Ein Leben ohne Müll – Interview mit “ZeroWasteLifestyle”

Plastikverpackungen – Der Graus eines jeden Umweltschützers. Heutzutage scheint alles in Plastik eingepackt zu sein, von Bananen und Gurken, einzeln abgepackten Käsescheiben und Keksen bis zu dem Übermaß an Einwegflaschen und den weiterhin erwerbbaren Plastiktüten. Die Folgen? Pro Jahr erzeugt ein einziger Mensch in Deutschland im Durchschnitt 212 Kilogramm Verpackungsmüll. Oft unbemerkt ist dieser extreme Müllkonsum und kaum vorhanden das Bewusstsein, was mit dem Müll nach dem Wegwerfen passiert. Durch unaufmerksame Entsorgung wird der Müll Tieren in Ozeanen und an Land zum Verhängnis, indem sie entweder durch Plastiktüten erwürgt werden oder durch die Nahrungsaufnahme derer ersticken oder verhungern.

Müll: Der Umwelts größter Feind

Durch das Verbrennen von Plastik und dem dadurch entstehenden Klimagas Kohlendioxid belastet Müll des Weiteren unsere Luft zum Atmen. Dieses behindert nicht nur die Sauerstoffaufnahme des Menschen, sondern ist auch der Grund der Aufheizung der Erde und somit der gefürchteten Erderwärmung. Auch auf direkte Weise kann Müll, der sich in Form von Mikroplastik immer öfter einen Weg in unseren Organismus bahnt, für Menschen fatale Folgen haben. Forschern zufolge können die Schadstoffe, welche wir unwissend zu uns nehmen, krebserregend und hormonverändernd auf den menschlichen Körper wirken.

Um dieses präsente und wachsende Problem anzugehen, plädieren viele Umweltaktivisten für eine umweltfreundlichere Lebensweise und machen es auf vielfältige Arten und Weisen vor. Insbesondere die Anti-Müllkonsumbewegung und der damit verbundene “Zero Waste Lifestyle” gewinnt weltweit an Auftrieb.Gemeint ist damit die bewusste Art des Lebens, möglichst ohne Müllverbrauch. Eine Frau, die diesen Lebensstil seit 2013 aus vollem Herzen lebt, ist Olga Witt, die neben dem Verzicht auf Müll ihre Lebensweise auf ihrem Blog zerowastelifestyle.de mit anderen Menschen teilt und diese inspiriert. Seit dem Beginn ihres Lebensstils hat Olga außerdem ein Buch veröffentlicht sowie einen “Zero Waste”-Onlineshop und Unverpackt-Supermarkt gelauncht. LebeJetzt hat Olga zum Interview gebeten, um mehr über ihren Lebensstil zu erfahren und hilfreiche Tipps zu erhalten, wie jeder durch kleine Veränderungen einen Beitrag zu einer besseren Umwelt leisten kann.

(Bildquelle: www.zerowastelifestyle.de)

 

LebeJetzt: Hallo Olga, vielen Dank, dass wir dieses Interview mit dir führen dürfen! Was hat Dich dazu bewegt auf Müll in Deinem Alltag zu verzichten?

Olga: Ein diffuses Gefühl, dass der zunehmende Verpackungswahnsinn keine gute Idee ist.

Eher zufällig stieß ich über den Begriff Zero Waste. Das war für mich die Lösung und ich begann sofort umzustellen.

 

LebeJetzt: Was bedeutet nachhaltiger Lebensstil für Dich persönlich?

Olga: Enkeltauglich leben. Nicht auf Kosten anderer Menschen, Tiere und zukünftiger Generationen zu leben. Und das ist es, auf dem unsere Gesellschaft heute basiert. Wirtschaftswachstum ist einfach nicht nachhaltig. Es wird Zeit sich ein neues Konzept zu überlegen.

 

LebeJetzt: Wie integrierst Du Nachhaltigkeit in Deinem Alltag?

Olga: Ich reduziere meinen Ressourcenverbrauch so weit wie es für mich gerade möglich ist. Ich konsumiere so wenig wie möglich und kaufe nur saisonale Biolebensmittel, so regional wie möglich. Ich fliege nicht mehr und fahre so wenig Auto wie möglich.

 

LebeJetzt: Kann man ganz ohne Müll zu produzieren einkaufen gehen? Wie läuft ein Einkauf im Supermarkt für Dich ab?

Olga: Nein, das kann man nicht. Alles, was wir tun, erzeugt Müll. Das liegt daran, wie unsere Gesellschaft aufgebaut ist. An einem Ende wird produziert, am anderen Ende wird entsorgt. Wir denken nicht in Kreisläufen, sondern linear. Es könnte anders sein, aber das ist ein langer Weg.

Mein Einkauf fängt damit an, dass ich Supermärkte grundsätzlich meide. Je größer ein Markt, desto mehr wird weggeschmissen und je weniger zählen Nachhaltigkeit und soziale Aspekte.

Ich kaufe auf dem Markt, in kleinen Bioläden oder beziehe mein Gemüse über die solidarische Landwirtschaft.

LebeJetzt: Was hat Dich dazu bewegt einen Blog ins Leben zu rufen, der sich mit dem Thema „Müll“ und „so wenig wie möglich davon zu hinterlassen“ beschäftigt?

Olga: Ich habe 2013 angefangen Zero Waste zu leben. Diese Metamorphose empfand ich als so spannend, dass ich darüber schreiben wollte. Mittlerweile treibt mich natürlich auch an, den Lebensstil anderen Menschen schmackhaft und einfach zu machen.

 

LebeJetzt: In Deinem Blog berichtest Du ganz offen über Dein Privatleben. Wie hast Du Deine Partner und die Kinder davon überzeugt müllfrei zu leben?

Olga: Meinen jetzigen Mann habe ich kennengelernt, da lebte ich schon so. Wir hätten nicht geheiratet, wenn er nicht voll hinter dem stehen würde, was ich mache.

Bei den drei Kindern, die er mit in die Ehe nahm, sieht das anders aus. Mit ihnen haben wir alles falsch gemacht, was wir hätten machen können. Wir haben sie einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Das lassen Kinder aber nicht mit sich machen, denn sie haben einen sehr starken und eigenen Kopf. Das durfte ich dadurch lernen. Jetzt leben sie quasi ihr eigenes „Normales“ Leben weiter in unserem Zero Waste Kosmos. Lediglich bei Lebensmitteln müssen sie lernen zu akzeptieren, was wir nicht mehr kaufen möchten.

Unser gemeinsamer Sohn hingegen wächst in die Welt hinein und wird es dementsprechend leichter haben.

 

LebeJetzt: Wie kann man Deiner Meinung nach mehr Leute dazu bewegen weniger Müll zu produzieren?

Olga: Auf jeden Fall nicht missionieren. Das hat noch nie funktioniert und funktioniert auch damit nicht.

Vorleben, wie einfach es ist und welche wirklich positiven Seiten das Ganze hat, ist wahrscheinlich das erfolgversprechendste.

 

LebeJetzt: Welche Unterschiede gibt es Deiner Meinung nach in puncto Müllverbrauch zwischen ärmeren und reicheren Ländern?

Olga: Arme Länder machen weitaus weniger Müll als reiche. Reiche Länder wissen es jedoch besser zu verstecken, da sie eine gut funktionierende Müllabfuhr haben. Die Verschwendung von Ressourcen ist direkt abhängig mit der wirtschaftlichen Kraft einer Gesellschaft. Wir machen so viel Müll, weil wir es uns leisten können.

 

LebeJetzt: Welche Tipps möchtest Du unseren Lesern, die auch darüber nachdenken weniger Müll zu produzieren, gerne mitgeben?

Olga: Mit einfachen Dingen starten. Dadurch bekommt man schnell Erfolgserlebnisse und ist motiviert weiter zu machen. Wer einmal das Bewusstsein erlangt hat, dass es sinnvoll ist, Müll zu reduzieren, der geht von ganz alleine Schritt für Schritt weiter.

 

LebeJetzt: Wenn Du auf einer Umweltkonferenz vorsprechen könntest, was würdest Du Deinen Mitmenschen gerne mitteilen?

Olga: Wo soll ich anfangen?

Umweltbewusstsein und leben auf kleinem Fuß ist keine Last oder ein Verzicht. Es ist das gute Gefühl, meine Mitwelt, anderen Menschen und Tieren mit meinem Verhalten NICHT zu schaden.
Bewusste Reduktion auf das Wesentliche ermöglicht eine ganz neue Welt:

Weniger Konsum und weniger Besitz erzeugen geringere Kosten, machen weniger abhängig von den monatlichen Finanzströmen. Damit ist auch weniger Erwerbsarbeit nötig – und das ist wahre Freiheit und wahrer Luxus.

Das tut allen gut. Unserer Welt, unseren Mitmenschen, aber vor allem auch uns selbst.

 

LebeJetzt: Vielen Dank, Olga, dass du uns heute so offen Rede und Antwort zu deinem Leben gestanden hast!

 

Wurden Sie durch Olga’s Lebensstil zum Zero Waste inspiriert? In Köln hat Olga und ihr Team den ersten Unverpackt-Laden der Stadt eröffnet! Schaut vorbei bei Tante Olga!