Ach du dickes Ei! Eier aus Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung?

Ob für Ostern, als Rühr- oder Spiegelei oder das weichgekochte Frühstücksei: Eier sind lecker, gelten als gesund und passen zu vielen Mahlzeiten! Doch wenn man im Supermarkt vor dem Eiersortiment steht, wundert man sich doch des Öfteren: Welche Eier soll ich kaufen? Wo kommen diese hier? Welche Haltungsform wird mit meiner Kaufentscheidung unterstützt? Und welche Eier kommen tatsächlich von glücklichen Hühnern? Wir wollen dir nachfolgend helfen, etwas Durchblick im Eier-Dschungel zu bekommen.

Ungefähr 220 Eier isst ein Deutscher pro Jahr im Durchschnitt. Eine Legehenne kann jährlich bis zu 280 bis 300 Eier legen. Somit bräuchte jeder Deutsche seine eigene Legehenne, um seinen jährlichen Bedarf abzudecken! Und wer wissen möchte, woher die Eier stammen, der wird sicherlich schon des Öfteren einen näheren Blick auf die Verpackungsetiketten geworfen haben. Doch was bedeuten die Ziffern eigentlich?

Das 0-1-2-3 der Haltungsform

Vorab schon einmal eine Entwarnung: Wer seine Eier in Deutschland kauft und diese aus der Europäischen Union kommen, der kann sich zumindest sicher sein, dass seine Eier nicht aus einer Legebatterie kommen. Diese sind in der EU nämlich mittlerweile glücklicherweise verboten. Derzeitige Mindestanforderungen für die Käfige, in welchen leider immer noch rund 11% aller Legehennen in Deutschland gehalten werden, sollen ab 2025 ebenso verboten sein. Somit würden alle Legehennen ihre Eier in Boden- oder Freilandhaltung legen.

Haltungsform “3”: Käfighaltung

Dies entspricht Eiern, welche aus dieser sogenannten ausgestalteten Käfighaltung kommen. Hier erhalten die Hennen einige Sitzstangen, Legenester und etwas Einstreu. Diese Haltungsform soll jedoch wie bereits erwähnt ab 2025 in Deutschland untersagt werden. Jeder Henne stehen 0,075 m² an Käfigfläche zur Verfügung – das sind rund 27.5 cm². Wenn du zwei 30cm-lange Lineale im rechten Winkel zueinander vor dich legst, ist die entstandene Fläche somit größer als der Bewegungsfreiraum, welcher einer Legehenne in ihrem ganzen Leben zusteht, da die angegebene 0,075 m² große Fläche auch noch deren Sitzstange, Legenest und Einstreu beinhaltet. Die Höhe der Käfige muss gerade mal 50 cm betragen. 

Die eingesetzten Legehennen sind heutzutage fast ausschließlich auf hohe Legeleistung spezialisierte Hybridzüchtungen. Diese können sogar über 300 Eier im Jahr legen, müssen aber auch nach 12-14 Monaten geschlachtet und als Suppenhühner verkauft werden, da ihr Körper dieser extremen Beanspruchung nicht mehr gerecht wird.

Betriebe halten bis zu 10.000 Legehennen in einer Halle.

Haltungsform “2”: Bodenhaltung

Hier dürfen die Legehennen zumindest in einem geschlossenen Stall in Bodenhaltung leben. Mit einem m² für neun Legehennen ist die Bodenhaltung immer noch sehr eng bemessen, jedoch stehen den Hennen Legenester auf mehreren Etagen zu und ein Drittel des Stalls muss mit Einstreu ausgestattet sein, damit die Hennen etwas Raum zum Scharren haben. Leider haben die Hennen hier keinerlei Möglichkeit, Auslauf in der frischen Luft zu erhalten. 

Die Gruppengröße ist auf maximal 6.000 Tiere festgelegt. Die Durchschnittsgröße einer freigeformten Hühnergruppe in der Wildnbahn liegt bei fünf Hühnern.

Haltungsform “1”: Freilandhaltung

Für den Stall in der Freilandhaltung gelten die gleichen Bestimmungen wie für die Legehennen in Bodenhaltung. Jedoch haben die Hennen hier noch eine zusätzliche Möglichkeit: Sie können tagsüber im Freien sein. Somit erhält jede Henne tagsüber zusätzliche 4 m² Auslauffläche im Freien an frischer Luft. Es wird empfohlen, den Tieren auch Tränken bereitzustellen – dies ist jedoch kein Muss.

Bedenklich ist hier jedoch, dass das Futter der Hennen, im Vergleich zu Hennen aus ökologischer Bio-Haltung, nicht aus biologischem Anbau kommt. So können für Hennen in Freilandhaltung beispielsweise Abfallprodukte als Futter verwendet werden. Wer sich noch an den Eier-Dioxin-Skandal in 2011 erinnert, bei dem sollten hier alle Alarmglocken läuten.

Haltungsform “0”: Ökologische Bio-Haltung

Die Haltungsform für Legehennen mit dem derzeit besten Standard. Hier erhalten sechs Legehennen einen m² zum Scharren. Die Hennen erhalten Sitzstangen und der Boden muss mit Sand, Holzspäne oder Stroh ausgestattet sein, damit die Hennen scharren können. Jede Henne hat tagsüber ebenfalls, wie für Legehennen in Freilandhaltung der Fall, die Möglichkeit, an der frischen Luft zu sein, mit vier m² an Auslauffläche. Zusätzlich erhalten die Hennen nur Futter, welches aus ökologischem Anbau kommt. 

Die Gruppengröße ist auf bis zu 3000 Hennen festgelegt.

Der Eier-Code

Die Nummer der Haltungsform befindet sich als erste Nummer auf dem Eier-Code. Dieser könnte beispielsweise so aussehen: 0-DE-1234567.

Direkt hinter der Nummer für die Haltungsform befindet sich das Kürzel für das Herkunftsland des Ei. Hier gelten die geläufigen Länderkennzeichnungen, wie zum Beispiel “DE” für Deutschland, “CH” für die Schweiz oder “NL” für die Niederlande.  

Die sechsstellige Nummer, welche sich hinter der Länderkennzeichnung befindet, gibt einem darüber Aufschluß, aus welchem Legebetrieb das Ei kommt. Die ersten beiden Nummern stehen für das jeweilige Bundesland:

01: Schleswig-Holstein

02: Hamburg

03: Niedersachsen

04: Bremen

05: Nordrhein-westfalen

06: Hessen

07: Rheinland-Pfalz

08: Baden-Württemberg

09: Bayern

10: Saarland

11: Berlin

12: Brandenburg

13: Mecklenburg-Vorpommern

14: Sachsen

15: Sachsen-Anhalt

16: Thüringen

Tipp: Wer genau wissen möchte, aus welchem Betrieb sein jeweiliges Ei kommt, der kann auf dem Internetauftritt des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V. seinen Eier-Code eingeben.

Gewichtsklassen

Neben dem Eier-Code finden sich auf der Verpackung oft auch Angaben über die Gewichtsklasse der Eier. Diese werden von S bis XL gekennzeichnet.

Eier der Gewichtsklasse S wiegen unter 53 g und die der Gewichtsklasse M 53 bis 63 g. Gewichtsklasse L umfasst Eier von 63 bis 73 g und unter Gewichtsklasse XL fallen all die Eier, welche mehr als 73 g wiegen. Im Handel sind üblicherweise nur Eier der Gewichtsklassen M und L zu finden.

Augen auf beim Eierkauf

Während man beim Kauf der Frühstückseier somit Kontrolle darüber hat, welche Eier und somit welchen Betrieb und Haltungsform man unterstützt, ist es bei vielen Fertigprodukten, welche Eier enthalten, leider nicht ganz so einfach. Oft werden für Produkte, wie beispielsweise Nudeln, Kuchen, oder Backmischungen, Eier aus Käfighaltung benutzt, da diese für den Herstellungsprozess günstiger in der Anschaffung sind. Laut dem Deutschen Tierschutzverbund werden rund 40 % der gesamten in Deutschland produzierten Eier in Produkte weiterverarbeitet. Auf dem fertigen Produkt ist dann keinerlei Information darüber zu finden, aus welcher Haltungsform die Eier ursprünglich kamen. Dem bewussten Konsumenten wird somit die Möglichkeit genommen, zu entscheiden, welche Haltungsform er mit dem Erwerb des Produktes unterstützt. Ebenso unterliegen gekochte und vorgefärbte Eier, wie zum Beispiel der Fall für Ostereier, keiner Kennzeichnungspflicht. Dem sollte man sich bewusst sein, wenn man hartgekochte Eier benötigt. Besser wäre es hier, die Eier selbst zu kochen, um nicht ungewollt Eier aus Käfighaltung zu erwerben.

Braune oder weiße Eier?

Die Farbe des Ei sagt, trotz hartnäckiger Gerüchte, nichts über die Qualität des Ei aus. Ebenso gibt es keinerlei geschmackliche Unterschiede. Die Farbe eines Ei hängt lediglich von der Rasse der Henne ab.

Ist mein Ei noch frisch?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Ei ist meistens großzügig bemessen. Meist sind diese noch nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum verzehrbar. Es wird jedoch dazu geraten, sollte das Ei zwei Wochen über das Haltbarkeitsdatum sein, dieses entweder zu braten, backen oder kochen, um möglichen Keimen den Gar auszumachen.

Ebenso gibt es einen einfach Test, um herauszufinden, ob das Ei noch gut ist: Lege das Ei in eine Schüssel mit kaltem Wasser. Schwimmt das Ei oben, dann hat sich die Luftkammer innerhalb der Eierschale vergrößert und es handelt sich um ein altes Ei. Sinkt das Ei jedoch zum Boden, dann handelt es sich um ein frisches Ei.

Fazit

Insgesamt würden wir beim Eierkauf nur zu Eiern aus Bio-Haltung raten. Eier, welche aus Boden- oder gar Käfighaltung kommen, sollten vermieden werden, da die Haltungsbedingungen für die Legehennen absolut unwürdig und inakzeptabel sind. Ganz abraten würden wir ebenso von vorgekochten und vorgefärbten Eiern, da hier keine Kennzeichnungspflicht besteht.

Wir wünschen dir viel Spaß beim Eierkauf!