Sommerzeit = Zeckenzeit

Wenn der Sommer naht, freuen sich die meisten schon auf gemütliche Tag in der Sonne mit Grillen, langen Spaziergängen oder Faulenzen am nahegelegenen See. Gerne wird dann auch der Hund mitgenommen. Doch Sommerzeit bedeutet leider auch Zeckenzeit. Die kleinen Übeltäter lauern im Gras, Sträuchern, Feld oder Bäumen auf ihr nächstes Opfer, um diesem Blut auszusaugen. Leider stellen Zecken jedoch ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier dar. Erfahre nachfolgend wie du dich und deinen Vierbeiner, sei es Hund oder Freilauf-Kätzchen, vor den lästigen Plagegeistern schützen kannst.

Es gibt insgesamt rund 900 verschiedene Zeckenarten, welche in zwei Familien unterteilt werden: Schildzecken und Lederzecken. Die Ahnenlinie der Blutsauger reicht rund 50 Millionen Jahre in die Vergangenheit zurück und verdeutlicht, wie anpassungsfähig die kleinen Biester sein können. Zecken sind in der Tat recht robuste Tierchen: Während die Gefahr im Sommer erhöht ist, da wir uns alle öfter im Grünen aufhalten, besteht das Risiko von Zecken befallen zu werden, theoretisch über das ganze Jahr hinaus – denn Zecken können auch kältere Temperaturen problemlos überstehen, besonders dann, wenn der Winter mild ausfällt. Sobald die Temperaturen um die 6 bis 7 Grad Celsius betragen, werden die kleinen Tierchen munter. Dies ist normalerweise jedoch erst ab Februar oder März der Fall. Trotz der zuvor erwähnten großen Vielzahl an unterschiedlicher Zeckenarten, sehen wir in Deutschland überwiegend Zecken der Gattung Ixodes ricinus (der Gemeine Holzbock), Dermacentor reticulatus (die Auwaldzecke) und Rhipeciephalus sanguineus (die Braune Hundezecke).

Schutz gegen Zecken

Wer mit seinem Hund gassi geht, ist dementsprechend oft mit dem Thema Zeckenbefall konfrontiert, ebenso jene, die eine Katze mit Freigang besitzen. Da wir uns im Sommer öfter auf Wiesen, im Feld oder Wald aufhalten, erhöht sich das Risiko hier dementsprechend. Doch was kann man tun, um sich und seine geliebten Vierbeiner zu schützen? Hier einige Tipps, welche gegen Zecken helfen können:

  • Geschlossenes Schuhwerk, lange Hose und länge Ärmel helfen, den Zecken weniger Angriffsfläche anzubieten.
  • Helle Kleidung erleichtert es, sich im Anschluss nach Zecken abzusuchen, da diese auf hellem Untergrund besser sichtbar sind.
  • Niemals wilde Tiere anfassen! Denn diese tragen häufig Zecken mit sich.
  • Im Anschluss eines Spaziergangs sollte man sich selbst und den Körper seines Vierbeiners sorgfältig absuchen – gleiches gilt für Kätzchen, wenn diese vom Freilauf zurückkommen.
  • Zeckenschutz auftragen! Zur menschlichen Anwendung hatte die Stiftung Warentest in der Vergangenheit bestätigt, dass Zeckensprays, welche Icaridin oder DEET als Wirkstoff enthalten, für gewöhnlich einen guten Schutz darstellen. Die Sprays müssen ca. alle 2-3 Stunden neu aufgetragen werden, damit der Schutz weiterhin bestehen bleibt.  
  • Für Hunde und Katzen gibt es Tabletten, Halsbänder, Sprays sowie Spot-on-Mittel, welche gegen Zecken helfen. Fipronil, ein Insektizid, ist beispielsweise in solches Spot-on-Mittel. Dieses wird am Nacken des Tieres aufgetragen, damit dieses die Flüssigkeit nicht ablecken kann.
  • Parasitenhalsbänder eignen sich nur für Hunde! Katzen sollte keines dieser Halsbänder angelegt werden, da es ein zusätzliches Risiko beim Klettern in Bäumen darstellt.
  • Achtung: Es gibt Zeckenschutz, welcher den Wirkstoff Permethrin enthält. Dieses kann nicht für Katzen verwendet werden, da Permethrin für Katzen giftig ist. Und zwar nicht nur für Katzen, sondern auch für Bienen. Es ist daher sehr umstritten, ob Permethrin im Garten eingesetzt werden sollte.
  • Es gibt bisher keine wissenschaftlichen Studien, welche ausreichend belegen können, dass natürliche Mittel gegen Zecken schützen können. Mehr zu dem Thema kannst du weiter unten lesen.

Vorsicht ist geboten, wenn du oder dein Vierbeiner doch von einer Zecke befallen wurde

Beim Entfernen von Zecken ist höchste Vorsicht geboten. Die Zecke muss so entfernt werden, dass diese nicht ihren Kopf in der Wunde verliert. Zum Entfernen gibt es daher spezielle Werkzeuge, wie zum Beispiel einer Zecken-Pinzette. Versuche nicht, die Zecke mit einer herkömmlichen Kosmetik-Pinzette zu entfernen.

Ebenso ist es zu empfehlen, die Wunde im Anschluss entsprechend zu desinfizieren. Gebe jedoch nur Desinfektionsmittel auf die Wunde, nachdem die Zecke entfernt wurde. Es ist wichtig, niemals irgendwelche Flüssigkeiten wie Desinfektionsmittel, Klebstoff oder Öl auf die Zecke zu träufeln.

Falls du dir es nicht selber zutraust, die Zecke zu entfernen, kannst du dich auch, je nachdem, ob du selbst oder dein Haustier betroffen sind, an einen Arzt oder Tierarzt wenden. Dies sollte jedoch innerhalb von 24 Stunden nach dem Zeckenbefall geschehen – je schneller, desto besser! Je länger du wartest, desto höher wird das Infektionsrisiko!

Falls du oder dein Vierbeiner von einer Zecke gestochen werden sollten (Ja, es ist in der Tat ein Stich und kein Biss), empfiehlt es sich nach dem Entfernen der Zecke den Einstich genau im Auge zu behalten. Mache ein Foto mit deinem Handy von der Einstichstelle, um Vergleichsmöglichkeiten zu haben. Sollte es zum Beispiel zu einer Übertragung von Borreliose gekommen sein, bildet sich in den folgenden Tagen nach dem Zeckenstich eine sogenannte Wanderröte um die Einstichstelle. Sollte man dies oder andere Veränderungen rund um die Einstichstelle beobachten oder unter Grippe-artigen Symptomen leiden, sollte man direkt zum Arzt gehen, damit eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden kann.

Krankheiten, welche von Zecken übertragen werden können

Wenn man mal davon absieht, dass der Gedanke nicht sehr schön ist, von einer Zecke gestochen zu werden (die Zecke schneidet mit ihrem speziellen Mundwerkzeug zuerst die Haut ein wenig auf und sticht dann mit Ihrem Stechrüssel in die entstandene Wunde!), und dieser anschließend unfreiwillig eine Portion des eigenen Bluts zu spenden, ein Zeckenbefall ist aus einem anderen Grund mit höchster Vorsicht zu genießen: Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen – auf Mensch und Tier -, welche unter Umständen tödlich ausgehen können.

So kann man von Zecken beispielsweise Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen bekommen. FSME kann von kranken Mäusen über Zecken an Mensch und Haustier übertragen werden und verursacht eine Entzündung der Hirnhaut. Es gibt mittlerweile jedoch Impfungen gegen FSME, welches für jene empfohlen wird, welche sich oft im Grünen aufhalten und in FSME-Risikogebieten wohnen. Hierzu zählen Bereiche von Hessen, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Saarland.

Weitere Krankheiten, welche mit Zecken in Verbindung stehen, sind:

  • Anaplasmose: Erkrankung von weißen Blutkörperchen,
  • Babesiose: Erkrankung von roten Blutkörperchen,
  • Borreliose: Erkrankung von Organen und des Nervensystems sowie;
  • Erlichiose: Erkrankung des Immunsystems.
  • Hunde können außerdem mit Hundemalaria infiziert werden.

Angepriesene natürliche Anti-Zeckenmittel

Die folgenden Mittelchen, welche oftmals als Zeckenabwehr für Vierbeiner verkauft werden, sollte man nicht in Erwägung ziehen:

  • Kokosöl: Während die Idee Sinn machen könnte, da Kokosöl die Atemwege der Zecke verstopfen kann, ist es praktisch dann doch nicht so einfach. Die Menge an Kokosöl, die man zur erfolgreichen Zeckenabwehr benötigen würde, ist genug, um Gesundheitsprobleme bei Hund und Katze auszulösen. Denn das dick aufgetragene Kokosöl verklebt das Fell des Vierbeiners, besonders bei langhaarigen Rassen, in welchem sich dann Dreck und Staub ansammeln können und dadurch eine Überhitzungsgefahr entsteht. Ein eventuelles Ablecken der fettigen Schicht kann auch nicht ausgeschlossen werden, welches ebenso mit gesundheitlichen Problemen in Verbindung steht.
  • Knoblauch: Die Menge an benötigtem Knoblauch, um Zecken gefährlich zu werden, ist genug, um ebenfalls lebensgefährlich für Hund und Katze zu sein.
  • Bernsteinketten: Bernstein wird seit Jahrhunderten mit einer heilenden Wirkung in Verbindung gebracht, ob dies so stimmt, sei dahingestellt. Wir würden diese Ketten keiner Kaufempfehlung geben, denn für deren Wirkungen gibt es keine wissenschaftliche Nachweise. Oder wie es von anderer Stelle scherzhaft empfohlen wurde: Bernstein kann gegen Zecken helfen – man muss mit dem Bernstein nur kräftig genug zuschlagen können.
  • Ultraschall: Es soll Anhänger geben, welche man am Halsband des Tieres befestigt. Deren Wirksamkeit und von Herstellern oftmals versprochene “100 prozentige Schutz” konnte bisher jedoch ebenfalls nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Fazit

Zecken können sehr unangenehm und sogar gesundheitsbedrohlich sein. Doch es lässt sich mit vielen Mitteln dafür sorgen, dass man selbst sowie der eigene Vierbeiner gar nicht erst gestochen wird – oder zumindest das Risiko um ein vielfaches minimiert. Während es hier keinen Grund gibt, vor chemischen Mitteln zurückzuscheuen, sollte man sich vorher trotzdem entsprechend erkundigen, welche Wirkstoffe im Mittel der Wahl enthalten sind und ob diese sicher für Hund und / oder Katze sind.