Der „Grüne Knopf” – Einführung des Gütesiegels für Kleidung

Im Juli diesen Jahres soll das Gütesiegel Grüner Knopf” eingeführt werden, welche es Endverbrauchern erleichtern soll, Kleidung zu kaufen, die unter ethisch- und ökologisch-fairen Bedingungen hergestellt wurde. Das Siegel ist jedoch bereits vor dessen Einführung unter starke Kritik geraten. Erfahre hier alles rund um den Grünen Knopf”.

60 % der weltweit hergestellten Kleidungsstücke wird nicht getragen

Wir sind uns mittlerweile darüber bewusst: Wir leben in einer Zeit, in welcher schnelllebige Mode als normal angesehen wird – Trends lösen sich oft schneller ab als manch einer seinen Kaffeefilter wechselt. Nach Aussagen von Dr. Gisela Burckhard, Direktorin von FEMNET, einer Nichtregierungsorganisation, welche sich für Frauenrechte in der Textilbranche in Asien einsetzt, besteht eine weltweite Textilüberproduktion – 60 % aller hergestellten Kleidungsstücke werden nicht einmal getragen. Dies sollte einem zu Denken geben, ob man den Trend unserer Wegwerfgesellschaft weiterhin unterstützen möchte. Benötigt man die zehnte neue Hose oder den zigsten Pullover tatsächlich?

Der “Grüne Knopf”

Selbst wenn man mehr bewusst einkauft, ist es oft schwer zu erkennen, ob man mit dem Kauf eines neuen Kleidungsstückes ungewollt unfaire Arbeitsbedingungen gegenüber Mensch und Umwelt unterstützt. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) möchte dem nun Abhilfe schaffen: Mit der Einführung des neuen Gütesiegels Grüner Knopf” möchte er Verbrauchern dabei helfen, Kleidung zu erkennen, welche unter sozial- und umweltverträglichen Bedingungen hergestellt wurde. Müller möchte sich ebenso im zweiten Halbjahr diesen Jahres mit einem Aktionsbündnis dafür stark machen, dass Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel stärker kontrolliert werden, um diese in Produktionsprozessen ebenfalls besser ausschließen zu können und nicht zu unterstützen.

Um den Grünen Knopf” zu erhalten, müssen gewisse Mindeststandards erfüllt werden. Hierzu zählen beispielsweise, dass ein weiteres Siegel vor der Vergabe des Grünen Knopf” bereits vergeben worden sein muss. Hierzu zählen zum Beispiel der Blaue Engel, das EU-Ecolabel oder das Fairtrade-Siegel. Dies soll garantieren, dass der Grüne Knopf” als zusätzlicher sozialer und ökologischer Qualitätsstandard auf bereits bestehende Standards vergeben wird.

Kritik vom Gesamtverband, Südwind-Institut und den Grünen

Kritik erhielt der Grüne Knopf” seitens des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie. So wäre es unmöglich, jeden Schritt, welcher sich hinter dem Produktionsprozess eines Kleidungsstücks befände, exakt zu kontrollieren. Das Gütesiegel würde dem Kunden eine verzerrte Sicherheit geben. Letztendlich würden sich die Arbeitsbedingungen trotz Gütesiegel in ärmeren Entwicklungsländern nicht ändern. Der Gesamtverband kritisierte weiter, dass es bereits zu viele Siegel und Labels für Textilwaren gäbe und ein weiteres Siegel den Verbraucher nur zusätzlich verwirren würde. Müller konterte darauf hin, dass das neue Gütesiegel genau diesem Siegel- und Label-Wirrwarr ein Ende verschaffen soll: Anstelle sich durch diese durchkämpfen zu müssen, könnte der Kunde einfach nach dem Grünen Knopf” fragen und sich somit sicher sein, dass das Kleidungsstück gewissen sozialen und ethischen Mindeststandards gerecht werden würde. 

Weitere Kritik kam vom entwicklungspolitischen Südwind-Institut in Bonn, welches bemängelte, dass das Grüne Siegel auf privaten Standards beruhe und nur einen Teil der Produktionskette kontrollieren könne.

Auch die Grünen übten starke Kritik an dem geplanten Gütesiegel aus. Es handele sich bei dem Siegel um Greenwashing”, welches dem Konsument ein falsches Gefühl von Sicherheit gebe. Dem Verbraucher werde suggeriert, dass er ein nachhaltiges Produkt erwerbe, obwohl dies mit den bisherigen Kontrollstandards nicht voll zugesichert werden könne. Ebenso würden bisher gerade mal zehn Textilunternehmen an diesem Projekt teilnehmen. Diese müssen zwar nachweisen können, dass sie ihrer unternehmerischen Sorgfaltspflicht entlang der Lieferkette nachgekommen” seinen, jedoch sehen Kritiker diesen Prozess als eher unrealistisch. Eine nachhaltige, sozial- und umweltverträgliche Produktionskette könne derzeit nicht vollständig zugesichert werden, da ein Kleidungsstück oftmals rund 100 verschiedene Produktionsstationen durchläuft, bevor dieses fertig für den Verkauf sei. Die vollständige Kontrolle eines jeden einzelnen Arbeitsschrittes sei dementsprechend teuer und langwierig.

Fazit

Die Absichten von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sind sehr löblich. Die Einführung des Grünen Knopfs” könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein, für mehr Transparenz in unserer Textilbranche zu sorgen und Einkäufern gewissen Entscheidungen einfacher zu machen. Jedoch würde dies voraussetzen, dass der Herstellungsprozess und alle Stationen, welche ein Kleidungsstück in dessen Produktion durchläuft, entsprechend strikt kontrolliert werden, um ein mißleitendes Greenwashing zu vermeiden.