Glutenfreie Ernährung

In den meisten Getreidesorten, welche wir für unser Essen verwenden, wie zum Beispiel Weizen, Roggen, Gersten und Hafer, ist Gluten enthalten. Gluten ist ein spezielles Protein, welches bei der Zubereitung getreidehaltiger Produkte dafür sorgt, dass der Teig schön elastisch wird und sich so gut kneten lässt. Doch Gluten kann sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken, wenn eine Glutenunverträglichkeit oder -sensitivität vorliegt. Ist es allerdings ratsam, Gluten zu vermeiden, selbst ohne Unverträglichkeit? LebeJetzt.de hat für dich nachgeforscht. 

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Gluten – was ist das eigentlich?

Gluten ist ein sogenanntes Klebereiweiß, welches dann entsteht, wenn gewisse Proteine mit Feuchtigkeit in Kontakt kommen und sich miteinander verbinden. 

Wir benötigen Gluten, um einen Teig richtig zubereiten zu können. Gluten kommt beispielsweise in Mehl vor. Wenn wir Mehl zum Backen benutzen und dieses mit Wasser in Berührung kommt, entstehen stabile Verbindungen, welche den Teig schön elastisch machen und zusammenhalten. Zudem sorgt das Gluten dafür, dass sich die im Teig enthaltene Luft ausdehnt und so ein leichtes und luftiges Gebäck entsteht. 

Während Gluten in vielen Nahrungsmitteln vorzufinden ist, wie beispielsweise in Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel, gibt es ebenso viele glutenfreie Optionen. Hierzu gehören zum Beispiel Mais, (Wild-)Reis, Quinoa, Hirse oder Soja

Mittlerweile ist es daher möglich, sich glutenfrei zu ernähren, ohne dass man auf Brötchen, Nudeln, Pizza & Co. verzichten muss. 

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Zöliakie, die Glutenunverträglichkeit

Während manch einer freiwillig auf Gluten verzichten möchte, ist es für jene mit Zöliakie unabdingbar. Zöliakie steht für eine Glutenunverträglichkeit, eine nicht heilbare Autoimmunerkrankung. Diese zeichnet sich durch eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus. Ausgelöst wird diese durch eine Überempfindlichkeit gegen Gluten, genauer gesagt Bestandteile dessen (Gliadine und Glutenine). 

Während rund 1 % der weltweiten Bevölkerung von Zöliakie betroffen ist, sind es in Deutschland nur rund 2 bis 4 von 1000 Personen. Dies entspricht ca. 0,2 bis 0,4 % der deutschen Bevölkerung. Da Zöliakie vererblich sein kann, hast man ebenfalls eine höhere Wahrscheinlichkeit, kein Gluten verdauen zu können, wenn mehrere Mitglieder in einer Familie eine Glutenunverträglichkeit haben. Sollte man trotz Unverträglichkeit dennoch Gluten essen, kann dies die Schleimhäute des Dünndarms schädigen. Der Körper einer Person, welche an Zöliakie erkrankt ist, aktiviert nach der Einnahme von glutenhaltigem Essen sogenannte T-Zellen im Darm. T-Zellen sind kleine weiße Blutzellen, die zur Zellgruppe der Lymphozyten gehören und zur Immunabwehr dienen. Diese Antikörper schädigen jedoch die Schleimhaut im Dünndarm, sodass nicht ausreichend Nährstoffe aufgenommen werden können. Dies kann langfristig zu Mangelerscheinungen sowie -erkrankungen führen. Es ist außerdem wichtig, dass die Schädigung der Darmschleimhaut vermieden wird, da dies ebenfalls zu einer Krebserkrankung führen kann.

Ob man eine Glutenunverträglichkeit hat, kann man an mehreren Symptomen erkennen: Nach dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln kann es zu Bauchschmerzen kommen. Dies wird oftmals von Blähungen, Verstopfungen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet. Es kann ebenfalls zur Appetitlosigkeit und Müdigkeit kommen. 

Glutenunverträglichkeit oder Lebensmittelunverträglichkeit?

Es sei jedoch gesagt, dass die Symptome einer Glutenunverträglichkeit denen einer Lebensmittelunverträglichkeit sehr ähneln. Daher ist es schwierig, die beiden Fälle voneinander zu unterscheiden. Wirklichen Aufschluss kann hier nur ein Facharzt geben, welcher eine offizielle Diagnose aussprechen kann. Dieser kann sich nämlich nicht nur ein Bild aufgrund der Symptome machen, sondern führt zudem noch einen Blutbild, einen Antikörpertest sowie eine Magenspiegelung durch. Sollte man selbst vermuten, glutenunverträglich zu sein, ist es wichtig, nicht auf eigene Faust die Ernährung umzustellen. Ziehe unbedingt einen Facharzt zu rate, welcher über entsprechende Kenntnisse und Wissen verfügt. Dieser kann zudem feststellen, ob jemand eine Überempfindlichkeit gegenüber Gluten hat oder eine nicht-zöliakische Glutensensitivität. Letzteres ist keine Autoimmunerkrankung, wie Zöliakie, sondern eher eine Art Allergie. Sollte man unter einer nicht-zöliakischen Glutensensitivität leiden, können ähnliche Symptome ausgelöst werden, wie bei einer Zöliakie. Jedoch sind die Auswirkungen weniger drastisch, wenn man dennoch Gluten zu sich nimmt. 

Falls du an einer Glutenunverträglichkeit leidest, sei es zöliakisch oder nicht-zöliakisch, lässt sich heutzutage mit dieser Diagnose wesentlich leichter leben als noch der Fall vor einigen Jahren. Viele Lebensmittelgeschäfte bieten mittlerweile eine größere Auswahl an glutenfreien Lebensmitteln an. Aufgrund dessen muss jemand, der an Zöliakie erkrankt ist, nicht auf Nudeln, Brot und Pizza verzichten. Stattdessen können diese einfach durch glutenfreie Produkte ersetzt werden. 

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Glutenfreie Ernährung: Von Therapie zu Trend

Für jene, welche an Zöliakie erkrankt sind, ist eine strikt glutenfreie Ernährung unabdingbar. Dennoch hat sich eine glutenfreie Ernährung in den letzten Jahren zu einem wahren Trend entwickelt. So greifen auch jene, welche nicht an einer Unverträglichkeit oder Sensivität leiden, bewusst zu glutenfreien Produkten. Aus der Sicht vieler Unternehmen ist dies von Vorteil, denn mit glutenfreier Ernährung, lässt sich viel Geld verdienen. Glutenfreie Lebensmittel sind im Schnitt nämlich etwas teurer als herkömmliche Lebensmittel. Daher benötigt es nur einem Aufdruck “glutenfrei” auf der Lebensmittelverpackung, damit das Unternehmen mehr an dem Produkt verdient.

Laut Experten macht eine glutenfreie Ernährung für jene, welche nicht an Zöliakie erkrankt sind, rein gesundheitlich jedoch wenig Sinn. Gluten komplett aus der Ernährung zu streichen, wenn dies nicht nötig ist, kann sogar eher negative anstelle von positiven Auswirkungen haben. An dieser Stelle ist es empfehlenswert, einen Ernährungsberater zur Seite zu ziehen. Da Gluten in so vielen unserer Lebensmitteln vorkommt, kann ein drastischer und abrupter Wegfall derer dafür sorgen, dass wichtige Ballaststoffe und Vitamine auf dem Speiseplan fehlen. 

Einen Vorteil hat eine zumindest glutenreduzierte Ernährung dennoch. Da die meisten glutenhaltigen Nahrungsmittel ebenfalls viele Kohlenhydrate enthalten, kann eine Reduzierung von glutenhaltigen Lebensmitteln dazu führen, dass weniger Kalorien zu sich genommen werden. Experten schreiben dies jedoch nicht in vollem Maße einer glutenfreien Ernährung zu, sondern eher, dass man sich zwangsläufig bewusster mit seiner Ernährung auseinandersetzt. Dementsprechend kauft man bewusster ein und trifft gesündere Kaufentscheidungen. 

Fazit

Glutenfreie Ernährung hat sich in den letzten Jahren von einem Nischendasein in einen Trend verwandelt. Für jene, die unter Zöliakie leiden, ist es allerdings unabdingbar, Gluten von ihrem Speiseplan zu streichen. Für nicht-zöliake glutensensitiven Personen ist eine glutenfreie Ernährung eine Option, um sich besser zu fühlen und unangenehme Symptome zu vermeiden. Jene, welche freiwillig, ohne jeglichen medizinischen Anlass, zu glutenfreien Lebensmitteln greifen, ist dies oftmals nur mit wenigen Vorteilen, dafür aber hohen Kosten, verbunden. 

Solltest du den Verdacht haben, eine Glutenunverträglichkeit zu haben, ist es sehr wichtig, dies von einem Facharzt untersuchen zu lassen. Es ist davon abzuraten, den Speiseplan auf eigene Faust komplett umzustellen.