

Fazit

Leider ist es nicht immer einfach, direkt zu erkennen, welche Produkte tatsächlich komplett tierversuchsfrei sind. Noch schwerer ist es, festzustellen, ob das jeweilige Unternehmen Tierversuche für Produkte vornimmt, welche im Ausland verkauft werden. Möchte man bewusst Unternehmen mit Tierversuchen vermeiden, reicht es nicht aus, sich nur auf die innerhalb der EU angebotenen Produkte zu konzentrieren. Es gibt jedoch nützliche Siegel und Zeichen, welche einem dabei helfen, tierversuchsfreie Kosmetik- und Pflegeartikel zu finden. Ebenso können Listen von Tierschutzorganisationen bei der Suche hilfreich sein.