Gemüse im Anmarsch: Frische Lebensmittel aus eigenem Anbau

Wer sich auf die Suche nach einem nachhaltigeren Lebenswandel begibt, welcher sowohl unseren Planeten als auch die eigene Gesundheit vor unnötiger Zerstörung beschützt, stößt früher oder später auf die weitreichende Frage: Was esse ich eigentlich jeden Tag? Denn essen bedeutet konsumieren. Und bewusster Konsum ist nicht zuletzt beim Thema Ernährung der Schlüssel zu einem enkeltauglicheren Umgang mit den Ressourcen dieser Welt.

Woher kommen nun aber unsere Nahrungsmittel? Unter welchen Bedingungen werden sie hergestellt und wie lang sind die Transportwege für dieses oder jenes Produkt? Was für Auswirkungen hat mein Konsum auf die Herkunftsländer und die Menschen, die dort arbeiten? Und wie gesund können Lebensmittel noch sein, die mit Pestiziden behandelt und in Plastik eingeschweißt im Verkauf landen? Je tiefer man in diese Materie eintaucht und je mehr Details man über die Produktionshintergründe unserer modernen Ernährung erfährt, desto drängender wird bei vielen das Bedürfnis, sich deutlich gesündere und nachhaltigere Alternativen zu erschließen.

Die gute Nachricht ist, dass es heutzutage eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt, mit denen so gut wie jede*r einen Teil seines Essens selbst produzieren kann. Zumindest stimmt das für die Grundnahrungsmittel Gemüse und Obst. Und daraus lassen sich dann auch allerlei Köstlichkeiten zubereiten.

Aber jetzt zum eigentlichen Thema: Heute stellen wir euch 5 Ideen vor, wie die Versorgung mit frischen, naturbelassenen Zutaten kein ferner Traum bleiben muss – nicht mal für waschechte Stadtbewohner_*innen!

1. Balkonien ist mein Gemüseregal

Selbst das kleinste Fensterbrett oder der überschaubarste Balkon eignen sich dafür, ein paar Küchenkräuter, wenn nicht sogar einiges an frischem Obst oder Gemüse selbst zu ziehen. Alles, was es dazu braucht, ist ein bisschen Kreativität, um den Platz günstig auszunutzen, sowie die Basics von Erde, Saatgut, Wasser und Sonnenlicht.

Frische Petersilie, Schnittlauch oder Basilikum brauchen keine allzu großen Töpfe, stellen aber auf dem Speiseplan eine echte Bereicherung dar. Das Gleiche gilt für Erbeeren oder Physalis, aber auch Tomaten haben eine ganz gute Chance, in den eigenen vier Wänden erfolgreich zu gedeihen. Direkt von der Terasse gepflückt, ist auch keine Lebensmittelverschwendung zu erwarten – man erntet ja immer nur so viel, wie man gerade in dem Moment zum Kochen braucht.

Diese Form der Selbstversorgung mag auf den ersten Blick unspektakulär klingen. Doch wer sich einmal aufmacht und zunächst im kleinen Rahmen Erfahrungen sammelt, bekommt vielleicht nach und nach die Motivation, weitere Schritte zu gehen in Richtung Eigenanbau.

2. Kleingarten und Co

Richtig toll ist es natürlich, wenn man über ein Gartenstück direkt am eigenen Haus verfügt. Da steht dem Gemüseanbau doch eigentlich nichts mehr im Wege, oder? Ob man die Pflanzen in den Erdboden setzt oder lieber mit Hochbeeten arbeiten will, ist sicherlich Geschmackssache. Wie überall hat auch beim Gärtnern jede Methode ihre Vor- und Nachteile.

Wer kein eigenes Grundstück bepflanzen kann, hat vielleicht alternativ die Möglichkeit, eine Parzelle in einer Kleingartenkolonie zu pachten? Hier findet man unter Umständen auch andere Menschen, die Lust auf einen Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung haben. Man könnte sich zum Beispiel beim Gießen und Unkrautjäten in der Urlaubszeit aushelfen und so den Ertrag bei allen Beteiligten steigern. Ein gemeinsam veranstaltetes Gartenfest mit Tellern voll selbst gezogener Leckereien verbindet ganz anders als eins mit gekauften Zutaten!

In manchen Großstädten gibt es außerdem Initiativen wie den Bauerngarten. Dort bereiten professionelle Landwirte Boden und Jungpflanzen vor und die Pächter_*innen haben dann einen einfachen Start in den Gemüseanbau. Es gibt die Möglichkeit, sich mehr oder weniger intensiv in den Bereich einzuarbeiten mithilfe von Workshops und regelmäßigen Informationen zur Pflege und Ernte. Schnell passiert es, dass man hier mehr Zucchini und Tomaten nach Hause trägt, als man selbst überhaupt verzehren kann – und das in reinster Bioqualität!

3. Urban Gardening

Aber was tut man, wenn man beim besten Willen nicht in das Privileg eines eigenen Gartenstücks kommt? Muss man dann den Traum vom selbst angebauten Gemüse komplett aufgeben?

Wie die Initiative „Incredible Edible“ (deutsch: unglaublich essbar) aus Todmorden/England vormachte, lautet die Antwort eindeutig: Nein, das muss man nicht! Die Aktivist_*innen in Todmorden haben mit viel Elan und Pioniersgeist bewirkt, dass ihr Ort in wenigen Jahren zu einem grünen Paradies zum Mitmachen und Teilen wurde. Obst, Gemüse und Kräuter wachsen dort zwischen Bushaltestelle und Fahrradgeschäft, vor der Polizeiwache und in Parkanlagen. Diese Form des Urban Gardening trägt auf vielen verschiedenen Ebenen dazu bei, die Welt deutlich grüner, sozialer und gesünder für alle zu machen.

Ihrem Beispiel sind inzwischen schon einige andere Ortschaften gefolgt und auch in Deutschland finden wir Projekte wie die „Essbare Stadt München“, wo Bürger_*innen ganz offiziell die Möglichkeit bekommen, öffentliche Räume mit dem eigenen Gemüse zu bepflanzen.

4. Solidarische Landwirtschaft

Und dann gibt es natürlich auch noch – wenn auch vor allem im ländlichen Bereich – die Bewegung der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi). Die Mitglieder eines solchen Zusammenschlusses bauen ihre Lebensmittel häufig in größerem Umfang an und verkaufen die Überschüsse, die sie nicht selbst verbrauchen, direkt in der Region auf Märkten oder in Gemüsekisten. Man kann sich in der Regel mit Arbeitsstunden und /oder Geldbeiträgen beteiligen – ganz nach den eigenen Möglichkeiten und je nach Struktur der einzelnen SoLaWi- und kommt so in den ganzjährigen Genuss, natürlich angebauter, frischer Grundnahrungsmittel der Saison.

5. Sammeln, was die Natur zu bieten hat

Zu guter Letzt sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass die Natur um uns herum voller Geschenke steckt, die nur darauf warten, von uns erkannt und geerntet zu werden. Ob Holunderstrauch, Kirschbaum, Wildkräuter oder Brombeerbusch – sie alle und noch viel mehr findet man an vielen öffentlichen Orten. Es braucht manchmal nicht mehr als einen Spaziergang am Stadtrand mit offenen Augen und einen Korb oder Beutel: Schon können die frischen Gaben gesammelt und daheim verarbeitet werden.

Es gibt also eine ganze Reihe an Varianten, wie man sich als Verbraucher_*in in unserer heutigen, naturfernen Realität mehr Kontrolle über die eigenen Lebensmittel verschaffen kann. Auf diese Weise wird es endlich wieder möglich, frische und vor allem reif geerntete Feldfrüchte ohne zugeführte Giftstoffe zu genießen. Die Vielfalt der Sorten wird merklich größer, da man im Eigenanbau auch Arten wählen kann, die nicht in erster Linie auf ihre Transportfähigkeit sondern auf den Geschmack hin gezüchtet wurden. Vier verschiedene Sorten Tomaten auf dem Balkon? Drei Kürbisarten im Hochbeet? Überhaupt kein Problem – und eindeutig abwechslungsreicher als die immer gleichen Produkte aus dem Supermarkt!

Durch den Anbau und die bewusste Ernte der eigenen Hände Arbeit steigt automatisch die Wertschätzung unseren Lebensmitteln gegenüber und es fällt uns nebenbei auch noch kinderleicht, viel häufiger saisonal und regional zu kochen!

Dieser Beitrag ist ein Gastartikel von Bloggerin Jitka. Auf Ihrem inspirierenden Blog bluebottles findest du weitere interessante Artikel zu Themen wie Nachhaltigkeit, Achtsamkeit, Minimalismus und Gemeinschaftsleben.