Die „schlimmste Firma der Welt“

Den Titel der “schlimmsten Firma der Welt” zu erhalten, ist sicherlich keine Auszeichnung, um welche sich gestritten wird. Dennoch haben viele Firmen weltweit einen Ruf, aufgrund von Kinderarbeit, schädlichen Inhaltsstoffen, Rodung des Regenwaldes etc., der schlecht genug ist, um für diesen Titel in Erwägung gezogen zu werden. Lese nachfolgend, welche Firma den Titel nun aufgrund eines langen Berichts der Non-Profit-Organisation “Mighty Earth” verliehen bekommen hat und welche Gründe von Mighty Earth aufgeführt wurden.

Monsanto

Wenn wir nach der ‘schlimmsten Firma der Welt’ fragen, denken sicherlich viele direkt an Monsanto oder Nestlé. Der Agrarkonzern Monsanto sorgte immer wieder für negative Schlagzeilen, welche dem Unternehmen sogar den Spitznamen ‘Mon-Satan’ einbrachte. Monsanto, welches in 2018 für rund 66 Milliarden Dollar von Bayer aufgekauft wurde, erhielt seinen schlechten Ruf überwiegend aufgrund von zwielichtigen Geschäftsstrategien mit genmanipuliertem Saatgut, welches dem Konzern zu einer Monopolmacht verhalf. Hinzu kam clevere Lobbyarbeit, welche dafür sorgte, dass keiner der Firmenskandale an die große Glocke gehängt wurden. So hat Monsanto beispielsweise Untersuchungsergebnisse, die sich gegen verwendete Toxine oder hergestellte genmodifizierten Produkte aussprechen, verfälscht oder gar komplett unter den Teppich gekehrt und das ohne rechtliche Konsequenzen. Wer sich für die fragwürdigen Machenschaften von Monsanto interessiert, dem kann der Dokumentationsfilm “Food Inc.” ans Herz gelegt werden. Die Dokumentation war besorgniserregend genug, dass Monsanto es für nötig hielt, ein Statement auf deren Internetseite zu veröffentlichen. Seit dem Aufkauf von Bayer hat das Unternehmen den Namen ‘Monsanto’ abgelegt und operiert nun entsprechend unter dem Namen ‘Bayer’.

 

Nestlé

Der Lebensmittelkonzern Nestlé wiederum hat seinen schlechten Ruf einer Reihe von Skandalen zu verdanken, wie beispielsweise einer fragwürdigen Kampagne in den 70ern für Säuglingsnahrung in Entwicklungsländern, Tierversuchen, Regenwaldrodung und Kinderarbeit. Ebenso machte Nestlé negativ auf sich aufmerksam, als bekannt wurde, dass das Unternehmen in wasserarmen Ländern Grundwasser abpumpt, um dieses gewinnbringend zu vermarkten. Nestlé versucht derweil seinen schlechten Ruf aufzupolieren, indem es zum Beispiel in Pakistan und Äthiopien Teilen der Bevölkerung sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellt. Doch ist der Ruf erst einmal ruiniert, ist es schwer diesen wieder ins rechte Licht zu rücken. Denn der Versuch, das Firmenimage zu verbessern, wird nun kritisch als “Greenwashing” angesehen.

Cargill

Trotz aller Skandale, welche sich beispielsweise Monsanto und Nestle über die Jahre hinweg geleistet haben, reichen diese nicht, um den Titel “Schlimmste Firma der Welt” zu erhalten. Der Gewinner dieses fragwürdigen Titels erhielt die Firma Cargill. Die in Minnesota (USA) ansässige Firma mag vielen in Deutschland oder gar Europa erst einmal kein Begriff sein. Es handelt sich jedoch um das größte privat geführte Unternehmen der USA, welches weltweit mit nachwachsenden Rohstoffen sowie Lebens- und Futtermitteln handelt. Die Bereiche, in welchen Cargill tätig ist, sind in der Tat weit gestreut: Von Baumwolle bis Ölsaaten, von Getreide bis Süßungsmittel und von Tierfutter bis Biodiesel. So stammen beispielsweise alle Eier, welche in den USA an McDonalds verkauft werden, von Cargill. Weitere große Namen, welche Cargill unter anderem beliefert, sind Nestlé, Unilever, Burger King, Kellogg’s und die amerikanischen Supermarktriesen Walmart und Target. Auch große Namen des deutschen und niederländischen Einzelhandels werden von Cargill beliefert – hierzu zählen zum Beispiel Edeka, Aldi und Albert Heijn. In Deutschland hat das Unternehmen zwölf Standorte, mit einem Hauptsitz in Krefeld. Im Frankfurter Industriestadtteil Höchst ist Cargill beispielsweise ebenso damit beschäftigt, Biodiesel herzustellen.

Doch woher kommt Cargills schlechter Ruf?

Cargill wurde als schlimmste Firma der Welt betitelt. Dies erfolgte aufgrund einer langen Liste von Vorwürfen, welche von Mighty Earth in ihrem Bericht zusammengefasst wurden. Unter anderem wird das Unternehmen beschuldigt, mit dem Kidnapping von Kindern in armen Ländern, wie beispielsweise Indonesien und Kuala Lumpur, im Zusammenhang zu stehen, die anschließend auf Kakaoplantagen Zwangsarbeit verrichten müssen. Kinder, welche die bis zu 14 Stunden langen Schichten nicht verrichten können oder gar fliehen wollen, werden gewalttätig festgehalten, indem ihre Füße aufgeschnitten werden. Eine entsprechende Bezahlung erhalten die Kinder nicht. Essen, Wasser und Schlaf werden kaum gewährleistet. Für diese Zustände wurde ein Gerichtsverfahren nicht nur gegen Cargill eröffnet, sondern ebenfalls gegen Nestlé, welches hier ebenfalls seine Finger im Spiel hat. Cargill verspricht mittlerweile, dass es versuchen werde, die ‘schlimmsten’ Fälle von Kinderarbeit um 70 % zu verringern. Dieses Versprechen ist aus mehreren Gründen fragwürdig: Cargill ist sich der Umstände bewusst und entscheidet sich dennoch dafür, diese nicht komplett zu beseitigen. In einem Verfahren in 2018 rechtfertigte sich Cargill sowie das ebenfalls angeklagte Unternehmen Nestlé, dass diese nicht für die Arbeitsumstände außerhalb des eigenen Landes verantwortlich seien. Demnächst soll jedoch ein weiteres Gerichtsverfahren gegen Cargill eingeleitet werden, da Cargill sich dem Kidnapping von Kindern sowie deren Zwangsarbeit und Arbeitsumständen bewusst ist und sich trotzdem dafür entschieden hat, keinerlei Handlung zu ergreifen. Somit wird Cargill als Komplize angesehen und soll, neben den örtlichen, hauptverantwortlichen Unternehmen, zumindest eine Teilschuld übernehmen.  

Ein weiterer schwerer Vorwurf gegen das Unternehmen ist dessen Umgang mit der Umwelt und einheimischen Völkern in beispielsweise Paraguay. Cargill hat in seiner Firmengeschichte immer wieder bewusst gegen Richtlinien verstoßen, welche dem Umweltschutz dienen. Ebenso berichten indigene Völker, dass die Firma sie von ihrem Land vertreibt – unter extremer Gewaltanwendung bis hin zu Mord und mit biologischen Waffen. Cargill soll vorsätzlich Pestizide über dem Wohnland der indigen Felder versprüht haben sowie die Schuld an verunreinigtem Wasser haben, von welchem Kinder tranken und anschließend starben. Die Liste der Vorwürfe gegen Cargill ist unendlich lang und die hier genannten Beispiele sind nur ein winziger Auszug deren. Der komplette Bericht kann auf Mighty Earth gelesen werden.

Fazit

Im Gegensatz zu Nestlé & Co, deren Produkte dank Firmenlogos einfach zu erkennen sind, ist es schwer nachzuverfolgen, welche Produkte in unseren Supermärkten und Restaurants von Cargill beliefert werden, da das Unternehmen am Anfang der Verarbeitungskette steht. Wenn man Cargill nicht finanziell unterstützen möchte, indem man Produkte von Firmen kauft, welche von dem Unternehmen beliefert werden, muss man sich in der Tat intensiver mit der Materie auseinandersetzen. Eine andere Möglichkeit wäre es, Produkte, welche mit dem Konzern in Verbindung gebracht werden, komplett zu vermeiden. Dies ist zum Beispiel möglich, indem man ausschließlich Bio-Produkte kauft, komplett auf Fertigprodukte verzichtet und sich seine Getränke, wie zum Beispiel Limonade, mit Leitungswasser selbst herstellt. Ein größeres Bewusstsein als Konsument, woher unsere Lebensmittel und andere tägliche Produkte stammen, kann hoffentlich dabei helfen, dass Firmen wie Cargill zum Umdenken gezwungen werden.