Girly drinks – Alkohol als reine Frauensache?

Jeder und jede kennt ihn: den Alkohol. Auch wenn nicht alle Menschen Alkohol trinken, wissen wir doch alle, dass der Alkohol in unserem sozialen Zusammenleben und auch in der deutschen Kultur eine große Rolle spielt. Drinks beim Abendessen oder in der Hotelbar auf dem Business Trip – Alkohol wird in Deutschland bei beinahe jeder Gelegenheit konsumiert. Jetzt hat die Forscherin Mallory O’Meara in ihrem Buch beschrieben, wie sehr die Rolle der Frau in der Geschichte des Alkohols bisher übersehen wurde.

Bier

Whiskey, Vodka, Bier und Rum – “Männer Drinks”?

Einige alkoholische Drinks werden in unserer Gesellschaft mit Männlichkeit assoziiert. Dabei ist dies historisch gesehen absolut unbegründet. In den nächsten Absätzen lest ihr kleine Geschichten über die Entstehung des Whiskys, Bieres, Vodkas und Korns.

Whisky

Wusstet ihr, dass die Firma des berühmten Scotch Whisky “Johnnie Walker” in Cardow, Schottland, zuerst von einer Frau geführt wurde? Ihr Name war Helen Cumming. Sie führte die Brennerei in Cardow in den frühen 1800ern. Später wurde Cumming’s Firma und das Whisky Rezept von Johnnie Walker gekauft und wird seither als “Johnnie Walker Whisky” verkauft.
Fun fact: Helen Cumming betrieb die Brennerei illegalerweise. Erst 1824 erwarb ihr Ehemann die Lizenz zum Whisky brennen (dies war Frauen nicht erlaubt). Danach lief die Firma offiziell unter Lewis Cummings Aufsicht. Die wahre Fadenzieherin jedoch blieb Helen. Später, 1872, übernahm Tochter Elizabeth Cumming die Brennerei.

Bier

Bier

Bier wird schon seit Jahrtausenden von Menschen konsumiert. Schon 4000 v. Chr. brauten Frauen in Mesopotamien Bier. 

Und seit es Bier in Deutschland gibt, war es typischerweise die Frau, die das Brot backte, die Wäsche aufhing und, ja, auch das Bier braute. Damals braute beinahe jede Hausfrau ihr eigenes Bier. Dies ist heute bei all den riesigen, aufwändigen Brauereien kaum vorstellbar. Doch zu mittelalterlichen Zeiten war Bier das hygienischste Getränk, denn es gab kein sauberes Wasser aus der Leitung. Bier jedoch war durch den Brauprozess, in dem alle Bakterien absterben, keimfrei und reiner als Wasser 

Vodka

Der Ursprung des Vodkas ist bis heute unklar. Polen und Russland streiten sich darüber, wer sich als stolzer Erfinder des Vodkas präsentieren darf. Wir wissen jedoch, dass Katharina die Große ihren eigenen Vodka katalysierte. Sie führte außerdem die Lizenz zum Vodka brennen in Russland ein. Um Katharina die Große zu zitieren: “Ein betrunkenes Volk ist leichter zu regieren”.

Drink

Korn

Auch den Korn brannten zunächst Frauen im Haushalt im kleinen Rahmen. Dies geschah um 1500. Im Jahre 1789 gab es das erste Reinheitsgebot für Korn und größere Firmen begannen, rein gebrannten Korn zu verkaufen.

Gar nicht so männlich…

Viele alkoholische Getränke wurden somit in der Vergangenheit als normale Haushaltsarbeit von Frauen gebrannt oder gebraut. Wie also kam es dazu, dass wir viele Arten des Alkohols eher mit Männlichkeit assoziieren? Dies erklärt LebeJetzt im nächsten Paragraphen.

Was sind denn eigentlich “Girly drinks”?

Wieso assoziieren wir pinke Cocktails und Alkopops mit “girly girls” wenn Frauen doch in der Geschichte des Alkohols eine genauso große Rolle gespielt haben wie Männer? Dies liegt wohl daran, dass Frauen in den vergangenen Jahrhunderten nicht die gleichen Rechte hatten wie Männer. Das Beispiel von Helen Cumming zeigt sehr schön, wieso wir uns vermutlich länger an Lewis Cumming erinnern werden: Er war der offizielle Brenner. Und das, obwohl Helen schon knapp 20 Jahre lang illegal Scotch Whisky gebrannt hatte, als Lewis die Lizenz erhielt. 

So wurden die “harten Drinks” oft eher mit Männern assoziiert. Doch auch die Benimmregeln für feine Damen und Herren und die unterschiedlichen Erwartungen gegenüber Frauen und Männern formten unser heutiges Verständnis von “Girly Drinks”. 

Schon lange wurde von Frauen erwartet, weniger zu trinken und nie die Beherrschung zu verlieren. Typische “Frauen Getränke” sind oft süßer und weniger alkoholisch. Ob die Gründe für die Entstehung dieser Unterschiede biologisch und gesundheitlich bedingt sind oder doch nur zur Erhaltung des Patriarchat beitragen, diskutieren Soziologen heute noch. Doch fest steht: es ist genau gleich ungesund für Männer und nicht-schwangere Frauen, zu viel zu trinken. Diese mögliche biologische und gesundheitliche Erklärung hätte somit heutzutage große Lücken. Die Erwartung Frauen gegenüber, weniger zu trinken, ist heute unbegründet, weil ungewollte oder unbemerkte Schwangerschaften viel unwahrscheinlicher sind.

Mallory O’Meara und ihr Buch “Girly Drinks”

In ihrem Buch beschreibt O’Meara wie wenig Informationen es zur Rolle der Frauen in der Entstehung von Alkohol gibt – und das, obwohl (wie sie es sieht) beinahe jede Art von Alkohol zunächst “Frauensache” war. CNN beschreibt, wie O’Meara darüber oft frustriert war. Doch es erinnerte sie auch daran, warum sie dieses Buch schreibt. So entstand ihr Buch “Girly Drinks – A world history of women and alcohol” (Deutsch: Mädchengetränke – Eine Weltgeschichte der Frauen und des Alkohols).

Girlpower

Fazit

Alkohol ist sicher nur ein kleines Merkmal unserer Kultur, welches zeigt, wie viel Aufarbeitung des Patriarchats uns noch bevor steht. Bevor wir in einer tatsächlich gleichgestellten Welt leben, müssen wir noch viele historische Unklarheiten bereinigen. Denn Geschichte wird ja bekanntlich stets von den Mächtigen geschrieben und somit wird die Position derer, die nicht an der Macht sind, schnell übersehen.

Nach dem Lesen dieses Artikels wisst ihr jedenfalls schon mal Bescheid darüber, dass Alkohol historisch gesehen ganz und gar keine “reine Männersache” ist. (Aber übrigens auch keine “reine Frauensache”). Also, Mädels: hoch die Bierkrüge und die Whiskey Gläser. Aber denkt daran: Drink responsibly and don’t drink and drive!