Ausgebrannt, verbraucht und kaputt: Das Burnout im Studium

“Ach, die führt doch so ein richtiges Studentenleben” – sowas haben wir doch sicherlich schon alle mal gehört, oder? Und damit ist in den meisten Fällen wohl ein sehr entspannter Lebensrhythmus gemeint: Immer ausschlafen, abends in Bars, keine Termine und einmal in der Woche eine Vorlesung, zu der man eigentlich nicht unbedingt muss. Dass diese Vorstellung nicht unbedingt der Realität entspricht, ist mittlerweile vor allem denjenigen klar, die selbst studieren oder jemanden kennen, der ein Studium absolviert. Immer mehr Studenten klagen über Schlafstörungen, Motivationsschwierigkeiten und scheinbar niemals endende Müdigkeit. Diese Symptome treten häufig im Zusammenhang mit dem Burnout Syndrom auf. Das sogenannte Burnout ist somit schon lange keine Managerkrankheit mehr, sondern betrifft auch je nach Studiengang einen großen Anteil der jüngeren Generation. Was dieses Symptom beinhaltet, wie du Anzeichen erkennen kannst und wie du dich präventiv schützen kannst, erfährst du hier.

Was ist denn eigentlich ein Burnout?

Jeder spricht davon, doch keiner kann es genau benennen. Wie bei vielen psychologischen Erkrankungen kann man die Symptome nicht wie beispielsweise einen Beinbruch “einfach” definieren. Denn jeder Mensch und somit auch jede Erkrankung ist sehr individuell und kann sich somit durch verschiedenste Symptome bemerkbar machen. Zwei Definitionen treffen den Kern eines Burnouts jedoch sehr gut:

1. „Syndrom mit den Hauptsymptomen emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und verminderte Leistungsfähigkeit.“ (Brockhaus Psychologie; Brockhaus, 2009);

2. Emotionaler, geistiger und körperlicher „Erschöpfungszustand nach einem vorangegangenen Prozess hoher Arbeitsbelastung, Stress und/oder Selbstüberforderung.“ (Großes Wörterbuch Psychologie; Compact, 2007)

Die Hauptaspekte sind somit allgemeine Erschöpfung auf allen Ebenen und eine gewisse Selbstüberforderung, die auch zu einer Depersonalisierung führen kann, sodass ein Betroffener nicht “nur” nicht mehr kann, sondern auch den Zugriff zu sich selbst und den eigenen Ressourcen verliert. Dies kann zu einer lähmungsartigen Handlungsunfähigkeit führen und endet in einem Teufelskreis. Wer nichts schafft, verpasst Abgabetermine oder einen rechtzeitigen Start des Lernens, ist somit noch gestresster und gleichzeitig handlungsunfähig.

Wie erkennst du erste Anzeichen?

Wie erwähnt, zeichnet sich das Burnout vor allem durch Müdigkeit, Erschöpfung und Lustlosigkeit aus. Hier geht es vor allem um Dinge oder Unternehmungen, die dir sonst besonders viel Freude bereitet haben: Freunde treffen, leckeres gemeinsames Kochen oder dem Hobby nach der Arbeit oder am Wochenende nachgehen. Ein schulischer Leistungsabfall oder eine allgemeine Belanglosigkeit und Gleichgültigkeit könnten weitere Anzeichen sein.

Was tun?

Zum Glück kann hier ein Arzt oder Psychologe helfen. Denn es ist möglich, aus diesem Kreislauf der Erschöpfung auszubrechen, solange man sich in professionelle Hände begibt. Gedanken oder lieb gemeinte Ratschläge wie “Schlaf dich einfach mal aus” sind absolut nutzlos und wertigen die Ernsthaftigkeit der Situation ab. Hat man also das Gefühl, sich in so einer Schleife zu befinden, kann man sich hilfesuchend an Freunde wenden, sollte aber professionelle Hilfe nicht außer Acht lassen. Die Stigmatisierung geistiger Krankheiten führt leider oft dazu, dass sich Betroffene schämen, einen Arzt oder Psychologen aufzusuchen. Hier gilt es, rational zu bleiben: Wer sich den Rücken verhebt, geht zum Orthopäden und wer das Gefühl hat, dass die Gedanken nicht intakt sind, wendet sich an einen Psychologen. Hilfe suchen drückt Stärke und Mut aus!

Mit dem Psychologen zusammen können Betroffene dann genauere Pläne und Zukunftüberlegungen anstellen. Vielleicht ist es sinnvoll, das Studium etwas langsamer anzugehen. Hier gibt es jedoch keine pauschale Antwort, sondern es Bedarf einer individuellen Betrachtung und Evaluierung der jeweilig zusammenhängenden Umstände.

Wie kannst du dich schützen?

Man ist niemals komplett geschützt, denn die Faktoren, die hier eine Rolle spielen, sind sehr vielschichtig und komplex. Es gibt eine erbliche Komponente, frühkindlich erlernte Verhaltens- und Denkweisen, die eine Rolle spielen, Ernährung, Suchtprobleme und und und… Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Tricks und Tipps wie man präventiv gegen ein Burnout vorgehen kann:

1. Auszeiten. Pausen sind wichtig. Und hier geht es vor allem nicht um körperliche, sondern um geistige Pausen. Der Kopf muss zwischendurch auch mal frei haben: Sei es beim Wohnungsputzen, Waldspaziergang oder beim Sport treiben. Finde für dich eine Art und Weise, wie du auch im stressigen Uni-Alltag abschalten kannst.

2. Zuhören. Und zwar dir und deinem Bauchgefühl. In den meisten Fällen merken wir genau, wann es uns alles zu viel wird. Die Kunst ist hier, auch darauf zu hören, wenn der Körper und Geist nach einer Pause verlangt – auch wenn das bedeutet, dass mal etwas liegen bleibt oder niemals geschafft wird.

3. Akzeptanz. Es muss nicht jeder immer alles können und schaffen. Nur weil andere den Lernstoff schon rückwärts aufsagen können oder schon das vierte Langzeitpraktikum studienbegleitend absolviert haben, heißt das nicht, dass du das auch bieten musst. Jeder hat sein eigenes Tempo und es ist mehr als in Ordnung, sich dem schneller-höher-weiter-Wahn zu widersetzen. Normal und durchschnittlich zu sein, ist ja eigentlich schon zur Besonderheit geworden.

…Hauptsache man ist gesund.

Jeder kennt diese Floskel und das gilt auch hier: Die körperliche und geistige Gesundheit steht an allererster Stelle und alles andere ist nebensächlich. Pass gut auf deine Gesundheit auf – geistig sowie körperlich.