Mit dem Fahrrad um die Welt

Die Arbeitsstelle kündigen, den Alltag hinter sich lassen und mit dem Fahrrad in Richtung Freiheit: Viele erfüllen sich damit ihren Lebenstraum. Weltreisen per Fahrrad erfreuen sich immer größer werdender Beliebtheit. Im Netz häufen sich die Blogs und Dokumentationen über die Abenteuer auf zwei Rädern. Doch was macht die Faszination Fahrrad aus und wie bereitet man sich auf solch eine Tour richtig vor? Lebejetzt.de berichtet über die Erfahrungen von Radreisenden.

Beispiele für Fahrrad-Abenteur findet man im Netz zahlreich. Die Arten des Reisens variieren genauso wie die Routen. Viele Radbegeisterte starten mit einem Freund oder dem Partner, andere bevorzugen es alleine zu reisen. So auch Martijn Doolard. Der Niederländer reiste auf seinem Rad in 335 Tagen von Amsterdam nach Singapur, durchquerte dabei 18 Länder und legte insgesamt 17.000 Kilometer zurück. Über seine Erlebnisse hat er das Buch “One Year on a Bike” geschrieben. Zu zweit reisten Christian Wolf aus Deutschland und Sara-May Leeflang aus den Niederlanden. Auf ihren Blog berichten sie über ihre Tour von Griechenland durch die Türkei und den Iran nach Südostasien. Felix Starck aus Süddeutschland dokumentierte seine Reise durch 22 Länder, darunter Thailand, Laos, Neuseeland, die USA und Norwegen, mit der Kamera. Er nutzte das so entstandene Filmmaterial zur Produktion des Dokumentarfilms “Pedal the World”. Ein weiterer lesenswerter Blog zum Thema Weltreisen per Fahrrad wird von Olga und Michel betrieben. Das Pärchen aus Hamburg startete 2016 ihre Weltreise, berichtet seitdem über ihre Erlebnisse und gibt hilfreiche Tipps für Nachahmer.

Warum mit dem Rad?

Die Motivation für das Reisen mit dem Fahrrad sind vielfältig: Abenteuerlust; Fernweh; Sehnsucht die Welt, verschiedene Menschen und Kulturen kennenzulernen; die mit dem Reisen einhergehende Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit oder einfach das Interesse an einer anderen Form des Reisens, sind einige der zahlreichen Beweggründe für Radreisende.

Der Weg ist das Ziel

Eine Weltreise kann nicht bis ins Detail durchgeplant werden und die anfängliche Routenplanung wird früher oder später verändert oder gar komplett umgeworfen. Radreisende berichten, dass sich das meiste häufig spontan während der Tour, beispielsweise aufgrund von Empfehlungen anderer Reisender oder Einheimischer, ergibt. Daher sollte ein gewisses Maß an Flexibilität vorhanden sein. Dennoch erfordert eine Weltreise einiges an Vorbereitungen und Planungen. Zunächst benötigt man das richtige Fahrrad und die dazugehörige Ausstattung. Das Fahrrad sollte zuverlässig und bequem sein. Zur Grundausstattung gehören neben den Satteltaschen für das Rad, auch ein Zelt sowie eine Isomatte und Schlafsack. Hinzu kommen Anziehsachen, Kochzubehör, elektronisches Zubehör und Werkzeug, um kleinere Reparaturen am Fahrrad selbst durchzuführen. Generell gilt, es sich bei dem Gepäck auf das Nötigste zu beschränken, denn jedes zusätzliche Kilo auf dem Rad macht sich später auch in den Beinen bemerkbar. Zum Navigieren eignen sich zahlreiche offline Apps, so spart man das Gewicht des Kartenmaterials und ist nicht auf eine Internetverbindung angewiesen. Denn wer weiß, ob man in jedem Land eine Sim Karte kaufen möchte, oder wirklich überall Empfang hat. Je nachdem, welche Länder und Regionen durchquert werden, benötigt man ein Visum und verschiedene Impfungen. 

Die Finanzierungskonzepte für Weltreisen mit dem Rad sind unterschiedlich. Am Anfang steht die wohl größte Investition in das passende Fahrrad. Für die täglichen Verpflegungskosten nutzen viele Radreisende angespartes Geld aus ihren vorherigen Jobs. Über Plattformen wie Workaway erhält man einen Schlafplatz sowie Verpflegung im Austausch gegen ein paar Stunden Arbeit pro Tag bei dem jeweiligen Gastgeber. Die Tätigkeiten reichen von Farmarbeit bis hin zu Sprachunterricht. Am meisten Geld lässt sich bei den Übernachtungskosten sparen. Die Kosten für einen Zeltplatz sind gering und in einigen Ländern ist Wildcampen erlaubt. Reisende berichten außerdem von den häufig sehr gastfreundlichen und hilfsbereiten Menschen. Private Einladungen sind demnach keine Seltenheit. Couchsurfing und Warmshowers, ein globales Netzwerk von Radreisenden und all denjenigen, die diese unterstützen wollen, sind weitere Alternativen, um zeitweise ein Dach über den Kopf zu erhalten.

Die unbequemen Aspekte

Doch auch über die negativen Seiten einer Weltreise mit dem Fahrrad sollte man sich bewusst sein. Eine solche Radtour geht mit einem Verzicht des gewohnten Lebensstandards und jeglichen Luxus einher. Die meisten Nächte in einem Zelt zu verbringen, ist nicht jedermanns Sache. Außerdem wird es zur Herausforderung, Freunde und Familie regelmäßig (womöglich 24 Stunden täglich) zu sehen. Nicht alle Länder lassen sich zudem risikolos mit dem Rad bereisen. Radreisende berichten, dass die Straßenverhältnisse und der Verkehr zu manch einer brenzligen Situation führten. Außerdem sind die Kriminalitätsraten in vielen Regionen wesentlich höher als in Deutschland und die medizinische Infrastruktur in entlegenen Gebieten gering.

Klein anfangen

Ob eine Weltreise mit dem Rad das richtige Abenteuer für einen ist, findet man am besten auf kleineren mehrtägigen Radtouren heraus. In Europa gibt es viele hervorragend ausgebaute Fernradwege. So kann man sich langsam an eine Weltreise mit dem Fahrrad herantasten und die Ausstattung austesten. Man lernt seine Grenzen kennen und kann sich mit anderen Radfahrern über Routen und Erfahrungen austauschen.

Fazit

Eine Weltreise mit dem Fahrrad ist ein Abenteuer, von dem man ein Leben lang zehren wird. Man lernt die verschiedensten Menschen, Kulturen und Landschaften kennen und nimmt auf extreme Art Abstand von der alltäglichen Routine. Doch solch eine Tour geht auch mit vielen Entbehrungen einher. Wenn man darüber nachdenkt, ob eine Radweltreise ein Abenteuer ist, welches man selbst gerne erleben möchte, tastet man sich am Besten langsam, mit Hilfe kleineren Radtouren, an dieses Wagnis heran.