Berlin Fashion Week 2019: Nachhaltige Mode voll im Trend

Wie jedes Jahr transformierte sich Berlin in diesem Jahr vom 15. bis zum 17. Januar 2019 zur Fashion-Hochburg der Welt. Während diese Tage vor allem im Zeichen neuester und ausgefallener Trends stehen, welche die Topmodels dieser Welt graziös präsentieren, scheint insbesondere ein Thema ganz besonders im Fokus zu liegen: Nachhaltigkeit. Wir stellen euch die besten nachhaltigen Mode-Trends der Berlin Fashion Week 2019 vor.

Fashion aus den Ozeanen

Recycelte Materialien, nachwachsende Fasern, ethische Arbeitsbedingungen, kurze Transportwege, lange Lebensdauer, geringer Wasserverbrauch: So geht nachhaltige Mode und in diesem Jahr haben die meisten Fashionlabels diese Bewegung für sich erkannt. Unter dem Titel “Going Green” stellten verschiedenste Designer ihre nachhaltigen Kreationen vor. Einer von ihnen ist Javier Goyeneche mit seinem Label Ecoalf, welches in Zusammenarbeit mit der HAP-Stiftung in 2015 unter dem Namen “Upcycling the Oceans” ins Leben gerufen wurde. Aufgrund größer werdender Frustration bezüglich der Massen an Plastikabfall, die insbesondere in westlichen Ländern entstehen, wollte Goyeneche zeigen, was mit recycelten Materialien alles gemacht werden kann. Heute beauftragt das Projekt Fischer an über 28 spanischen Fischerhäfen, um Müll aus dem Wasser zu holen und Materialien wie PET-Flaschen nach der Aufbereitung dazu zu nutzen, trendige Mode, Accessoires und Schuhe herzustellen. Den Klamotten selbst ist ihre plastiklastige Herkunft nicht anzusehen und somit sind die trendigen Teile aus qualitativ hochwertigen Materialien perfekt für den Alltag geeignet. Neben High-End-Läden ist die nachhaltige Mode beispielsweise in Form von Winterjacken bei geläufigen Verkaufsplattformen wie AboutYou für 150 bis 350 Euro verfügbar. Bei zukünftiger größerer Nachfrage, so das Label, werden auch die Preise für diese sinken.

Wiederverwendbarkeit voll im Trend

Quelle: Reet Aus

Ein Stichwort, welches immer wieder auf der Berlin Fashion Week fiel, ist “Circularity”, also die Kreislaufwirtschaft. Das bedeutet, dass Abfallvermeidung im Vordergrund steht und Ressourcen immer wieder erneut genutzt werden.Inbegriffen ist außerdem das sogenannte “Upcycling”, also nicht nur die Wiederverwendung von Materialien, sondern aus bereits genutzten Dingen etwas noch schöneres herzustellen. Ein Modelabel, das sich Upcycling in der Mode zur Aufgabe gemacht hat, ist das ebenfalls auf der Fashion Week vertretene Reet Aus mit der gleichnamigen Designerin. Reet Aus spezialisiert sich mit ihrer Mode darauf, Stoffabfälle wiederzuverwenden und neu als Kleidung zu produzieren. Das Label arbeitet zusammen mit dem Textilproduzenten Beximco (z.B. H&M, Zara) und hat ein Konzept entwickelt, was sich auf den Upcycling-Prozess spezialisiert und beispielsweise bereits beim Zuschneiden von Nähvorlagen darauf achtet, wie die Stoffreste weiterverwendet werden können. Die estnische Designerin mit Doktortitel, deren Idee zur Upcycling-Mode aus ihrer Doktorarbeit entstand, macht bereits seit 2002 nachhaltige Mode, welche jetzt in 2019 auch weltweit Anklang findet und auf der Berlin Fashion Week glänzen konnte.

Nachhaltiges Rhabarberleder

Quelle: Deepmello

Neben der Wiederverwendung von Materialien steht auch Schonung von Ressourcen sowie Vermeidung gesundheitsschädlicher Stoffe im Vordergrund. Ein Modelabel, was davon erfolgreich Gebrauch macht, ist das deutsche Unternehmen “deepmello”. Deepmello stellt Ledermode her, allerdings nicht irgendeine Ledermode, sondern welche, die aus Rhabarber hergestellt wird. Die Rhabarberwurzel, ein nachwachsender Rohstoff, der ansonsten eher in Kuchen, Marmelade oder als Schorle Verwendung findet, hat effektive Gerbeigenschaften und kann zu einem lederähnlichen Produkt verarbeitet werden, welches zu besonders weichem Nappaleder verarbeitet wird. Erforscht wurde das Produkt in jahrelanger Arbeit mit zahlreichen Partnern, um eine nachhaltige Alternative zur Lederproduktion zu gewährleisten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Produktion von Rhabarberleder verzichtet vollständig auf tierische Produkte, schädliche Chromsalze und Schwermetalle und setzt auf eine schadstoffarme Herstellung, was den nachhaltigen Faktor gegenüber herkömmlicher Lederproduktion ausmacht. Der größte Teil von Lederprodukten wird heutzutage weiterhin mit dem Schwermetall Chrom gegerbt, wobei das krebserregende Chrom VI entstehen kann, welches Hautirritationen und Allergien verursachen kann. Rhabarberleder hingegen ist schonend in der Herstellung, ein einzigartig pflanzlich gegerbtes Leder, welches atmungsaktiv und hautverträglich ist und mit dem ECARF-Qualitätssiegel der Europäischen Stiftung für Allergienforschung ausgezeichnet wurde. Die hundertprozentige Herstellung in Deutschland mit kurzen Transportwegen und regionalen Partnern machen diese Nachhaltigkeitsinnovation perfekt. Und auch der Fashionaspekt kommt nicht zu kurz: Deepmello bietet wunderschöne Ledertaschen, -kleidung, -accessoires und -schuhe an, die nicht nur unglaublich weich sind, sondern auch angenehm süßlich-zart riechen. Ob VeganerIn oder nicht – dieses nachhaltige Modelabel ist jede Unterstützung wert.

Fazit

Nachhaltigkeit ist angesagt. Egal, ob im Zusammenhang der Ernährung, Kosmetik, Fortbewegung, Reisen, Sport oder eben Fashion: Nachhaltigkeit und der Schutz unserer Umwelt weiten sich auf alle Bereiche unseres Lebens aus. Wir freuen uns, dass der Gedanke der Erhaltung unseres Planeten nun auch in der eher als oberflächlich bekannten Welt der Mode angekommen ist und sind gespannt, was sich in den nächsten Jahren noch an nachhaltiger Mode auf den Laufstegen dieser Welt finden lassen wird.