Der Nutri-Score

Wäre es nicht schön, wenn wir beim Einkaufen ein Lebensmittel in der Hand halten, direkt wissen könnten, wie gesund bzw. ungesund dieses ist – ohne lange nach der meist zu kleingedruckten Nährwerttabelle suchen zu müssen? Ja, schön wäre das, sagen die Verbraucher sowie Institutionen, welche sich für den Verbraucherschutz stark machen. Ein kräftiges Nein kommt, nicht allzu überraschend, von Seiten der Lebensmittelindustrie. Lese nachfolgend alles rund um den umstrittenen Nutri-Score, welcher nun nach Deutschland kommen soll.

Der Nutri-Score erklärt

Zukünftig soll es ganz einfach werden, gesunde von ungesunden Lebensmittel zu unterscheiden, dank einem A bis E Notensystem: Ein “A” bedeutet, dass das Lebensmittel gesund ist und dieses täglich ohne große Bedenken auf dem Teller landen kann. Ein “E” hingegen signalisiert, dass man das jeweilige Lebensmittel nur in geringen Mengen und als Ausnahme zu sich nehmen sollte. Die Buchstaben sind zusätzlich farblich gekennzeichnet, sodass man schon von weitem erkennt, ob es sich um ein nahrhaftes oder nicht so nahrhaftes Lebensmittel handelt. Wie die jeweiligen Nutri-Scores berechnet werden, wird in Detail in einer Broschüre von Danone auf Foodwatch erläutert.  

Grundsätzlich setzt sich die Bewertung aus einer Analyse der enthalten Ballaststoffe, Proteine, Zucker, gesättigten Fettsäuren und Energiewerten zusammen. Produkte, wie beispielsweise Obst, Gemüse und Nüsse, werden als gesund und somit mit guten Buchstaben bewertet. Tiefkühlpizza und Schokolade hingegen werden entsprechend mit schlechteren Buchstaben bewertet. Zuletzt genannte Lebensmittel sind selbstverständlich nicht an sich ungesund, jedoch macht die Dosis das Gift. Die schlechte Bewertung sollen dem Verbraucher deutlich machen, dass diese nicht regelmäßig auf dem Speiseplan stehen sollten. 

Dieses einfache Ampelsystem wurde in Europa erstmals in Frankreich verwendet und hatte sich anschließend ebenfalls in den angrenzenden Ländern (Luxemburg, Belgien, Spanien und Portugal) etabliert. Besonders interessant ist hier, dass in 2010 die Einführung eines einfachen Ampelsystems als Nährwertkennzeichnung von der Lebensmittellobby in Europa verhindert wurde.

Ernährungsministerin Klöckners fragwürdiges Verhalten

Es wundert einen ja nicht, dass Firmen, welche zum Beispiel Süßigkeiten oder Junkfood herstellen, über den Nutri-Score nicht sonderlich erfreut sind. Denn der Score könnte zu Umsatzrückgängen führen. Dass jedoch gerade Ernährungsministerin Julia Klöckner sich zunächst gegen den Nutri-Score aussprach und sogar Studien, welche das Ampelsystem als positiv bewerteten, zurückhielt, sollte uns als Verbraucher hellhörig werden lassen.   

Nach Beschluss der Bundesregierung sollte bis zum Sommer 2019 ein System vorgelegt werden, welches die Nährwertkennzeichnung für Verbraucher vereinfacht. Aufgrund dessen wurde das Max Rubner-Institut (MRI) dazu beauftragt, verschiedene Nährwertmodelle zu bewerten. Vier Modelle wurden als potentielle Kandidaten vorgeschlagen, zu welchen anschließend rund 1600 Verbraucher befragt wurden. Über die folgenden Modelle konnte abgestimmt werden (die jeweiligen Prozent von der Verbraucherbefragung lassen sich in den Klammern finden):

  1. Der Nutri-Score aus Frank­reich (57 %)
  2. Ein System des Max-Rubner-Instituts (MRI) (28 %)
  3. Das Keyhole-System aus Skandinavien (7 %)
  4. Ein System des Bundes für Lebens­mittel­recht und Lebens­mittel­kunde (BLL) (5 %)

Mit 57 % liegt der Nutri-Score ganz klar vorne. Als das MRI im Anschluss dessen den e Nutri-Score insgesamt als positiv bewertete, bat Klöckner daraufhin via E-Mail um “größte Vertraulichkeit”. Der Bericht des MRI wurde dann erst nach einem sechsmonatigen Überarbeitungszeitraum vom Ministerium offengelegt. Die ursprüngliche Studie des MRI soll nicht veröffentlicht werden, was von der Verbraucherorganisation Foodwatch als inakzeptabel angesehen wird.

                                                                               Quelle: BMEL/Janine Schmitz/photothek.net

Nun, da sich der Nutri-Score als offizieller Gewinner herausgestellt hat, hat sich die Tonlage von Klöckner jedoch schlagartig geändert: Der anfängliche Gegenwind ist auf einmal nicht mehr zu spüren. Das Modell soll nun zeitnah in Deutschland eingeführt werden, sobald dieses auf EU- und Bundesebene abgesegnet wurde. In den Regalen unserer Supermärkte sollte man das Label dann im nächsten Jahr vorfinden können. Wichtig ist es, sich darüber bewusst zu sein, dass der Nutri-Score vorerst nicht verpflichtend sein wird. D.h. es steht jedem Unternehmen frei, ob dieses den Nutri-Score auf ihren Produkten platzieren möchte.

Kritik an dem Nutri-Score

Man hört jedoch nicht nur positive Stimmen im Zusammenhang mit dem Nutri-Score: Kritiker bemängeln, dass ein einfaches Ampelsystem nicht genug Aufschluss darüber gibt, ob man eine ausgewogene Ernährung zu sich nimmt oder nicht. Die Bedürfnisse eines jeden einzelnen Körpers seien zu komplex, als das sich diese durch ein simples Ampelsystem wiederspiegeln lassen. So würde eine Ernährung, welche sich ausschließlich aus Lebensmitteln der Gruppe “A” zusammensetzt, nicht automatisch bedeuten, dass alle Bedürfnisse entsprechend abgedeckt seien.

Fazit

Der Nutri-Score wird zukünftig als zusätzlicher Wegweiser für eine gesunde Ernährung auf der Verpackung vieler Hersteller vorzufinden sein. Die Nährwerttabelle, welche innerhalb von Europa nicht nur einheitlich sondern auch verpflichtend ist, wird den Nutri-Score nicht ersetzen. Vielmehr sollen Verbraucher den Nutri-Score als Ergänzung sehen. Wer sich gerne selbst ein Bild über die enthaltenen Nährwerte machen möchte, kann dies also auch zukünftig weiterhin anhand der Nährwerttabelle tun. Jedoch wird der Nutri-Score es vielen erleichtern, gesunde Kaufentscheidungen im Supermarkt zu treffen. Es wäre zu begrüßen, wenn der Nutri-Score auf lange Sicht nicht nur als freiwillige Kennzeichnung versehen wird, sondern verpflichtend auf Verpackungen hinzugefügt werden muss.