Ha Giang Loop: Motorbike-Tour durch die Berge Vietnams

Reisen in Südostasien gehört schon fast zum guten Ton unter den Reisefans aus der westlichen Welt. Während Thailand und seine wunderschönen Inseln inzwischen eher Pauschalreisecharakter vorweisen, werden Länder wie Vietnam immer beliebter, wenn es um das Erkunden asiatischer Kulturen geht. Ein echter Geheimtipp und Highlight auf einer Vietnam-Reise ist der sogenannte Ha Giang Loop, eine 4-tägige Motorradtour im Norden des Landes.

Ha Giang Loop: Atemberaubende Weiten auf zwei Rädern

Der Ha Giang Loop ist eine 350 km lange Strecke im Norden Vietnams an der Grenze zu China, welcher sich seit ein paar Jahren immer größerer Beliebtheit erfreut und von Reisenden per (halbautomatischem) Motorrad befahren werden kann. Ha Giang, ein kleiner Ort circa sechs Stunden nordöstlich von der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, ist nicht nur Namensgeber, sondern auch Start- und Endpunkt der Tour, wo Motorräder für umgerechnet 40 Euro für vier Tage inklusive Versicherung gemietet werden können. Wer sich nicht erfahren genug fühlt, solch eine Tour selbst auf dem Motorrad zu fahren, der hat die Möglichkeit einen sogenannten “easy rider”, also einen Motorradtourguide, zu buchen oder bei jemand anderem auf dem Soziussitz mitzufahren. Die meisten Reisenden planen zwischen drei und fünf Tagen für das Befahren der Route ein und legen pro Tag damit jeweils zwischen 60 und 80 km zurück. Da die Strecke an vielen Stellen atemberaubend schön, jedoch auch nicht gerade ungefährlich ist, sollte man sich auch, je nach Fahrerfahrung, genug Zeit lassen, um den Loop in vollen Zügen genießen zu können.

Die mehrtägige Tour führt durch wunderschöne Gebirgspässe, grünende Reisfelder, vietnamesische Bergdörfer und vorbei an buntgekleideten Kindern, die zu Fuß zur Schule oder nach Hause gehen und einem winkend und rufend hinterherlaufen. Teils gut geteerte Straßen, aufgrund von Erdrutsche und Matsch unbefahrbare Streckenabschnitte sowie enge Kurven und rasende (vietnamesische) Verkehrsteilnehmer machen die Fahrt zu einem echten Abenteuer, bei dem Vorsicht geboten ist. Empfohlen wird eine viertägige Tour mit den folgenden Teilstrecken.

Tag 1: Ha Giang – Yen Minh (100 km)

Der erste Abschnitt der viertägigen Tour startet in der Kleinstadt Ha Giang, in welcher zahlreiche Motorradvermietungen ihre Moto

rräder anbieten. Ratsam ist es, am Tag vor dem Tourbeginn anzureisen und sich im Ort ein Guesthouse oder Hostel zu suchen, um am darauffolgenden Morgen ausgeschlafen losfahren zu können. Zu empfehlen ist außerdem der Motorradverleih “QT Motorbikes & Tours”, welcher nicht nur hochwertige und sichere Motorräder verleiht, sondern auch nützliche Tipps für Route und Unterkünfte während der kommenden vier Tage zur Verfügung stellt. 

Während bis vor kurzer Zeit noch jeder ohne viel Fahrerfahrung und offiziellen Führerschein ein Bike ausleihen konnte, sind die Regularien seit dem 1. Dezember 2018 aufgrund von fatalen Unfällen von Touristen um einiges strikter und zur Ausleihe wird nun ein internationaler Führerschein benötigt. Dieser sollte im Voraus bereits in Deutschland beantragt werden. 

Wie bereits erwähnt ist es auch möglich, sich einer geführten Tour anzuschließen oder auf dem Motorrad eines geübten Fahrers mitzufahren. Natürlich lässt sich die Tour auch mit einem Auto befahren. Die erste Teilstrecke von 100 km führt von Ha Giang in die Kleinstadt Yen Minh, was je nach Geschwindigkeit und Fahrtunterbrechungen zwischen vier bis sieben Stunden dauern kann. Aufgrund der Länge der Fahrt ist es wichtig, sich bereits am frühen Morgen auf den Weg zu machen, um vor Einbruch der Dunkelheit am Ziel anzukommen. Die Fahrt beginnt aus Ha Giang raus auf ruhigen Landstraßen, zwischen grünbewachsenen Kalkbergen (sogenannten “Limestones”), an Reisfelder und Dörfer vorbei. Schon nach wenigen Kilometern hat man das Gefühl, alle paar Minuten anhalten zu müssen, um die Aussicht von den sich windenden Straßen und wunderschönen Natur in vollen Zügen genießen zu können. Ein Highlight des ersten Tages ist das sogenannte Heaven’s Gate, ein Aussichtspunkt auf 1500 m Höhe, von welchem man zur richtigen Jahreszeit einen unendlichen Blick auf grüne und gelbe Reisterrassen zwischen grünen Kalkbergen und kleinen Berghäuschen hat. Mit der Sonne zwischen den Wolken ist dieser Anblick ein atemberaubender Augenblick, der die Anstrengungen der ersten Stunden Fahrt schnell vergessen lässt.

Nach einem Zwischenstopp zum Mittagessen auf der Hälfte der Strecke und weiteren Kilometern auf sich windenden Landstraßen und bergigen Waldwegen kommt man am frühen Abend in Yen Minh an, wo eine Vielzahl von Homestays eine warme Dusche, ein ausgewogenes vietnamesisches “Family Dinner”, das berühmte “happy water” (Reiswein) und ein sauberes Bett für umgerechnet circa vier Euro anbieten – und das ohne Voranmeldung.

Tag 2: Yen Minh – Dong Van (46 km)

Am nächsten Morgen geht es nach einem stärkenden Frühstück zurück auf’s Motorrad für den zweiten und den womöglich schönsten Tag. Dieser Teil der Strecke ist charakterisiert von grünen Kalksteinbergen, die einem das Gefühl geben, Teil eines Tolkien-Romans zu sein: Straßen, die sich um die Berge winden und im Zickzack ins Tal und wieder den Berg hinaufführen, Kinder, die einem in ihren bunten traditionellen Kleidungen winkend und rufend hinterherlaufen und Kleinbauern, die mit ihrer ganzen Familie die Felder an den Straßenrändern abernten. Auf dem Weg in die Stadt Don Vang gibt es so einige Highlights, die auf den relativ kurzen 46 km verteilt sind. Es besteht auch die Möglichkeit, einen kurzen Abstecher an die chinesische Grenze zu machen, welche nur von einem Schild und lose gewickeltem Stacheldraht gekennzeichnet wird. Die ganz Waghalsigen haben hier die seltene Möglichkeit, für wenige Minuten chinesischen Grund zu betreten oder zur selben Zeit mit jeweils einem Fuß in zwei verschiedenen Ländern zu sein. Auf dem Rückweg dieser kurzen Detour fährt man je nach Saison an blühenden lila-weißen Buchweizenfeldern vorbei, welche malerisch im Hintergrund von grünbewachsenen Hügeln, umhüllt von Wolken, in Szene gesetzt werden. Wer am Ende des Tages dann noch Zeit und Lust hat, kann einen kurzen Ausflug zum sogenannten North Pole Vietnams machen, ein 30-Meter hoher Turm, der den nördlichsten Punkt Vietnams markiert und von welchem man einen Blick auf China hat. Bei der anschließenden Ankunft in Dong Van hat man eine breite Auswahl an Hotels, Homestays und Hostels sowie Restaurants für ein leckeres und günstiges nordvietnamesisches Abendessen.

Tag 3: Dong Van – Du Gia (75 km)

Der dritte Tag beginnt mit einem echten Highlight der gesamten Tour: Dem Ma Pi Leng Pass. Der Ma Pi Leng Pass ist ein Gebirgspass auf 1500 m über dem Meeresspiegel, von welchem man einen atemberaubenden Blick über tiefe Täler mit einem (jahreszeitenabhängigen) türkisfarbenen Fluss hat. Der Ausblick allein macht die Strapazen und langen Stunden auf dem Motorrad wieder wett und lässt einen für nur wenige Augenblicke alle Probleme dieser Welt vergessen. Nach weiteren 50 km voller unglaublich schöner Bergstraßen und engen Kurven mit endlosen Ausblicken kommt man in dem kleinen Städtchen Du Gia an, wo man bei kühlen Getränken, vollgeladenen Tischen und netten Gesprächen mit anderen Reisenden den Abend ausklingen lassen kann.

Tag 4: Du Gia – Ha Giang (80 km)

Am letzten Tag der Tour geht es am frühen Morgen nach einem kleinen Abstecher auf dem riesigen bunten Markt von Du Gia weiter Richtung Ha Giang. Der empfohlenen Route des Mietverleihs sollte an diesem Tag auf jeden Fall besondere Beachtung geschenkt werden, da die kürzere Alternativroute viele gefährliche Stellen aufweist, der man auch als geübter Fahrer aus dem Weg gehen sollte.

 Jedoch ist auch die bevorzugte Strecke von etlichen Hindernissen geprägt, da an vielen Stellen die Straßen aufgrund von Steinschlägen zerstört und teilweise sogar von Wasser überschwemmt sind und man nur in Schrittgeschwindigkeit und mit großer Achtsamkeit vorankommt. An regnerischen Tagen machen die vielen Pfützen und aufgeweichten Böden die Feldwege zur reinsten Schlammschlacht, was die Bergauffahrt zu einer rutschigen Angelegenheit machen kann. Aus diesem Grund sollte man trotz des nahenden Ziels Ha Giang niemals die Konzentration verlieren und bei jeglichen Anzeichen von Müdigkeit eine Pause einlegen. Nach einer wirklich ereignisreichen und vielseitigen Fahrt kommt man dann am frühen Nachmittag in Ha Giang an, wo man sich nach Abgabe des Motorrads und kurzer Verschnaufpause ein Hostel oder Guesthouse für die Nacht suchen kann.

Zu diesem Zeitpunkt wird man sich den Ereignissen der letzten Tage erst so richtig bewusst und bekommt das Grinsen vor Stolz, diese vier aufregenden und strapaziösen Tage geschafft zu haben, und vor Glück, so etwas atemberaubend Schönes wie den Ha Giang Loop gesehen zu haben, kaum mehr aus dem Gesicht.

Egal mit welchem Transportmittel, der Ha Giang Loop ist ein unvergleichbares Erlebnis, das einen sein ganzes Leben mit einem Lächeln im Gesicht an die Zeit in Vietnam zurückdenken lässt.