Flüssigseife vs Festseife: Was ist die bessere Wahl?

Der Ottonormalverbraucher wäscht seine Hände zwischen 10 und 15 mal am Tag. Möglichst sollte dies gründlich und mit warmem Wasser nach jedem Toilettengang, vor dem Zubereiten von Mahlzeiten, nach dem Nachhausekommen sowie jedem Kontakt mit möglichen Keimträgern durchgeführt werden. Dennoch bleibt die Frage, welche Seife beim Händewaschen am effektivsten ist, oft unbeantwortet. Wir vergleichen Flüssig- und Festseife und erklären Ihnen alle Vor- und Nachteile der beiden Formen.

Obwohl seit kurzer Zeit das traditionelle Seifenstück in viele deutsche Badezimmer zurückkehrt, sind die Meinungen zu der Festseife heutzutage des Öfteren gespalten. Unhygienisch, unpraktisch und austrocknend sind oft Stichworte, die im Gespräch um feste Seife fallen. Gleichzeitig steht jedoch auch die flüssige Seife in der Kritik, welche aufgrund der wenig nachhaltigen Herstellung und/oder Verpackung den einen oder anderen Umweltschützer die Nase rümpfen lässt. Bei näherer Betrachtung beider Seifenformen lassen sich jedoch Vorteile bei beiden Produkten nicht abstreiten.

Festseife

Seife entsteht, wenn Fette durch den Prozess einer sogenannten “Verseifung” zerlegt werden. Je nach Kettenlänge der Fettsäuren, welche durch den Kochprozess freigesetzt werden, bildet sich eine weichere oder härtere Konsistenz der Seife, woraus dann wiederum Schmierseife bzw. Kernseife entsteht. Zumeist werden zur Herstellung von festen Seifen pflanzliche oder tierische Fette genutzt, wie zum Beispiel Oliven-, Palmen-, oder Kokosfett. Bei weniger hochwertigen Seifen ist jedoch auch oft tierisches Sodiumfett oder Schlachterei-Fettreste enthalten, welche durch stark riechende Parfüme überdeckt werden sollen.

Feste Seifenstücke haben einen recht basischen pH-Wert, was oft zur Annahme führt, dass Festseifen die Haut angreifen oder schädigen. Was dabei oft außer Acht gelassen wird ist, dass das Wasser, das zum Waschen genutzt wird, diesen basischen pH-Wert der Seife recht schnell neutralisiert und die Seife somit nicht hautschädigend wirkt. Ein weiterer Vorteil der Festseife ist ihre rückfettende und milde Wirkung, welche die Haut weniger austrocknet. Zudem führt ein festes Seifenstück dazu, dass die Haut leicht aufweicht und so die Wasseraufnahme und dessen Speicherung verbessert wird. Natürliche Zusätze, wie Lavendel, Salbei oder Rose, sind außerdem ein Grund für viele Menschen, Festseifen anstatt ihrer flüssigen Form zu nutzen.

Neben den pflegenden Vorteilen der Festseife ist ein Punkt für viele besonders ausschlaggebend, um sich für die Nutzung jener zu entscheiden. Feste Seifen sind nachhaltiger und besser für die Umwelt, da diese ohne chemische Zusatzstoffe hergestellt werden und demnach langfristig schonender abgebaut werden können. Zudem hält eine Seife beim täglichen Gebrauch mehrere Monate und ist schon zum kleinen Preis von weniger als einem Euro erhältlich. Gleichzeitig hat die Festseife (meistens) keine Plastikverpackung nötig, was wiederum der Umwelt zugute kommt.

Trotz vieler positiver Aspekte des Seifenstückes gibt es auch viele Stimmen, die die Verbannung der herkömmlichen Seife aus deutschen Badezimmern seit den 1980ern unterstützen. Denn für viele Menschen ist die Festseife eine echte Bakterienschleuder, insbesondere wenn diese von nicht nur einer, sondern mehreren Personen mitbenutzt wird. Ungewiss ist bei einer Gemeinschaftsseife, was der vorherige Wäscher an den Händen hatte und dieser Schmutz nun womöglich am Seifenstück hängt. Ebendieser Grund führte dazu, dass in allen öffentlichen Waschräumen heutzutage Seifenspender mit flüssiger Seife zu finden sind. Experten haben jedoch festgestellt, dass Bakterien und Keime auf der alkalischen Oberfläche einer Seife keine Chance zum Überleben haben, während dies auf Pumpspendern hingegen schon der Fall ist. Worauf jedoch geachtet werden sollte, ist das regelmäßige Reinigen der Seifenschale, denn auf dieser können sich Bakterien und Keime sehr wohlfühlen.

Festseife erlebt ein Comeback, unter anderem aufgrund des Trends für Wiederkehrendes, worüber sich unsere Haut sicherlich freuen wird. Der Gebrauch von Seifenstücken ist sicherlich Geschmackssache, aufgrund der zum Teil eingeschränkten Praktikabilität sowie fragwürdigen Hygiene insbesondere in öffentlichen Wascheinrichtungen.

Flüssigseife

Flüssigseife ist trotz seines irreführenden Namens keine Seife im eigentlichen und klassischen Sinne. Vielmehr ist die Flüssigkeit aus dem Pumpbehälter eine Lösung oder auch Emulsion von Syndets (abk. “Synthetische Detergenzien”), also reinigungserleichternden Substanzen, in Wasser. Von vielen Menschen für ihre Praktikabilität geschätzt, basiert Flüssigseife auf saurer oder synthetischer Umgebung, die dem pH-Wert der Haut, welcher bei 4,1 bis 5,8 liegt, angeglichen ist. Dies führt dazu, dass diese im ersten Moment hautverträglicher erscheinen. Viele Flüssigseifen sind außerdem oft als “besonders cremig” oder “hautpflegend” gekennzeichnet, allerdings sind Flüssigseifen aufgrund ihrer chemisch-basierenden Herstellungen nur selten wirklich rückfettend und entziehen der Haut somit noch mehr Feuchtigkeit. Jedoch überwiegen für viele Nutzer die hygienischen Vorteile der Flüssigseife aus dem Pumpspender und ziehen sie deshalb der Festseife weiterhin vor. Nichtsdestotrotz ist auch bei der Flüssigseife aus der Plastikverpackung kein Schutz vor fremden Bakterien und Keimen 100-prozentig gewährleistet, denn auf der Drückfläche des Pumpspenders sammeln sich diese nur zugern und haben Raum zu überleben. Aus eben diesem Grund gibt es inzwischen in vielen öffentlichen Waschräumen sensorsensible Seifenspender, welche durch das Erkennen einer Hand Seife abgegeben.

 

Eine Vielzahl wissenschaftlicher Tests hat ergeben, dass es keinen Unterschied in der Waschqualität und der letztendlichen Sauberkeit der Hände zwischen Flüssig- und Festseife gibt. Welche Form der beiden Seifen wirklich hautverträglicher ist, scheint weiterhin eine ungelöste Frage, da sich die Hautverträglichkeit von Mensch zu Mensch unterscheidet. Experten raten Menschen mit besonders sensibler Haut eher zur Festseife zu greifen, da diese weniger chemische Inhaltsstoffe enthalte und aus diesem Grund sanfter zur Haut sei. Im Vergleich von Festseife und Flüssigseife sprechen insbesondere die ökologischen und ethischen Argumente für die Nutzung von einem festen Seifenstück. Allerdings gilt auch hier: Lesen Sie sich die Verpackung der Seife und dessen Inhaltsstoffe genau durch und kaufen Sie möglichst regional-hergestellte Seifen, um den ökologischen Vorteilen auch wirklich gerecht zu werden. Wenn Sie trotzdem auf Flüssigseifen nicht verzichten können oder wollen, empfiehlt es sich auch hier, Tests der verschiedenen Seifen zu beachten und Wert auf die rückfettenden Eigenschaften der jeweiligen Seife zu legen.

Fröhliches Händewaschen!

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