Nachhaltigkeitssiegel: Welchen kann man vertrauen?

Immer mehr Nachhaltigkeitssiegel lassen sich auf Produkten in den Supermärkten finden. Manche Siegel sind bereits sehr bekannt, andere weniger. Dies ist nicht sonderlich förderlich, um den Überblick im Siegel-Dschungel zu behalten. Hier erfährst Du welchen Siegeln Du vertrauen kannst und welche Werte diese widerspiegeln.

Copyright: TransFair e.V., Fotograf: Jakub Kaliszewski

Wozu dienen Nachhaltigkeitssiegel? 

Immer mehr Menschen wollen wissen, wo und wie ihre Nahrungsmittel produziert werden. Nachhaltigkeitssiegel sollen dabei helfen, Produkte zu erkennen, welche aus einem fairen Handel stammen. Ziel der Fairtrade-Label ist es, die Lebensbedingungen der Menschen in Schwellenländern zu verbessern. Um dies umzusetzen, können die dort ansässigen Arbeiter zum Beispiel zunehmend in die Handelsprozesse mit eingebunden werden. Zudem soll sichergestellt werden, dass gewisse Arbeits- und Umweltschutzrichtlinien eingehalten werden. Für Unternehmen, welche eine Zertifizierung erhalten, wird somit bestätigt, dass vielzählige Mindeststandards erfüllt werden. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass verschiedenen Labels verschiedene Zwecke vertreten und dementsprechend unterschiedliche Aspekte unterstützen (wir kommen gleich nochmal darauf zurück). 

Welche Siegel sind vertrauenswert? 

Der Kauf von Fairtrade-Produkten bringt mehr Einkommen für die Bauern als der herkömmliche Handel, da ein gerechtes Einkommen für Bauern in den meisten Fairtrade-Label berücksichtigt wird. Jedoch ist zur Kenntnis zu nehmen, dass nicht jedes Fairtrade-Produkt 100% Fairtrade ist. Oftmals wird nur ein bestimmter Anteil des gesamten Produkts nach Fairtrade-Kriterien hergestellt. Grund hierfür ist, dass heutzutage die Produktion an mehreren Orten weltweit stattfindet und somit nicht in jedem Ort, die Fairtrade-Kriterien umgesetzt werden können. 

Hierdurch entstehen Probleme bezüglich der Transparenz: Zu wieviel Prozent ist das Gesamtprodukt wirklich fairtrade? Und sollte man dieses überhaupt Fairtrade nennen, wenn nicht 100% des Produkts aus fairer Herstellung kommen? Bei Naturland werden beispielsweise rund mehr als die Hälfte des Kakaos nach den Kriterien des Fairtrade-Siegels produziert. Um etwas mehr Klarheit zu schaffen, welche Nachhaltigkeitssiegel nun vertrauenswürdig sind und welche nicht, haben wir für dich nachfolgend eine Liste erstellt mit einigen Beispielen von vertrauenswürdigen und weniger vertrauenswürdigen Siegeln: 

  • Naturland Fair – Siegel 

Naturland Fair gehört zu den bestbewerteten Siegeln. Vor allem ist dieses Siegel für ihre Transparenz und für die Rückverfolgbarkeit der Produkte bekannt. Weltweit setzt es sehr strenge Richtlinien um, die sogar die des EU-Bio-Standards übertreffen. Das Label deckt rund 600 unterschiedliche Produkte ab, wie z.B. Kaffee, Tee, Gewürze, Bananen, Gemüse und Wein. Bei der Zertifizierung werden soziale sowie ökologische Aspekte berücksichtigt. Dennoch ist das Siegel viel weniger verbreitet als z.B. das im Folgenden erläuterte Transfair Fairtrade Siegel. 

  • Transfair Fairtrade Siegel 

Dieses Siegel ist eines der bekanntesten. Ziel ist es in diesem Fall, vor allem Kleinbauern und Arbeiter in Entwicklungsländern zu fördern durch das Garantieren von Mindestpreisen und Prämien für die Produzenten. Somit stehen soziale, im Vergleich zu ökologischen Aspekten vor allem im Vordergrund. Aus ökologischer Sicht betrachtet ist das Siegel eher weniger aussagekräftig. Auf biologische Produkte wird nicht besonders viel Wert gelegt. 

  • Bio-logisch 

Das Bio-logisch-Label hingegen legt einschließlich Wert auf ökologische Aspekte bei der Zertifizierung. Somit steht die ökologische Landwirtschaft im Vordergrund. Hierbei lässt sich zwischen dem EU-Bio-Logo sowie dem deutschen Bio-Siegel unterscheiden, die jedoch das gleiche Ziel verfolgen. Diese sind staatliche Siegel, denn es ist deutschlandweit und innerhalb der EU gesetzlich festgelegt, welche Produkte als “biologisch” und “ökologisch” gelten. Am 28. Juni 2007 wurde dies weiter spezifiziert durch eine Verordnung des EU Rates. Somit gibt es Richtlinien für den Prozess der Produktion und den Transport von Lebensmitteln, welche nach Europa importiert und schließlich als “Bio” gekennzeichnet werden dürfen. 

Copyright: TransFair e.V.

Weniger aussagekräftige Siegel

  • UTZ Certified 

UTZ Certified gehört zu eines der größten Zertifizierungsprogramme für Kakao weltweit. Das Programm ist in rund 37 Ländern aktiv und berücksichtigt während der Produktion sowie im Handel wirtschaftliche, ökologische und soziale Kriterien. Allerdings muss man an dieser Stelle erwähnen, dass das Siegel keine sehr strengen Kriterien verfolgt. So erhalten Produzenten beispielsweise keinen Mindestpreis für ihre Produkte. 

  • Rainforest Alliance

Rainforest Alliance bezieht sich auf Produkte, die in den Tropen hergestellt werden und Produzenten,welche bestimmte Mindeststandards für nachhaltige Landwirtschaft erfüllen, können sich auf dieses Siegel bewerben. Auch dieses Siegel verfolgt (wie UTZ Certified) keine strengen Richtlinien. Hier liegt der Fokus insbesondere auf die Produktionssteigerung, welches den Bauen jedoch  keine Mindestpreise und Prämien garantiert. Darüber hinaus wird kein Wert auf den biologischen Anbau gelegt. Somit werden soziale Aspekte nur limitiert berücksichtigt und ökologische so gut wie gar nicht. 

Fazit

Für welchen Nachhaltigkeitssiegel man sich im Endeffekt entscheidet und welchen man trauen kann, hängt von einer Vielzahl  entscheidender Faktoren ab. Man sollte sich überlegen, wofür man sich einsetzen möchte – ob man z.B. mehr Wert auf soziale oder ökologische Aspekte legt oder ob man beides beim Kauf von Produkten berücksichtigen möchte, beispielsweise durch das Naturland Fair-Siegel. Manche Siegel decken lediglich eine limitierte Anzahl von Produkten ab, andere hingegen berücksichtigen eine breitere Palette von Produkten.