Bäume pflanzen für die Klimarettung

Die Brände in Brasiliens Amazonas-Regenwald erhöhten die öffentliche Aufmerksamkeit für die Bedeutung von Wäldern für unser Klima. Staats- und Regierungschefs weltweit sahen sich zum Handeln gezwungen. Im August dieses Jahres setzte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Schutz des Amazonas-Regenwald auf die Agenda des Gipfeltreffens der G7-Staaten im französischen Biarritz. Die Staaten bewilligten finanzielle und technische Unterstützung für alle von den Bränden betroffenen Staaten. Damit soll der weitere Verlust von Waldflächen verhindert werden. Fest steht: Wäldern fällt bei der Begrenzung der Erderwärmung eine Schlüsselrolle zu.

Aufforstung als Lösung gegen den Klimawandel

Nach einer aktuellen Studie, die im renommierten Science Magazin erschien, ist Aufforstung die zurzeit effektivste Strategie, um das Ansteigen der Erdtemperatur zu vermindern. Auch der Weltklimarat (IPCC) empfiehlt in einem Report aus dem Jahr 2018, bis zu eine Milliarde Hektar Land neu mit Bäumen zu bepflanzen, um die Erderwärmung bis zum Jahr 2050 auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen – das entspräche einer Fläche etwa 25 Mal so groß wie Deutschland. Die Vereinten Nationen haben die Wiederaufforstung von 350 Millionen Hektar als Zielmarke ausgegeben. Im Rahmen der sogenannten Bonn Challenge, einem Projekt, das auf der Klimakonferenz 2017 in Bonn initiiert wurde, verpflichteten sich bereits 59 Länder, 170 Millionen Hektar Wald aufzuforsten.

Wälder haben in vielerlei Hinsicht positive Effekte auf das Klima. Waldflächen kühlen die Lufttemperatur ab und mildern so Wetter- und Temperaturextreme. Außerdem fördern sie Regenfälle, garantieren sauberes Wasser, reduzieren die Luftverschmutzung und dienen als natürlicher Kohlenstoffdioxidspeicher, denn Bäume benötigen Kohlenstoffdioxid, um zu wachsen. Durch den biologische Prozess der Photosynthese nehmen Bäume das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre auf und wandeln dieses in Kohlenstoff und Sauerstoff um. Der Kohlenstoff wird in der Holzmasse abgelagert und der Sauerstoff über die Blätter abgegeben. Ein Baum neutralisiert so schätzungsweise 1000 kg Kohlenstoffdioxid im Laufe seines Lebens. Weltweit könnte die Aufforstung von einer Milliarde Hektar Wald zwei Drittel aller von Menschen verursachten Kohlenstoffdioxid Emissionen binden.

Allerdings beinhaltet die Aufforstung einige Hindernisse: Abgesehen von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten, ist Aufforstung ein sehr aufwendiger und vor allem zeitintensiver Prozess. Es dauert Jahrzehnte bis neue Wälder ihr volles Potenzial als Kohlenstoffdioxidspeicher erreichen. Zudem funktioniert Aufforstung nur, wenn die aktuelle globale Waldfläche erhalten bleibt und weiter wächst. Doch die Abholzung und Brandrodung insbesondere des Amazonas Regenwaldes, des größten Waldes der Welt, hält weiter an. Brasilien hat in diesem Zusammenhang eine besondere Stellung: Etwa 60 % der Regenwaldfläche befindet sich in Brasilien. Dort nahm die Abholzung nach Amtsantritt des Präsidenten Jair Bolsonaro im Januar 2019 massiv zu. Nach aktuellen Schätzungen werden jede Minute Regenwaldflächen in der Größenordnung eines Fußballfeldes gerodet. Farmer nutzen die frei gewordenen Flächen kommerziell zur Anpflanzung von Sojabohnen für die Futtermittelproduktion sowie zum Anbau von Ölpalmen für die Herstellung von Palmöl. Wenn die in der Studie vorgestellte Aufforstungsstrategie erfolgreich sein soll, muss die Entwaldung stoppen. Forscher betonen jedoch, dass die massive Aufforstung nur eine von vielen Maßnahmen für den Klimaschutz sein kann. Die Abkehr von der Verbrennung fossiler Energieträger bleibt zur Begrenzung der Erderwärmung unverzichtbar.

Weltweite Projekte zur Aufforstung

Zahlreiche internationale Projekte und Initiativen widmen sich mittlerweile dem Thema Wiederaufforstung. Die Beispiele für Organisationen, die durch das Sammeln von Spenden die Aufforstung in einem bisher unerreichten Tempo vorantreiben, sind zahlreich.

Das globale Frauennetzwerk TreeSisters hat sich zum Ziel gesetzt, die Tropen innerhalb eines Jahrzehnts wieder aufzuforsten. Gegründet in 2014, pflanzt die Organisation mittlerweile im Schnitt 2,2 Millionen Bäume in Madagaskar, Indien, Kenia, Nepal, Brasilien und Kamerun. Dabei verfolgt TreeSisters eine inklusive Strategie, beteiligt die weibliche lokale Bevölkerung am Aufforstungs Prozess und schafft neue wirtschaftliche Betätigungsfelder für Frauen. Ecosia, eine Internet-Suchmaschine, die 2009 in Berlin gegründet wurde, verwendet die aus Suchanfragen generierten Einnahmen, um weltweit Bäume zu pflanzen. So konnten bereits über 68 Millionen Bäume finanziert werden. Das Bewusstsein für Klimaschutz und die Bedeutung von Wäldern als wichtige Komponente zur Begrenzung der Erderwärmung nimmt weltweit zu. Dies spiegelt sich auch in der wachsenden Anzahl der Organisationen und Projekte wider, die sich dem Thema der Aufforstung widmen. 

Die Situation in Deutschland

In Deutschland fordert Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein groß angelegtes Programm zur Wiederaufforstung der durch Dürre, Brände, Stürme und Schädlingen verlorengegangenen Waldbestände. Finanziert werden soll das Projekt nach Vorschlag der CDU-Politikerin mit Mitteln aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) der Bundesregierung. Geld allein reicht allerdings nicht aus, um die Wälder zu genesen. Es gibt in vielen Bundesländern Engpässe bei der Einstellung neuen Forstpersonals. Um Wälder nachhaltig zu bewirtschaften und die Pläne der Ministerin umzusetzen, sind mehr Waldarbeiter notwendig als derzeit zur Verfügung stehen. In Deutschland sind zudem nur etwa 52 % der Waldflächen in öffentlicher Hand, der Rest befindet sich im Privatbesitz. Die privaten Waldbesitzer benötigen Unterstützung und fordern ebenfalls finanzielle Hilfe zur Wiederaufforstung ihrer Wälder. Folglich steht auch in Deutschland die Wiederaufforstung vor vielen Herausforderungen und das Thema ist bisher noch nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste der Bundesregierung.

Ein Vorstoß kommt nun aus Schleswig-Holstein. Das Bundesland im Norden der Republik ist Gastgeber für die diesjährigen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 03. Oktober und hat unter dem Motto “Einheitsbuddeln” zu einer Baumpflanzaktion aufgerufen. Das Ziel: Bundesweit 83 Millionen Bäume pflanzen und das von nun an jedes Jahr zum Tag der Deutschen Einheit.