Slow travel – Sinnliches Reisen

Wer kennt das nicht? Der tägliche Terminkalender ist voll. Auf der Arbeit sind wir mehr als eingespannt, und auch in unserem Privatleben hetzen wir von Termin zu Termin, so dass auch  das Treffen mit Freunden oder das Abendessen mit der Familie zu einer Pflichtveranstaltung in der Tagesordnung wird. Am Ende des Tages sind wir nur noch froh, ins Bett zu fallen und, im besten Fall, ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Irgendwann schreien unser Körper und Seele förmlich nach Urlaub. Doch Achtung! Urlaub klingt zwar entspannend, vor allem mit der Aussicht, sich einfach zwei Wochen an den Strand legen zu können – doch in Realität sehen unsere Urlaube oftmals anders aus. 

Städtetrips, ja oder nein? 

In der heutigen Zeit werden Städtetrips und Erlebnisreisen immer populärer. Hinzu kommt, dass wir immer kürzer und öfter in den Urlaub fahren, anstatt mehrerer Wochen am Stück.
Warum ist das so?
Einerseits wird häufiger nach einer kurzen Auszeit gesucht, anstatt nur einer einzigen, dafür aber längeren, Auszeit im Jahr. Andererseits gibt es auch Vermutungen, dass, aufgrund des Jobs, mehrere kürzere Auszeiten leichter in den Arbeitsalltag einzuplanen sind. Eine kurze Abstinenz führt dazu, dass weniger verpasst wird und somit weniger nach dem Urlaub aufgearbeitet werden muss.
Wenn allerdings nach einem längeren Urlaub wieder viel aufgearbeitet werden muss, ist die schöne Entspanntheit nach dem Urlaub schnell wieder verflogen. Im schlimmsten Fall ist der Stresslevel danach noch höher, da sich Einiges angesammelt hat. Da kommt die Frage auf: War die lange Entspannung den Stress wirklich wert?
Ein weiterer Punkt, welcher Bedenken hervorbringt, sind Städtereisen. Oftmals werden dabei Metropolen gewählt, welche selbst oft voll von Stress und Hektik sind. Das soll nicht heißen, keine Städtetrips zu machen, aber vielleicht die Art und Weise zu überdenken, wie die Stadt bereist wird.
Durch die kürzere Urlaubszeit wird oft dazu tendiert, in kurzer Zeit viel zu erleben, und den Urlaubstag mit Aktivitäten und Attraktionen voll zu stopfen. Dies mag zwar unterhaltsam sein, da man jeden Tag viel erlebt und etliche Eindrücke sammeln kann, aber unser Geist und Körper kommen dabei nicht wirklich zur Ruhe. Doch was heißt das nun? Keine Städtetrips, keine Kurzurlaube, sondern doch besser lange Auszeiten, welche vielleicht mehr Stress nach dem Urlaub bedeuten können? Die Antwort lautet “Nein”. Besser sollte am “Wie” des Reisens gearbeitet werden. Eine Möglichkeit ist “Slow Traveling”

Slow Traveling – wie funktioniert das? 

“Slow travel” heißt wörtlich übersetzt “langsames Reisen”. Damit ist nicht gemeint, dass man sich nur langsam fortbewegen sollte. Ferner bedeutet dies, sich Zeit zu nehmen, nicht so viel wie möglich in die tägliche Agenda hinein zu quetschen und einfach zu genießen. Simpel gesagt: Einfach mal den stressigen Alltag hinter sich lassen.
Viele Reisende erleben oftmals ein sogenanntes “Tourist burnout”. Dies bedeutet nichts anderes, als während oder nach dem Urlaub noch erschöpfter zu sein als zuvor. Meistens wird dies durch den Drang, so viel wie möglich in kürzester Zeit zu erleben, hervorgerufen. Ist es das Wert? Also, wie funktioniert Slow traveling?
Utopia erklärt es wie folgt: “Es meint langsames Reisen, bei dem man sich selbst und seine Umgebung bewusster wahrnimmt, nachhaltigere Eindrücke sammelt, entschleunigt, entspannt und dabei respektvoll mit Mensch und Natur vor Ort umgeht.”
Einfach dem eigenen Instinkt folgen, dahin gehen, was einen selbst interessiert, Momente genießen, sich Zeit nehmen, Eindrücke zu absorbieren und sich an diesen zu erfreuen.
Es geht darum, nicht nur zu reisen, um anzukommen, eher geht es darum, Qualitätserlebnisse zu sammeln. Wer sagt, dass jede Sehenswürdigkeit wichtig ist oder dass wir all den Empfehlungen des Reiseführers folgen müssen? Haben wir den Ort sonst nicht besucht, nur weil wir nicht die Klischees abhaken? Geht es nur darum, uns auf Social Media damit zu repräsentieren? Sei dein eigener Reiseführer und folge deinen Gedanken, Gefühlen und Interessen!
Durch die Qualitätserlebnisse kann der Ort ganz anders wahrgenommen werden, und das Beste: Diese Erfahrungen bereichern uns auch mehr, da sie uns länger in Erinnerung bleiben. 

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Manchmal kann es auch reizend sein, an einen Ort zurückzukehren, welchen man schon bereist hat. Vielleicht hat man beim ersten Mal nicht Alles sehen können. Ein weiterer Grund, warum wir unsere Urlaubstage nicht voll planen müssen: Es ist keine Schande, erneut wieder zu kommen.
Eine andere Möglichkeit ist, einfach mal Urlaub zu Hause oder in der näheren Umgebung zu machen. Das spart nicht nur den stressigen Reiseweg, sondern ist auch gut für die Umwelt.
Gleichzeitig kann der Urlaub zu Hause, beziehungsweise in der heimischen Umgebung, auch etwas Schönes haben. Möglicherweise wird ein neuer Lieblingsplatz gefunden, an welchem man einfach entspannen und die Seele baumeln lassen kann. Der Vorteil: Man kann den Ort auch während einer stressigen Zeit leichter besuchen, da er sich in der Nähe befindet. Somit kann man auch zwischen den Urlauben “slow traveling” praktizieren, Energie tanken und kurz den stressigen Alltag hinter sich lassen. 

Persönliche Erfahrung und Tipps

Weitere Vorteile, wenn man sich die Zeit nimmt, einfach mal die Nachbarschaft zu durchschlendern, anstatt den Sehenswürdigkeiten zu folgen, ist die Intensität und Sinnlichkeit, die erlebt werden kann, wenn man die wahre Seite des Ortes kennenlernt. Oftmals sieht man dadurch das authentische, einheimische Leben, denn dort wo die ganzen touristischen Attraktion aufgebaut wurden, sieht das Land bzw. die Stadt, vollkommen anders aus. Es ist viel kommerzieller ausgerichtet, es wird alles penibel in Ordnung gehalten und die Infrastruktur ist besser ausgebaut. Doch leben die Einwohner wirklich so? Aus eigener Erfahrung kann ich dies getrost verneinen. Abseits der Attraktionen kann man plötzlich auch in einem sehr touristischen Ort wie ein Alien angeschaut werden, da die Personen es nicht gewohnt sind, mit Touristen in ihrer lokalen Umgebung in Verbindung zu kommen.
Gleichermaßen dazu ist auch die zunehmende Nachfrage, ein Airbnb zu buchen oder Couchsurfing zu praktizieren, ein Indiz dafür, dass immer mehr Menschen lieber das wahre Leben spüren und die Kultur des Urlaubsortes kennenlernen möchten. Beide Möglichkeiten geben einem die Chance, sich  besser mit seinem Reiseziel zu verbinden. Gerade beim Couchsurfing wird in die lokale Kultur eingetaucht, da man nicht nur in einer authentischen Wohnung übernachtet, sondern auch den jeweiligen Gasthost kennenlernt . Bei einer fremden Person zu wohnen bedeutet die Kultur außerhalb der touristischen Sehenswürdigkeiten erleben zu können. Des weiteren kommt man vielleicht in Gegenden der Stadt, welche man normalerweise nicht besuchen würde. Dies kann eine spannende und abwechslungsreiche Erfahrung sein, da man direkt am Leben vor Ort teilnimmt und sich nicht im Hotelzimmer versteckt. 

Das beste zum Schluss: Slow travel is nicht schwer. Man muss nicht zwanghaft auf seine Lieblingsreiseziele verzichten, sondern lediglich seine Einstellung und Art des Reisens ein wenig verändern. Dabei hängt es von einem selbst ab, ob man lieber an einem ruhigen Ort reisen möchte oder in eine Stadt. Der entscheidende Punkt ist die Art und Weise wie man reist. 

Hast Du Slow travel schon einmal ausprobiert?
Was hältst Du von dem Konzept?
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