Kuhmilch, Sojamilch, Mandelmilch und Hafermilch im Vergleich!

Spieglein, Spieglein an der Wand – Welche Milch ist die nachhaltigste im ganzen Land? Bereits seit einiger Zeit steht Kuhmilch im Kreuzfeuer: Ist Kuhmilch wirklich gesund für den Menschen? Eine zunehmende Anzahl an Menschen reagiert empfindlich auf Laktose und viele greifen daher zu Alternativen, wie beispielsweise Soja- oder Mandelmilch. Sind diese Alternativen gesünder? Für die Sportler unter uns, welche Kuhmilch-Alternative hat den höchsten Proteinanteil? Und wie sieht es hinsichtlich deren Nachhaltigkeit aus? Wir haben uns für dich schlau gemacht.

Eine Kuh macht muh, viele Kühe machen Mühe

Kuhmilch wird oftmals stark kritisiert: Angefangen von Laktoseintoleranz, von der in Deutschland rund 15 % der Bevölkerung betroffen ist, bis hin zu CO2-Emissionen. Dennoch halten viele daran fest, dass Kuhmilch gut für die Knochen ist und somit ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung sein sollte. Doch ist dem so?

Die schlechte CO2-Bilanz von Kuhmilch lässt sich nicht verleugnen: Die Haltung von großen Mengen an Kühen, deren Ernährung sowie Methanausstoß, ist nicht gut fürs Klima. So wird geschätzt, dass weltweit für gerade mal einen Liter Kuhmilch durchschnittlich 2,4 Kilogramm CO2 entstehen. Um diese Zahl etwas in Relation zu setzen: Die Verbrennung eines Liters Benzin produziert ebenfalls ca. 2,4 Kilogramm CO2. In Deutschland sind es zwar wenigstens nur 1,3 Kilogramm, jedoch beinhaltet diese Zahl keine Emissionen, welche beispielsweise durch den zusätzlich benötigten Transport sowie die Lagerung und Verarbeitung der Milch entstehen.

Auch gesundheitlich steht die Kuhmilch nicht allzu gut da. Zwar enthält Kuhmilch in der Tat viele wertvolle Nährstoffe, wie beispielsweise Eiweiß und Calcium, welche gut für den Körper und die Knochen sind, allerdings steht Milch ebenfalls im Zusammenhang damit Osteoporose und Entzündungen hervorzurufen sowie krebsfördernd, insbesondere hinsichtlich Prostatakrebs, zu sein. Ebenso haben Milchtrinker ein erhöhtes Risiko, Darmprobleme sowie Akne und andere Hauterkrankungen zu entwickeln. Aus Kritikerkreisen hört man immer wieder, dass Kuhmilch sich nun mal nur für Säugetierbabies eigne. Die in der Milch enthaltenen Wachstumsfaktoren seien dafür bestimmt, dass ein Kalb möglichst schnell viel Gewicht zunimmt, um entsprechend heranzuwachsen. Dies könne für ausgewachsene Säugetiere schädlich sein. Und wenn man es sich recht überlegt: Der Mensch ist das einzige Lebewesen, welches selbst im Erwachsenenalter noch Babymilch zu sich nimmt, wenn auch Babymilch für Kühe. Und so dürfte es einen nicht verwundern, dass im Schnitt 75 % der Weltbevölkerung mittlerweile Laktoseintolerant ist.

Sojamilch

Sojamilch erfreut sich weltweit zunehmender Beliebtheit. Hauptabsatzmärkte sind hier insbesondere Amerika und Europa. 

Die Auswirkungen von Sojamilch auf unsere Umwelt können ebenfalls problematisch sein: Für den Anbau von Sojabohnen werden weitläufige Flächen an brasilianischen Regenwald, dem Hauptexportland für Sojabohnen, gerodet. Alleine die EU importiert jährlich circa 35 Millionen Tonnen Sojabohnen, wovon rund die Hälfte aus Brasilien kommen. Der überwiegende Anteil dieser Menge wird jedoch nicht für Milch, sondern für Tierfutter verwendet. Es gibt mittlerweile viele Sojamilch-Marken, wie zum Beispiel Alpro, welche bewusst damit werben, dass die von ihnen verwendeten Sojabohnen aus einem nachhaltigem Anbau, oftmals innerhalb Europas oder Kanadas, kommen. Ebenso wirbt Alpro damit, dass die von dem Unternehmen verarbeiteten Sojabohnen nicht gentechnisch verändert wurden – ein weiterer Kritikpunkt, dem  sich Sojamilch-Befürworter oftmals stellen müssen. 

Obwohl der Anbau von gentechnisch verändertem Soja in Deutschland untersagt ist, landet es letztendlich u.a. in Form von Käse, Milch oder Fleisch auf unserem Teller und somit auch in unserem Körper. Schuld daran sind Regulierungen, welche es möglich machen, dass gentechnisch verändertes Soja beispielsweise für Tierfuttermittel verwendet wird, ohne das diese Produkte im Anschluss gekennzeichnet werden müssen. Der WWF schätzt, dass mehr als 80 % aller nach Deutschland importierten Sojaprodukte gentechnisch verändert sind. Welche Langzeitfolgen gentechnisches verändertes Soja auf den menschlichen Organismus haben wird, ist derzeit noch schwer abzuschätzen. Experten fürchten, dass genmanipuliertes Soja beispielsweise Allergien auslösen könnte, da das veränderte Erbgut der Sojabohne andere Proteine enthält als es normalerweise bei nicht genmanipuliertem Soja der Fall ist. Ebenso könnte es zu Antibiotikaresistenzen kommen, da in genmanipulierte Pflanzen oftmals Antibiotikaresistenzgene integriert werden. Als größtes Problem wird hier angesehen, dass genmanipulierte Pflanzen oftmals für den Markt zugelassen werden, wenn diese anhand von Tierversuchen als sicher eingestuft werden. Diese werden jedoch zum einen an Mäusen und Ratten durchgeführt, deren Organismus sich nicht vollständig auf den Menschen übertragen lässt, sowie nach einer Dauer von ungefähr 90 Tagen als abgeschlossen angesehen. Somit ist es fraglich, was tatsächlich die Langzeitauswirkungen von genmanipuliertn Pflanzen, in diesem Fall Soja, auf den menschlichen Körper sein könnten. Im Prinzip könnte man die Menschheit derzeit als großes Versuchslabor beschreiben. 

Jetzt jedoch zu den Vorteilen von Sojamilch: 

Hinsichtlich des CO2-Fußabdrucks steht Sojamilch tatsächlich wesentlich besser da als Kuhmilch: Sojamilch benötigt 25 % weniger Treibhausgase und fast 60 % weniger Anbaufläche. Das Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg (IFEU) gibt somit einen geschätzten Emissionswert in Höhe von 130 g CO2 pro 100 g Soja an – somit beurteilt das IFEU Soja als gut hinsichtlich dessen Emissionswerte-Bilanz. Ebenso kann Sojamilch mit dessen Nährwerten punkten: Sojamilch hat einen hohen Proteinanteil, zwar nicht so hoch wie Kuhmilch, jedoch höher als alle anderen Alternativen, schützt das Herz dank niedrigen Cholesteringehalt, und wird mittlerweile oftmals auch angereichert mit Calcium verkauft. Vorsicht hinsichtlich Sojamilch ist nur dann geboten, wenn eine Unverträglichkeit gegenüber Soja vorliegt!

Mandelmilch

Hinsichtlich Nachhaltigkeit steht die Mandelmilch nicht ganz so gut da: Um vollständig zu Reifen, braucht eine einzige Mandel ungefähr 4 Liter Wasser. Zudem müssen Mandeln aus deren Hauptanbaugebiete oftmals weit transportiert werden. Die USA wird weitläufig mit Mandeln aus Kalifornien beliefert, während der europäische Markt oftmals von Italien oder der iberischen Halbinsel aus beliefert wird. Unter dem Strich produziert die Herstellung von einem Liter Mandelmilch im Vergleich zu einem Liter herkömmlicher Kuhmilch zwar nur rund ein Zehntel der Treibhausemissionen, allerdings benötigt die Herstellung von einem Liter Mandelmilch 17 mal soviel Wasser! Um außerdem dem wachsenden Bedarf von Mandeln weltweit nachkommen zu können, müssen ebenfalls immer mehr Flächen für Mandel-Monokulturen zur Verfügung gestellt werden. Dies ist in Kalifornien ein besonders großes Problem, da es dort aufgrund von Sommerhitze und Dürreperioden immer wieder zu größeren Bränden kommt, welche oft wochenlang wüten und nicht unter Kontrolle gebracht werden können – zahlreiche Wohngebiete, sowie Natur und Tiere sind diesen Feuern schon zum Opfer gefallen. 

Mandelmilch kann allerdings aufgrund seiner Verträglichkeit besonders punkten: Da Mandelmilch frei von Laktose, Soja, Milcheiweiß oder gar Gluten ist, ist sie für die meisten Menschen sehr gut verträglich – selbstverständlich ausgenommen für jene, die gegen Mandeln allergisch sind. 

Der Nährwert von Mandelmilch ist hingegen schon etwas problematischer: In seiner Milchform, d.h. ausgepresste Mandeln, welche mit Wasser vermischt werden, sind viele der normalerweise in Mandeln enthaltenen wertvollen Nährstoffe, nicht mehr vorzufinden. So enthält ein 250 ml Glas Mandelmilch gerade mal 1 – 2 g Eiweiß, 5 – 7 g Fett, sowie nur wenige Gramm an Ballast- und Mineralstoffen. Um Mandelmilch trotzdem attraktiv zu machen, fügen Hersteller von Mandelmilch oftmals die nötigen Nährstoffe nachträglich hinzu. Dies macht die Mandelmilch unter dem Strich gut für unsere Gesundheit. Es sei jedoch gewarnt, dass die im Supermarkt erhältlichen Varianten oftmals gesüßt sind. Wer es etwas gesünder mag, sollte zu der ungesüßten Version greifen.

Hafermilch

Hafermilch erfreut sich in den USA und Europa immer größerer Beliebtheit – und das so sehr, dass es letztes Jahr sogar zu Lieferengpässen in Amerika kam. Dieser Hype rund um die Hafermilch ist nicht ohne Grund: Sie ist geschmacksneutraler als Soja- oder Mandelmilch, eignet sich also geschmacklich besser für Kaffee und lässt sich außerdem auch noch schön aufschäumen, hat gute Nährwerte und ist obendrauf auch noch besonders nachhaltig. Eine Warnung sei jedoch an jene gerichtet, die Gluten nicht vertragen – für die ist Hafermilch nicht geeignet. 

Doch warum ist Hafermilch so nachhaltig? Hafermilch hat den Vorteil, dass der verwendete Hafer oftmals lokal angebaut werden kann, d.h. die Emissionen für deren Transport sind vergleichsweise niedriger. Aufgrund des lokalen Anbaus besteht somit auch keine Gefahr, dass zusätzlicher Regenwald gerodet werden muss. Außerdem besitzt Hafer, vor allem wenn dieser aus Europa kommt, oftmals Bio-Qualität und wird nur sehr geringfügig mit Chemikalien bespritzt, da Hafer an sich von Natur aus eine recht resistente Pflanze ist. Ebenso benötigt Hafer nur vergleichsweise wenig Wasser für dessen Anbau.

Fazit

Sojamilch ist eine gute Alternative zu herkömmlicher Kuhmilch, solange man auf deren Herkunftsland achtet. Für Sportler ist diese, aufgrund des höheren Proteingehalts, besonders empfehlenswert.

Als ganz klarer Gewinner geht jedoch die Hafermilch hervor. Die Hafermilch kann in fast allen Bereichen punkten: Im Vergleich zu allen anderen Milchsorten, verbraucht sie weniger Bodenfläche und zusätzlich wird weniger Energie für deren Gewinnung benötigt. Hinsichtlich der Treibhausgasemissionen sind Soja- und Hafermilch als fast gleichwertig anzusehen – wobei die Herstellung von Sojamilch ein kleines bisschen weniger CO2 produzieren dürfte. 

Hafermilch ist außerdem dank ihrer Nährwerte gesund und für die meisten Menschen verträglich, ohne Allergien auszulösen.

Die Goldmedaille geht somit ohne Vorbehalte an die Hafermilch, dicht gefolgt von der Sojamilch!