Umstrittenes Lebensmittel: Kakao

Pro Jahr knabbert eine Person in Deutschland durchschnittlich 9 kg Schokolade. Doch von der Kakaobohne bis hin zur Tafel Schokolade bedarf es viel Arbeit. Kakaobohnen müssen angebaut, geschüttelt, gepflückt und verarbeitet werden. Dementsprechend viele Hände benötigt man für den Prozess. Doch wieso die Herstellung von Kakao umstritten ist, erfährst du nachfolgend. 

Mandeln

Der Anbau von Kakao-Bohnen

Kakao-Bohnen baut man auf Plantagen entlang des Äquators an. Dort schüttelt man die Kakao-Früchte regelmäßig, um festzustellen, ob diese reif sind. Die Kakao-Bauern wissen, dass sie die Frucht ernten können, wenn sie beim Schütteln die losgelösten Samen, also die Kakao-Bohnen, hören können. Eine Kakao-Frucht enthält ungefähr 20 bis 50 Bohnen. Mit Stöcken oder Macheten schlagen die Bauern reife Kakao-Früchte von den Kakao-Pflanzen ab. Allerdings kann man die Bohne nicht direkt nach der Ernte verwenden, da die Kakao-Bohne selbst einen bitteren Geschmack enthält, welcher durch die enthaltenen Polyphenole entsteht.

Die Verarbeitung der Kakaobohne

Um dem bitteren Geschmack entgegenzuwirken, muss man die Kakaobohnen zuerst fermentieren. Hierzu verteilt man die Kakaobohnen samt Fruchtfleisch auf Bananenblättern. Der im Fruchtfleisch enthaltene Zucker sorgt dafür, dass die Kakaobohnen inklusive Fruchtfleisch nach einiger Zeit in der Sonne anfangen zu gären. Durch diesen chemischen Prozess verflüchtigen sich einige der Bitterstoffe und die Kakaobohne erhält ein Aroma, welches bereits dem von Schokolade ähnelt. 

Im Anschluss muss man die Bohnen trocknen, aussortieren und verpacken, sodass sie fertig für die Verschiffung sind. In ihrem Bestimmungsland liefert man die Kakaobohnen dann an die jeweiligen Fabriken, welche die Kakaobohnen weiterverarbeiten. Der Prozess beinhaltet das Reinigen und anschließende Rösten der Kakaobohnen bei bis zu 150 Grad Celsius. Die Art des Röstens hängt davon ab, welcher Kakaobohnentyp man verwendet und welchen Geschmack man haben möchte. Nach dem Rösten ist man der Kakaobohne dem typischen Schokoladenaroma noch einen Schritt näher. 

Anschließend muss man jedoch noch die Schalenreste der Kakaobohne entfernen. Sobald dies geschehen ist, kann man die Bohnen mahlen und walzen. Durch diesen Prozess setzt man die Fette der Kakaobohne, die sogenannte Kakaobutter, frei. Ebenso kann man der Masse eventuelle Zutaten hinzugefügen, je nachdem welches Endprodukt man herstellen möchte. Diese Zutaten bestehen oftmals aus Zucker, Vanille, Milchpulver und Lecithin. 

Kakao als Schokolade

Wenn man Schokolade herstellen möchte, muss noch ein weiterer wichtiger Schritt erfolgen: Das Conchieren. Beim Conchieren, ein Verfahren, welches von Rodolphe Lindt in 1879 entwickelt wurde, wird die Schokolade durch konstantes Erwärmen und Rühren so verfeinert, wie wir es heutzutage von unserer Schokolade kennen. Der Prozess des Conchierens kann bis zu 95 Stunden andauern. Somit hängt die Qualität unserer Schokolade hauptsächlich davon ab, welche Bohnen man verwendet und wie gut man diese conchiert.

Kakao

Die dunkle Seite der Kakao-Produktion

Wie zuvor beschrieben, ist der Produktionsweg, von der Anpflanzung der Kakaobohne bis hin zur Herstellung der Schokolade in der Fabrik, sehr lang. Dennoch können wir eine günstige Tafel Schokolade für weniger als einen Euro im Supermarkt erwerben. Dies geht auf die Kosten von Mensch und Natur. Denn beim Anbau der Kakaobohne wollen die Unternehmen oft am meisten einsparen. Gerade einmal 6 % des Preises erhält der Bauer. Die niedrige Bezahlung macht es vielen Kakaobauern schwer, von ihrer Arbeit leben zu können. Stattdessen leben die meisten Kakaobauern und deren Familien unter der Armutsgrenze und müssen konstant um ihre Existenz fürchten.

Unethische Arbeitsbedingungen

Unethische Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit auf Kakao-Plantagen sind keine Seltenheit. Allein in Westafrika, vorwiegend in Ghana und der Elfenbeinküste, arbeiten immer noch rund 2 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen auf den dortigen Plantagen. Diese müssen oft schwerste Gewichte tragen und mit gefährlichen Werkzeugen sowie gesundheitsschädlichen Pestiziden hantieren. Oftmals arbeiten die Kinder dort nicht freiwillig, sondern verrichten Zwangsarbeit. Diese Kinder sind Opfer von Kinderhandel- und sklaverei in Anbaugebiete und werden verschleppt, fernab ihrer Heimat.

Fehlende Ressourcen

Weltweit kümmern sich rund 5.5 Millionen Kakaobauern mit arbeitsintensiver Handarbeit um die Kakao-Plantagen. Die Kakaopflanze selbst benötigt tropische Temperaturen, um wachsen und gedeihen zu können. Aufgrund dessen befinden sich Kakao-Plantagen in Gebieten entlang des Äquators, hauptsächlich in Gebieten von Westafrika sowie Mittel- und Südamerika. Die Kakaopflanze ist zudem eine sehr empfindliche Pflanze, welche konstant gepflegt werden will. Da viele Kakaobauern vor Ort keinen Zugang zu nachhaltigen Pflanzenschutz- oder Düngemitteln haben, kann man viele alte und kranke Bäume nicht effizient ersetzen. Daher benötigt man immer größere Anbauflächen, um den fehlenden Ertrag wettzumachen. Hierfür rodet man oftmals indigene Regenwälder. Dies führt zu Monokulturen und einem stetigen Rückgang der Biodiversität, welches wiederum negative Auswirkungen auf das dortige Trinkwasser hat. Es erhöht zudem auch das Risiko, dass die Kakaopflanzen von Schädlingen befallen werden oder erkranken. Ohne Unterstützung sind die Kakaobauern somit in einem Teufelskreis unterhalb der Armutsgrenze gefangen.

Kakao

Fazit

Das Geschäft mit Kakao hat in der Tat eine recht dunkle Seite, welcher wir uns oftmals nicht bewusst sind, wenn wir nach der Kakao-Schokolade im Supermarktregal greifen. Wer sicherstellen möchte, dass die gekaufte Schokolade faire Arbeitsbedingungen unterstützt, sollte auf das Zertifikat von Fairtrade achten. Fairtrade stellt sicher, dass die Kakaobauern ein stabiles Einkommen mit fairer Bezahlung und ethischen Arbeitsbedingungen erhalten. Das Zertifikat stellt außerdem sicher, dass die Schokolade ohne den Einsatz von Kinderarbeit produziert wird.